Ein Gmünder Matrose erzählt

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Valeska Martin vom Stadtarchiv und Karlheinz Hegele vom Geschichtsverein stellen das Kriegstagebuch vor.
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Hermann Schwarzkopfs Familie hat sein Kriegstagebuch dem Stadtarchiv geschenkt. Nun kann jeder nachlesen, was er am Ende des Ersten Weltkrieges am Schwarzen Meer erlebt hat.

Schwäbisch Gmünd

Ein Gmünder Matrose berichtet von den letzten Wochen des Ersten Weltkrieges. Von seiner Entsendung auf die Halbinsel Krim. Von Tagen wie Urlaub in Sewastopol am Schwarzen Meer als Stützpunkt der kaiserlichen Flotte. Und von seiner Heimkehr ins Chaos nach Schwäbisch Gmünd. Hermann Schwarzkopf hielt als 18-Jähriger all diese Erlebnisse in seinem Tagebuch fest. Seine beiden Töchter, die noch in Schwäbisch Gmünd leben, haben das Büchlein im vergangenen Jahr dem Gmünder Stadtarchiv geschenkt.

„Das Tagebuch hat mich von Anfang an magisch angezogen“, erzählt Karlheinz Hegele, der Vorsitzende des Gmünder Geschichtsvereins. So hat er sich im Auftrag des Stadtarchivs dem Schriftstück angenommen, um es möglichst vielen Lesern zugänglich zu machen. Nun ist es unter dem Titel „Späte Nachrichten aus einem vergessenen Krieg. Das Tagebuch des Schwäbisch Gmünder Matrosen Hermann Schwarzkopf zum Kriegsende 1918 in Sewastopol am Schwarzen Meer“ als sechster Band in der Reihe „Quellen aus dem Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. Digitale Editionen“ erschienen und online einsehbar. Inklusive eines Kommentars von Karlheinz Hegele. Er skizziert auch den weiteren Werdegang des Gmünder Schriftsetzers Hermann Schwarzkopf, der als Familienvater von drei Kindern im Alter von 59 Jahren in Schwäbisch Gmünd gestorben ist.

Warten auf einen Befehl

Hermann Schwarzkopf hat es dem Geschichtsvereinsvorsitzenden leicht gemacht: Seine Handschrift ist gut leserlich. Und „der Inhalt hat mich gleich fasziniert“, sagt Karlheinz Hegele, über die auf 25 Seiten fortlaufenden Einträge vom 29. Juni bis zum 22. November 1918.

Leser erfahren, wie es dem Gmünder erging, nachdem er mit 17 Jahren als Freiwilliger zur Marine nach Kiel gekommen war. Er schildert lebendig die Zugfahrt im Oktober 1918 nach Sewastopol am Schwarzen Meer. Kurz vor der Krim, als es immer wärmer wird, kommt beinahe sowas wie Urlaubsstimmung auf. Am Stützpunkt genießen er und seine Kameraden gutes Wetter, viel Freizeit und ausgezeichnete Verpflegung. Er beschreibt etwa, wie er dort auf dem Markt einkauft. Mit allen Details bis hin zum Preis, „ein echter Schwabe“, kommentiert Karlheinz Hegele.

Mit seinen Kameraden setzt Hermann Schwarzkopf eine Schwarzmeerflotte in Betrieb und wartet auf einen Befehl. Doch die Offiziere haben die Matrosen in diesen letzten Kriegswochen angelogen oder im Unklaren gelassen, berichtet Karlheinz Hegele. Und das selbst dann noch, als sie selbst schon ihre Sachen Richtung Heimat schickten.

Am 11. November 1918 ging es mit dem Zug auch für Hermann Schwarzkopf zurück nach Hause zu seiner Mutter, der Wirtin der Gaststätte Bellevue am Gmünder Zeiselberg. Das Tagebuch endet mit dem Eintrag am 22. November: „Als ich auf der Bellevue 15 die Haustreppe hinaufging, meint Mutter, der Kohlenmann komme, als ich durch die Tür trat, war das Rätsel gelöst. Es kamen ihr Freuden-Tränen. Elsa und Anne konnten nicht reden vor Überraschung. Sie erhielten vier Wochen keine Post und nun stehe ich da.“

Das Tagebuch hat mich von Anfang an magisch angezogen.“

Karlheinz Hegele, Gmünder Geschichtsverein

Hier gibt es das Kriegstagebuch

Die digitale Schrift „Späte Nachrichten aus einem vergessenen Krieg. Das Tagebuch des Schwäbisch Gmünder Matrosen Hermann Schwarzkopf zum Kriegsende 1918 in Sewastopol am Schwarzen Meer“ aus der Reihe Digitale Editionen des Stadtarchivs kann ab sofort über den Hochschulschriftenserver der Pädagogischen Hochschule Gmünd kostenlos heruntergeladen werden, informiert Valeska Martin. Sie leitet das Stadtarchiv, bis Dr. Niklas Konzen voraussichtlich im September sein Amt antritt.
Link zum Server: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:752-opus4-1284
Direkt zum PDF: https://phsg.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/128/file/stadtarchiv_gd_hegele_schwarzkopf_2021_final.pdf
Einen Blogartikel zum Tagebuch gibt es beim Ostalbum: http://ostalbum.hypotheses.org/?p=2078

Der 18-jährige Matrose Hermann Schwarzkopf noch in Uniform kurz nach seiner Rückkehr nach Schwäbisch Gmünd. Quelle: Stadtarchiv

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