Diese Rennen sind laut Gericht verboten

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Amtsgericht Schwäbisch Gmünd
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Problem ist das Streben nach der höchstmöglichen Geschwindigkeit: Amtsrichter entscheidet über zwei Fälle am gleichen Tag.

Schwäbisch Gmünd

Im schnellen Konvoi durch die Buchstraße oder mit 160 Sachen nach Lorch auf der Flucht vor der Polizei: Dass zwei sehr unterschiedliche Handlungen für Richter den gleichen Straftatbestand - verbotenes Kraftfahrzeugrennen - erfüllen, zeigte sich am Montag am Amtsgericht.

Am Vormittag warf Staatsanwalt Klaus Schwichtenberg den Angeklagten G. und C. vor, im Februar zusammen mit zwei anderen Beteiligten ein Rennen gefahren zu sein. Zumindest durch Baldung- und Glocke-Kreisel sowie einen Teil der Buchstraße sei die rasende Fahrt gegangen, verfolgt von einem Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn. Ein ordnungsgemäß fahrendes Auto in der Buchstraße habe den Konvoi abgebremst. Zwei der beteiligten Fahrer hätten den „Langsam-Fahrer“ überholt, den zweiten der überholenden Wagen konnten die Polizisten anhalten und kontrollieren.

Dessen Fahrer, der 22-jährige C., sagte dem Richter, er sei völlig normal durch die Buchstraße gefahren, um sich an der Tankstelle am Ende der Straße mit Kumpels zu treffen. Unterwegs habe er eine deutlich langsamere Limousine überholt. Dann sei er auch schon von der Polizei kontrolliert worden und kurz darauf an der Tankstelle nochmals. Dorthin hatten nämlich die verfolgenden Polizisten Verstärkung gerufen in der Hoffnung, so möglicherweise die weiteren Teilnehmer der schnellen Konvoi-Fahrt zu ermitteln. Sie trafen dort auch den 23-jährigen G., dessen Wagen nach ihrer Ansicht auch am Rennen beteiligt war.

Mit über 100 Sachen

G. wiederum sagte, auch er sei völlig normal zu der Tankstelle gefahren, um sich einen Tee zu holen. C. kenne er überhaupt nicht. Die beiden Streifenpolizisten dagegen sagten aus, dass sich G., C. und andere sehr vertraut begrüßt hätten, das zeigten die Überwachungsvideos der Tankstelle. Die Beamten berichteten, sie hätten den Konvoi teilweise mit über 100 Sachen verfolgt, aber erst aufschließen können, als der langsamere Personenwagen die anderen abbremste.

Die Verteidiger Alfred Baumhauer und Sebastian Carl argumentierten, die Strecke zwischen Baldung-Kreisel und Uni-Park, wo C. kontrolliert wurde, wäre viel zu kurz, um auf über 100 Stundenkilometer zu beschleunigen. Doch Richter Yannick Röhm lehnte den Antrag der beiden ab, das von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen. Er verurteilte die beiden Männer zu einer Geldstrafe von je 5200 Euro. Zudem sollen sie den Führerschein abgeben und erst nach frühestens einem Jahr neu beantragen können.

Gleicher Sitzungstag, gleicher Anklagevorwurf, verbotenes Rennen : Am Nachmittag musste sich ein 19-Jähriger vor Richter Yannick Röhm verantworten. Er räumte weitgehend ein, was ihm Staatsanwalt Schwichtenberg vorgeworfen hatte: Dass er mit seinem Kraftrad in einer Nacht im Juli in der Lorcher Straße ein Auto sehr flott überholt hatte. Die Besatzung des Streifenwagens, der in diesem Moment entgegenkam, schaltete das Signal „Stop Polizei“ ein, was den jungen Mann eher noch antrieb. Mit bis zu 160 Stundenkilometern, so die Beamten, jagte er Richtung Lorch. Erst ein einbiegendes Auto bremste ihn, so dass die Polizisten ihn kontrollieren konnten. Ergebnis: kein Alkohol, keine Drogen. Die Flucht sei einfach eine Kurzschlussreaktion gewesen, beteuerten der Angeklagte und sein Verteidiger Stefan Scheffold. Dabei, sagte einer der Polizisten, wäre das Ganze wohl mit einer Belehrung vor Ort abgelaufen, wenn er nach dem Überholen einfach angehalten hätte.

Kennzeichen hochgeklappt

Außerdem hatte der bisher nicht vorbestrafte Mann zu Beginn der Flucht sein hinteres Kennzeichen hochgeklappt, so dass es nicht mehr abgelesen werden konnte. Das sei an seinem Zweirad ab Werk so eingebaut, sagte er. Das Hochklappen kreidete ihm Röhm zusätzlich als Kennzeichenmissbrauch an. Der Richter stimmte aber mit Jugendgerichtshelfer Alexander Heyder überein, dass der Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu behandeln sei. Im Urteil verhängte er deshalb keine Geldstrafe wie vom Staatsanwalt gefordert. Allerdings wurde der Führerschein des jungen Mannes eingezogen und die bereits seit Juli gesperrte Fahrerlaubnis für weitere acht Monate gesperrt. Damit muss er, wie sein Verteidiger erläuterte, die Führerscheinprüfung, die er nach der Tat unterbrechen musste, von vorne beginnen - mit den damit verbundenen Kosten.

Mit quietschenden

Ein Polizeibeamter, zur Fahrt durch den Glocke-Kreisel
  • Haftstrafe bis zu zwei Jahren möglich
  • Aus §315d im Strafgesetzbuch: (1) Wer im Straßenverkehr 1. ein nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen ausrichtet oder durchführt, 2. als Kraftfahrzeugführer an einem nicht erlaubten Kraftfahrzeugrennen teilnimmt oder 3. sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

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