Ein „Appell“ an die Menschlichkeit

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Das Festival Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd ist eröffnet. Die Christophorus-Kantorei Altensteig präsentierte zum Auftakt im Heilig-Kreuz-Münster die Uraufführung „Appell“ von Jens Klimek.
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Festival Europäische Kirchenmusik mit einer Uraufführung eröffnet.  Landesbischof  Frank Otfried July über die „Vision Europa“.

Schwäbisch Gmünd

Mit dem Motto „Vision Europa“ trifft das Festival Europäische Kirchenmusik den Nerv der Zeit. „Was für ein mutiger Titel in diesen Zeiten“, sagt der evangelische Landesbischof Dr. Frank Otfried July bei der Eröffnung am Freitagabend im Heilig-Kreuz-Münster. Ein Europa als  Wertegemeinschaft, als gemeinsamen Kulturraum, das möchte Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold, wie er am Ende des Eröffnungsfests sagt. „Damit das keine leeren Worthülsen bleiben, muss es mit Inhalt gefüllt und gelebt werden. Und genau diese Inhalte bietet unser Festival Europäische Kirchenmusik“, so Arnold.

Erstmals nach zwei Corona-Jahren erleben Besucherinnen und Besucher wieder ein volles Festival-Programm, hören bis zum 7. August auch Konzerte, die eigentlich schon für 2020 vorgesehen waren.  Musikalisch umrahmen Münsterorganist Stephan Beck und  die Christophorus-Kantorei Altensteig unter Michael Nonnenmann den Eröffnungsgottesdienst. Im Mittelpunkt steht  die Uraufführung „Appell“ von Jens Klimek aus dem 15. Kompositionswettbewerb Zeitgenössische Geistliche Musik. Das Vokalstück basiert auf Rose Ausländers Gedicht „Gemeinsam“. Der Oberbürgermeister bedankt sich am Ende bei Jens Klimek, übergibt ihm die Urkunde  und erinnert an die weiteren Veranstaltungen dieses Eröffnungswochenendes. An  das Preisträgerkonzert am Samstag im Münster mit dem lettischen Komponisten Peteris Vasks und am Sonntag „The Curious Bards“ aus Frankreich auf der Remspark-Bühne. Festival-Intendant Klaus Stemmler freut sich über die Aufführung „Appell“ und die „Tatsache, dass die Christophorus-Kantorei nach zwei Jahren Pandemie auf diesem hohen Niveau agiert“. 

Für Frank Otfried July, der den Eröffnungsgottesdienst im gut besuchten Münster gemeinsam mit Dekanin Ursula Richter und Dekan und Münsterpfarrer Robert Kloker feiert, ist es die letzte Predigt in seinem aktiven Dienst als Landesbischof. „Dass nun diese Predigt in ökumenischer Verbundenheit in Schwäbisch Gmünd stattfindet, hat für mich eine besondere Bedeutung: Hat doch die Suche und das Bemühen um Einheit in versöhnter Verschiedenheit mich all die Jahre begleitet. Und ich freue mich, dass gerade in Schwäbisch Gmünd viel davon zu spüren ist“, so Frank Otfried July. Es klinge wie   ein Prophetenruf, wie ein sanfter „Appell“,   das Wort der Dichterin und Europäerin Rose Ausländer,  die selbst den fürchterlichen Zerfall Europas und den Versuch der Auslöschung eines ganzen Volkes aus allen europäischen Ländern, die Ermordung von Millionen von Europäerinnen und Europäern erlebt habe. July erinnert daran, dass „wir fast überall alle Ausländer und Ausländerinnen sind und somit dann eigentlich doch alle überall zu Gast, auch zu Hause“. Dann spricht der Landesbischof die Musik an, die beste Möglichkeit, wieder neu träumen zu lernen. Denn in der Musik stehe der gemeinsame Weg im Mittelpunkt, die gemeinsame Wanderschaft in einem Takt und Rhythmus, den man gerne miteinander gehe. 

 Immer mit Unterstützung  

Begleitet wird das Festival vom Freundeskreis Europäische Kirchenmusik. Wie immer macht er sich mit einer kleinen Überraschung auf sich aufmerksam. Diesmal erhalten Besucherinnen und Besucher nach dem Gottesdienst Bonbons mit eingearbeitetem EKM-Logo. Und an Infoständen – acht solche Auftritte sind vorgesehen – informieren Vorsitzende Susanne Wiker und die aktiven Mitglieder nicht nur über das Festival, sondern engagieren sich für Kinder aus der Ukraine. Dafür stehen Spendenschweine bereit, der Erlös ist für den Instrumentalunterricht interessierter ukrainischer Kinder an der Musikschule. Schon im Vorfeld hat der Freundeskreis Konzertkarten an die „Herzenswege“ übergeben.

Karten für die fast 30 Konzerte bis zum 7. August gibt es im i-Punkt und an den Abendkassen.

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