Ein hölzernes Reisetagebuch erinnert an Albrecht Dürer

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„Lichter Raum“ von Joseph Stephan Wurmer.
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„Raum Lichten“ mit Werken von Joseph Stephan Wurmer in der Galerie im Prediger eröffnet. Bezüge zu Geschichte und Gegenwart.

Schwäbisch Gmünd

Was verbindet Albrecht Dürer mit Joseph Stephan Wurmer? Museumsdirektor Dr. Max Tillmann stellt bei der Eröffnung der Ausstellung „Raum Lichten“ in der Galerie im Prediger die Bezüge her: Beide arbeiten in Nürnberg, beide blicken über die Alpen nach Italien. Dürer zog es 1505 nach Venedig, der aus Gmünd stammende Hans Baldung Grien leitete in dieser Zeit Dürers Werkstatt in Nürnberg. Und Holzbildhauer Joseph Stephan Wurmer zeigt im Prediger sein „Venezianisches Reisetagebuch“, aus einem Stück Platane gefertigt, mit Kaskaden, die an die ansteigende Bergwelt der Alpen erinnern, mit Schluchten, die Gletscherspalten gleichen und das damals gefährliche Unternehmen andeuten. Dazu zeigt sich das Kunstwerk in Form einer (dicken) Aktenmappe, einem dicken Tagebuch gleich. Und noch etwas bringt Dürer und Wurmer zusammen: „Es sind die geometrischen Körper, die es beiden Künstlern angetan haben.“

Mit der Kettensäge

Eines von vielen Werken, die jetzt bis zum 24. April in Schwäbisch Gmünd zu sehen sind, von „einem der interessantesten Holzbildhauer der Gegenwart“, wie Dr. Max Tillmann sagt. Viele Besucherinnen und Besucher erlebten die Ausstellungseröffnung, in der Kunsthistorikerin Dr. Sabine Heilig das Werk Joseph Stephan Wurmers beleuchtete. Seit 30 Jahren arbeitet der Künstler in Holz, nach vorheriger Beschäftigung mit Pappe und Stein. „Er konzentriert sich dabei ganz auf die Form“, sagt sie. Das Holz wird nicht weiterbearbeitet, keine Farbe, kein Öl, keine Behandlung mit Feuer. Und Joseph Stephan Wurmer hat sich den präzisen Umgang mit der Kettensäge zu eigen gemacht. Die hat er so im Griff, dass fast plane Oberflächen entstehen. Viele seiner Werke sind ausgehöhlt, „das Freilegen von Schichten und Strukturen“ ist Teil seiner Formensprache. Dr. Sabine Heilig kennt auch den weiteren Werdegang der Skulpturen und Reliefs. Der Künstler verwendet in der Regel frisches, noch feuchtes Holz. „Dann stellt er das Kunstwerk zu 80 Prozent fertig und gönnt ihm dann eine Trocknungsphase. Ein Jahr für jeden Zentimeter Holzstärke. So beugt er Rissen vor, die sich sonst bilden könnten.

Licht ins Innere

„Raum Lichten“, wie die Ausstellung überschrieben ist, hat gleich mehrfache Bedeutung. „Formal gesehen öffnet er den Holzkörper, bringt Licht in das Innere.“ Anschaulich wird das bei der Kugel aus Zedernholz mit dem Titel „Lichter Raum“. Rundum gesetzte kantige Schnitte ins Innere schaffen einen neuen Raum, bringen Licht ins Dunkel. So entstehen nicht nur Kugeln, sondern auch Kegel, Zylinder oder Pyramiden. Oder eine „Babylonische Konstruktion“ aus Pappelholz, ineinandergreifende Holzquader, ausgehöhlt natürlich und in der Galerie als größtes Objekt nicht zu übersehen.

Vorbilder? „Die hat Joseph Stephan Wurmer auf jeden Fall“, sagt die Kunsthistorikerin. Sein Interesse gelte der Archäologie, den Etruskern, frühen Kulturen der Menschheit. Gleichzeitig sei die Natur Lehrmeister und Vorbild.

  • Aus Nürnberg in die großen Sammlungen
  • Joseph Stephan Wurmer (65) studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Dort lebt er auch mit Atelier in einer aufgelassenen ehemaligen Spiegelfabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seine Arbeiten sind unter anderem in der Kunstsammlung Deutscher Bundestag Berlin und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München zu sehen. Die Ausstellung in der Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd ist bis zum 24. April zu sehen. ⋌kust
Joseph Stephan Wurmer vor seinem Kunstwerk „Babylonische Konstruktion“, jetzt in der Galerie im Prediger zu sehen. Mit seinen Holzskulpturen bringt der Künstler immer Licht inns Dunkel.

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