Ein besonderes Jahr im Kloster

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Daniela Pantleon (vorne) und Madleen Krämer genießen es, mit Eleonore Kerschbaum und den anderen Schwestern im Kloster der Franziskanerinnen zusammenzuarbeiten.
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Daniela Pantleon und Madleen Krämer arbeiten seit September im Kloster der Franziskanerinnen. Warum diese Erfahrung für sie so besonders ist.

Schwäbisch Gmünd

Madleen Krämer und Daniela Pantleon haben sich vor einem Jahr entschieden, ins Kloster zu gehen. Seit September leisten die jungen Frauen bei den Franziskanerinnen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) – und sie haben es nie bereut.

Die 18-jährige Daniela Pantleon aus Bettringen möchte Biologie studieren, um in der Forschung zu arbeiten. Doch vorher wollte sie noch was ganz anderes sehen. So stand sie nach ihrem Abitur am Scheffold-Gymnasium vor der Wahl, ein FSJ in einem Sportverein oder im Kloster der Franziskanerinnen zu machen. Sie hat sich fürs Kloster entschieden, weil sie interessiert war am Lebensstil der Schwestern und an deren Tagesablauf.

Die meisten machen ein FSJ im Altenheim oder im Kindergarten, sagt die 21-jährige Madleen Krämer aus Rattenharz. Im Kloster, das sei schon was Besonderes. Sie war nach ihrer Fachhochschulreife nach Australien gegangen. Aus geplanten sieben bis neun Monaten Aufenthalt wurden elf, weil aufgrund der Coronalage alle Rückflüge gestrichen waren. So hat sie im Frühjahr 2020 die Bewerbungsgespräche in Rathäusern der Region verpasst und sich daran erinnert, wie ihre Cousine von ihrem FSJ im Kloster der Franziskanerinnen geschwärmt hatte. Heute kann sie das gut nachvollziehen.

Die Atmosphäre im Kloster sei außergewöhnlich: Die Schwestern strahlen eine besondere Ruhe aus, leben in ihrem eigenen Rhythmus, der vom Morgen-, Mittags- und Abendlob bestimmt ist, erzählt sie. Daran nehmen die FSJlerinnen nicht teil, die beide evangelisch sind. Anfangs waren sie sich unsicher, ob ihre Konfession bei der Bewerbung eine Rolle spielt. Doch diese tat nichts zur Sache. Wichtig sei nur, den Glauben der Schwestern zu akzeptieren und Rücksicht etwa auf die Gebetszeiten zu nehmen. Doch insgesamt gehe es sehr locker und familiär zu im Kloster. So können die jungen Frauen immer mit Fragen zu den Mitarbeitern und den Schwestern kommen. „Hier kann man mit seinen Aufgaben wachsen“, sagt Daniela Pantleon.

Im Kloster wird viel gelacht

Die Schwestern seien dankbar für jede Hilfe. Etwa, wenn die FSJlerinnen sie zum Arzt fahren oder alle paar Wochen für den Nachmittagskaffee ein Programm gestalten, unter anderem mit Diashow oder gemeinsamem Singen. Da schallt dann auch mal „Schön ist die Jugend“ durchs Kloster. Und es werde viel gelacht, erzählt Madleen Krämer, die von so manchem lockeren Spruch der Schwestern überrascht war. „Vor Gebrauch gut schütteln“, sagte eine 84-Jährige etwa, nachdem sie auf dem Weg zum Arzt durch ein Schlagloch gefahren waren.

Beeindruckt haben Madleen Krämer und Daniela Pantleon aber vor allem die Lebensgeschichten der Schwestern. „Das sind nicht nur Nonnen, die oben am Berg beten“, sagt die 21-Jährige, „die haben richtig viel geschaffen in Schwäbisch Gmünd“. Damit meint sie unter anderem das Canisiushaus, aber auch das aktuelle Projekt: das Hospiz, das derzeit am Kloster entsteht und im August fertig werden soll. Dafür gibt es eine große Spendensammlung, zu der auch Leser der Gmünder Tagespost bei der Weihnachtsaktion 2020 ihren Teil beigetragen haben. Schwester Benedicta Ewald und Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel haben die FSJlerinnen in die Marketingaktionen dafür einbezogen. So lernten sie etwa, wie eine Internetseite aufgebaut oder ein Flyer gestaltet wird.

Vorwiegend arbeiten Daniela Pantleon und Madleen Krämer jedoch an der Pforte des Klosters, nehmen Telefonate entgegen, beantworten Anfragen. Aber sie durften auch in die Hauswirtschaft und die Küche des Klosters hineinschnuppern. Die Tätigkeit sei vielfältig und nie langweilig, erzählen die beiden. Und das, obwohl das Gästehaus wegen Corona geschlossen, die Arbeit auf der Krankenstation nicht möglich und die geplante Bildungsreise nach Krakau ausgefallen ist. Doch Madleen Krämer und Daniela Pantleon möchten die Erfahrung des FSJ im Kloster nicht missen, das nun noch bis Ende August geht.

Das sind nicht nur Nonnen, die oben am Berg beten, die haben richtig viel geschaffen in Schwäbisch Gmünd.“

Madleen Krämer, FSJlerin im Kloster

Interesse an einem FSJ im Kloster?

Im Kloster der Franziskanerinnen leben derzeit 17 Schwestern im Alter von 77 bis 99 Jahren, zwei Franziskanerinnen wohnen außerhalb. Im Kloster arbeiten 30 Mitarbeiter, einige von ihnen in Teilzeit.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr wird im Kloster der Franziskanerinnen auf der Kranken- und Pflegestation, im Gästehaus, in der Klosterküche und in der Hauswirtschaft angeboten.

Träger für das FSJ ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). FSJler erhalten 410 Euro Vergütung im Monat. Sie haben in dem Jahr 25 Tage Urlaub, 25 Seminartage und dürfen an einer Bildungsreise teilnehmen.

Voraussetzungen: FSJler müssen mindestens 18 Jahre alt sein, einen Autoführerschein haben und kontaktfreudig sein.

Wer Fragen zum FSJ hat, meldet sich bei Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel unter Telefon (07171) 9219990.

Bewerbungen gehen an die Franziskanerinnen der ewigen Anbetung, zu Händen Manfred Welzel, Bergstraße 20, 73525 Schwäbisch Gmünd. jul

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