Dort wird niemand eingesperrt

+
Im Aufenthaltsraum der ZfP-Außenstelle im Haus der Gesundheit (v. l.): Bernd Czerny, Stationsarzt Dr. Adrian Andries, Sabine Frank, Dr. Christopher Dedner, die Pflegedienstleiterin Gabi Bernat, Dr. Joachim Bläse und Julia Uttel.
  • schließen

Landrat Dr. Joachim Bläse besucht die Gmünder Außenstelle des Zentrums für Psychiatrie. Anlaufstelle für Suchtprobleme.

Schwäbisch Gmünd

Bei Suchtproblemen mal im Haus der Gesundheit im früheren Margaritenheim um Rat fragen? „Da bist du ganz schnell in der Geschlossenen“, dieses Vorurteil in der Bevölkerung kennt Daniela Bayer , die als Ergotherapeutin in dieser Außenstelle des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Winnenden arbeitet. Doch Stationsleiterin Sabine Frank widerspricht diesem Vorurteil klar: Wer hier um Rat fragt, entscheide selbst, ob er ihn auch annimmt. Das und vieles mehr über diese Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung erfuhr Landrat Dr. Joachim Bläse, als er am Donnerstag diese ZfP-Außenstelle besuchte. Er sei dankbar über dieses niederschwellige Angebot - gerade in einer Stadt wie in Gmünd.

Das Angebot ist sehr niederschwellig, denn jede und jeder kann dort anrufen, wenn oder sie meint, möglicherweise ein Suchtproblem zu haben. Jeder Anrufer bekomme dann auch einen zeitnahen Termin für ein Vorgespräch in der Ambulanz, sagt Sabine Frank. Darin werde abgeklärt, ob der Ratsuchende die Hilfe der Klinik benötigt. Und er könne dann entscheiden, ob er sie annimmt. Auf Wunsch bieten die Therapeuten auch weitere Gespräche an. Und mache Menschen brauchen einfach mehrere Anläufe - weil sie sich nicht sofort für eine Therapie entscheiden oder weil sie wieder rückfällig werden.

Meist werden im ZfP Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen behandelt, doch auch Fälle von Medikamenten- oder Spielsucht treten dort auf. Oft, sagt Sabine Frank, sind Süchte auch verbunden mit Depression oder Angststörung, die bei einer Therapie ebenfalls angegangen werden müssen. Frank arbeitet in der Gmünder Außenstelle, seit diese vor zehn Jahren ihren Betrieb in der Weißensteiner Straße aufgenommen hat.

Dr. Christopher Dedner, Chefarzt des ZfP, schildert die unterschiedlichen Hilfemöglichkeiten in der Außenstelle in Gmünd: In der Tagesklinik können bis zu 18 Patienten tagsüber behandelt werden, abends sind sie im gewohnten Zuhause. Das habe den Vorteil, dass Probleme oder Konflikte, die im heimischen Umfeld auftauchen, sofort in die Therapie einbezogen werden können.

Wie reagiert der Partner?

Und wie sollten Angehörige und Partner auf die Sucht eines Menschen reagieren? Es sei falsch, zum Beispiel mit dem Bruch der Beziehung zu drohen, sagt Dedner. Der Partner oder die Partnerin solle aber durchaus klarstellen, dass er oder sie mit der derzeitigen Situation nicht zufrieden ist.

Eine tagesklinische Therapie daure in der Regel etwa drei Wochen, erläutert der Chefarzt. Menschen, bei denen eine schwierige Entgiftung nötig ist, können in der Gmünder Außenstelle auch stationär behandelt werden.

Manche Menschen, sagt Sabine Frank, schildern in dem Vorgespräch auch ihre Trinkgewohnheiten und fragen, ob sie süchtig sind. Das, so Frank, sei allein aufgrund einer Trinkmenge kaum zu beantworten. Abhängigkeit beginne, „ wenn ich merke, ich kann's nicht mehr weglassen“. Andererseits muss es gar nicht immer die Droge selbst sein. Dr. Christopher Dedner berichtet, dass für „trockene“ Alkoholiker auch alkoholfreies Bier riskant sein könne - allein wegen des typischen Biergeschmacks, der unter Umständen wieder die Abhängigkeit auslöse.

Schwieriges Jahr

Durch die Corona-Krise hatte das ZfP wirtschaftlich ein relativ schwieriges Jahr, bilanziert der kaufmännische Direktor Bernd Czerny. Therapeutisch jedoch konnte das Zentrum durchgehend für die Patienten da sein, sagt Dr. Dedner. Sabine Frank berichtet, dass man während des Lockdowns mit vielen Patienten täglich in Telefonkontakt stand.

Kontakt zu der Gmünder Außenstelle des Zentrums für Psychiatrie bekommt man telefonisch unter 07171/79664-4890 zu diesen Zeiten: Montag bis Donnerstag 8 - 16.30, Freitag 8 - 16 Uhr. Melden können sich alle Erwachsenen. Die Anmeldung kann auch direkt über den Hausarzt oder eine Suchtberatungsstelle erfolgen.

Wenn ich merke, ich kann's nicht mehr weglassen.“

Sabine Frank, über den Beginn einer Sucht

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare