Drohte er seiner Frau, sie vom Rosenstein zu stürzen?

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Der Rosenstein in Heubach stand im Mittelpunkt der Verhandlung.
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Gmünder Amtsgericht verhandelt den Vorwurf der massiven Bedrohung innerhalb einer Ehe - letztlich ohne Ergebnis.

Schwäbisch Gmünd

Er wird sie vom Rosenstein hinabstürzen. Oder, da sie nicht gut schwimmen kann, in einen Bach werfen. Auch Erschießen war ein Thema. Hat ein Mann das tatsächlich zu seiner Ehefrau gesagt? Das versuchte Amtsrichter Johannes Heth am Donnerstag im Gmünder Amtsgericht zu klären.

Ganz anderer Grund?

Dort saß der 52-jährige H. unter dem Vorwurf der Bedrohung auf der Anklagebank. „Noch verheiratet“ gab er als Familienstand an. Staatsanwältin Falkenstein warf ihm vor, seine Ehefrau im vergangenen Jahr drastisch eingeschüchtert zu haben. „Du kannst gehen, aber ich töte dich“, habe er zu ihr gesagt. Unter anderem habe er ihr damit gedroht, sie vom Rosenstein hinabzustürzen. Weiterer Punkt der Anklage: In der Uferstraße in Gmünd habe er sich seiner Frau trotz gerichtlich verfügten Verbots genähert.

Das stellte der Angeklagte völlig anders dar: Er sei gegen Gewalt, habe seine Gattin nie geschlagen. Mehr noch: „Ich hab' meine Frau immer bis zum letzten Tag wie eine Blume behandelt.“ Seine Überzeugung sei: „Wer eine Frau schlägt, ist kein Mann.“

H.'s Verteidiger Wolfgang Weng führte aus, dass sein Mandant einen ganz anderen Grund für die Anschuldigungen sieht: Seine Frau sei in ihrer vorherigen Ehe von ihrem Mann krankenhausreif geprügelt worden. Aus dieser Zeit habe sie traumatische Störungen. Das sei auch der Grund, dass sie ihm vorgeworfen habe, ihren Sohn sexuell missbraucht zu haben. Auch da, so Weng, habe sich herausgestellt, dass der Vorwurf nicht stimme. Diese Entscheidung eines Gerichts bestätigte die Polizistin, die die Vorwürfe der Frau untersucht hatte. Das Gericht sei der Auffassung gewesen, dass die Schilderungen der Frau ein normales Verhältnis zwischen Vater und Sohn gezeichnet hätten. Nach dem Vorfall in der Uferstraße habe sie den Mann befragt und der habe versichert, dass er sich an das Annäherungsverbot halte. Allerdings habe er seinen Anwalt aufgesucht gehabt - und der hat seine Kanzlei in der Uferstraße. Die Frau sei ihr „gedanklich klar“ erschienen, als sie von dem Vorfall in der Uferstraße erzählte, sagte die Polizistin auf Nachfrage von Richter Heth.

Eine Zeugin erzählte, dass sie in einem Geschäft in der Nähe der Uferstraße arbeitet. An dem Tag, an dem sich H. angeblich seiner Frau genährt hat, sei die Frau nach dem Vorfall vor dem Geschäft gestanden und habe ihr mit einem „total verschreckten, angstvollen Blick“ von der Begegnung mit ihrem Mann erzählt und gefragt, ob sie bleiben dürfe, bis die Polizei kommt.

Auch die Frau des Angeklagten, die in der Verhandlung ebenfalls als Zeugin gehört wurde, versah ihren Familienstand „verheiratet“ mit einer Ergänzung: „immer noch“. Die Angabe ihres Noch-Ehemanns, dass er sie nie geschlagen hat, bestätigte sie. Aber er habe mehrfach gedroht, sie umzubringen, wenn sie ihn verlasse, bestätigte sie ebenso die Vorwürfe der Anklage. Vor der Trennung von ihrem jetzigen Mann habe sie unter Depressionen und Panikattacken gelitten, sagte sie; ebenso, dass ihr vorheriger Mann sie geschlagen habe - „nur geschlagen, aber nicht psychisch unter Druck gesetzt“, differenzierte sie allerdings das angebliche Verhalten ihrer Ehemänner. Verteidiger Wolfgang Weng hielt ihr vor, dass sie ihrem Mann bereits 2012 Bedrohung vorgeworfen habe. Die Frage stelle sich, weshalb sie dann noch acht Jahre bei ihm geblieben sei.

Nicht schlüssig

Letzten Endes stellte Richter Johannes Heth das Verfahren mit Zustimmung der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft ein. Es habe, sagte er, „keine schlüssige Beweisführung“ gegeben, um die Wahrheit herauszufinden.

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