Ein 67-stufiges Geschichtsbuch

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Hofdame Birgit Norden-Abendschein (l.) und die ehrenamtlich Engagierten Jürgen Bergander und Petra Weiner (r.) empfangen ab sofort wieder Besucher im Fünfknopfturm.
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Ab sofort können Besucher wieder samstags uns sonntags den Fünfknopfturm in Schwäbisch Gmünd erkunden. Was sie dort erwartet und wer hinter der ganzen Arbeit steckt.

Schwäbisch Gmünd

Schon eine Viertelstunde vor der Öffnung reihten sich am Samstag beim Fünfknopfturm geduldig die Neugierigen auf. Pünktlich öffnete sich die Tür und nach der Begrüßung durch Hofdame Birgit Norden-Abendschein im schwarzen historischen Gewand durften die Besucher mit Maske und Abstand Absatz über Absatz die 67 Turmstufen ersteigen.

Im Erdgeschoss eine Ausstellung mit vielen Fotos der „Ermöglicher“ der Staufersaga, Stephan Kirchenbauer-Arnold und Diane von Württemberg, die für die kostbare Ausstattung mit edlen Stoffen und kostbaren Steinen sorgten.

Nach 21 Stufen tauchen die Besucher in die Staufersaga ein. Bilder über Bilder erinnern an die Szenen des Spektakels. Bewacht von einem Wächter, der an der Wand beim Spitzbogenfenster lehnt, mit Helm auf dem Kopf, die Hellebarde an die Schulter gelehnt, den wachsamen Blick nach draußen gerichtet.

Königliche Ausstattung

Nach elf weiteren Stufen steht man mitten in der Stauferdynastie. Sehr beeindruckend, Friedrich II., Friedrich von Staufen und Barbarossa auf übermannshohen Bildnissen Auge in Auge gegenüber zu stehen. Bei letzterem blitzen Schelmenblick und Gesichtszüge des Malers Hans Kloss auf. Ganz königlich die Ausstattung des Raums: Ein edler Perserteppich in Sandtönen deckt den Steinboden.

Auf der vierten Ebene die Erinnerung an den Mann, der mit der Staufersaga Geschichte auf Gmünds Straßen verlegte. Stephan Kirchenbauer-Arnold entwickelte aus deutscher Geschichte ein Epos, in dem viele Gmünder ihre Talente einbrachten. Als Darsteller, Schmiede, Waffenträger, Tänzer, Gaukler und Hübschlerinnen. Aber auch ihre handwerklichen Fähigkeiten, bei einigen schon fast vergessen, in die Werkstätten wie in Rüstkammer, Gewandmeisterei und vielen anderen Sparten in zahllosen Stunden im Ehrenamt ein, um Gewänder und Waffen zu schmieden, historische Fähigkeiten zu schulen. In diesem Raum zeugen Fotografien von Stephan Kirchenbauer-Arnolds intensiver Arbeit. Auch zwei handschriftliche Seiten mit Regieanweisungen und Texten sind ausgestellt.

In der Tiefe eines kleinen Turmfensters ruht eine Trauerrose auf rotem Samt, die die Schmiede nach seinem Tod geschaffen haben. Ursprünglich war es eine schwarze Rose. Doch sie wurde bei einer Besichtigung entwendet und ist heute durch eine kupferfarbene Rose wieder ersetzt.

Ein Raum voller Informationen zur Staufersaga ist nach weiteren 23 Stufen erreicht. Die Übersichtstafel zeigt, wie differenziert und klug die Gesamtorganisation des Staufersagavereins aufgebaut wurde. Detailbilder geben Einblick in einzelne Arbeitsbereiche. Beeindruckend das Nähen des Königsmantels mit den Mitwirkenden, aber auch kunstvollen Details wie den Emaillestücken an der Vorderkante des Mantels. Damit ist der Besichtigungsrundgang für das Publikum abgeschlossen. Die weiteren 27 Stufen des Turms führen in die ehemalige Wohnung. Der Blick aus der Höhe ist umwerfend und leises Bedauern schleicht sich ein, dass man hier nicht mehr wohnen darf.

Thüringer im Turm

Über 30 Besuche waren es am Samstag bis halb eins, am Nachmittag waren es weniger, aber sehr interessierte. Eine kleine Gruppe aus Thüringen beeindruckte der Fünfknopfturm sehr. Schmunzelnd standen sie Barbarossa gegenüber, der in ihrem thüringischen Kyffhäuser seinen Schlaf verbrachte: „Das verbindet uns“, so der Mann mit Hut.

Die Ausstellungen werden ergänzt und verändert, berichtet Petra Weiner, die seit 2010 bei den Ehrenamtlichen engagiert ist. Alle Gruppierungen im Staufersagaverein arbeiten an der Ausgestaltung unter Gundi Mertens Führung. Sie alle haben den Fünfknopfturm zu diesem lebendigen Geschichtsbuch gemacht, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Motto: „Alle für einen“

Die spontanen Kommentare voller Kenntnis der Ehrenamtlichen machen die Besichtigung noch interessanter und spannender. Nach dem Motto „Alle für einen“, so Petra Weiner, mache das Engagement große Freude. Die beiden, die für den Nachmittag im Dienst sind, sind ebenfalls hoch motiviert. Renate Hauf ist seit der Staufersaga dabei, Rolf Waldenmaier seit 2017. Sie sagen: „Haben uns so gefreut auf heut!“ und überreichen zum Abschied einen Jubiläumsbecher zur Staufersaga, „wenn reichlich gespendet wird!“, zwinkert Rolf Waldenmaier und schlüpft in „Die Umarmung“, eine Skulptur von Diane von Württemberg an der Seite des Fünfknopfturms.

Der Fünfknopfturm in Schwäbisch Gmünd ist samstags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.staufersaga.de.

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