Ein Kongress löst Kritik auch in weitem Umkreis aus

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Im Schönblick soll im Oktober der Kongress „Leben.Würde“ stattfinden. Dagegen kündigen viele Organisationen bereits Proteste - nicht nur in Gmüpnd - an. Foto: privat
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Zahlreiche Organisationen kündigen Protest gegen die Tagung „Leben.Würde“ im Schönblick an.

Schwäbisch Gmünd

Ein Kongress im Oktober im Christlichen Gästezentrum Schönblick sorgt für erhebliche Kontroversen, eine Gegendemonstration auf dem Marktplatz ist bereits angemeldet. Der Kongress steht unter dem Motto „Leben.Würde“, die Gegenkampagne läuft unter dem Titel „Keinen Schritt zurück!“

Vom 21. bis 23. Oktober ist der Kongress geplant, für den als Veranstalter unter anderem der Schönblick und der Bundesverband Lebensrecht auftreten. Diesen Verband kritisiert die Sprecherin der Fraueninitiative Schwäbisch Gmünd, Ann-Katrin Lauer, als „christlich-fundamentalistisch“. Der Verband vertrete reaktionäre Positionen „und ein Weltbild, das gesellschaftliche Errungenschaften akut bedroht und zurückdrehen will“. Er stelle sich gegen das körperliche Selbstbestimmungsrecht von Frauen, gegen die Rechte von Homosexuellen und gegen die Anerkennung von Lebens- und Familienformen, die von der althergebrachten Tradition abweichen. Mit diesen Positionen sei die Lebensschutz-Bewegung auch mit verschiedenen politisch rechten Bewegungen verflochten. Schwäbisch Gmünd solle an diesem Wochenende im Oktober zur Plattform für lebensfeindliche und rückwärtsgewandte Politik werden. Die Schirmherrschaft für diesen Kongress haben Bischof Dr, Stefan Oster vom Bistum Passau und die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.

Im Mittelpunkt

Gegen diesen Kongress, so Lauer, solle es in den nächsten Wochen zahlreiche Aktionen geben - nicht nur in Gmünd, sondern auch in unter anderem Stuttgart, Ludwigsburg und Schwäbisch Hall. An der Kampagne beteiligten sich in Gmünd zum Beispiel die Aids-Hilfe, Fridays for Future, die Jugendkulturinitiative Esperanza, Bündnis 90/Die Grünen, die Linke und der SPD-Ortsverband.

Der Gmünder SPD-Ortsverband stellt sich damit auch gegen einen Genossen, denn zu den Referenten des Kongresses gehört Robert Antretter, der von 1980 bis 1998 für den Gmünder Wahlkreis als SPD-Abgeordneter im Bundestag saß. Er werde sich auch durch die zahlreiche Kritik nicht davon abhalten lassen, an dem Kongress mitzuwirken, sagt er auf Anfrage der Gmünder Tagespost. Für ihn stehe der Aspekt „Lebensschutz“ im Mittelpunkt. Antretter erinnert daran, dass er als Mitglied und Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vehement gegen die Verabschiedung der Bioethik-Konvention gekämpft habe, die auch die Forschung an Embryonen erlauben sollte. „Dass meine Partei eine andere Meinung zum Schwangerschaftsabbruch hat als ich, ist bekannt“, sagt Antretter zu einem Thema, das bei dem Kongress eine Rolle spielen dürfte. Bisher, so Antretter, habe er keine Hinweise auf undemokratische oder fundamentalistische Tendenzen dort. Und sollten „Inhalte, die ich nicht billige, bei dem Kongress eine Rolle spielen, werde ich mich dagegen stellen“.

Dass der Kongress ein polarisierendes Thema hat, ist dem Direktor des Christlichen Gästezentrums Schönblick, Martin Scheuermann klar. „Unterschiedliche Auffassungen treffen da aufeinander.“ Schließlich seien 43 Organisationen als Kooperationspartner dabei, die Veranstaltung sei auch nicht parteipolitisch festgelegt. Für die Vielfalt spreche zum Beispiel, dass zum Abschluss des Kongresses drei Bischöfe verschiedener Glaubensrichtungen predigten. Als zentrales Ziel der Veranstaltung nennt Scheuermann, „sich für das Leben einzusetzen“ - in allen Phasen dieses Lebens. Dabei sei ihm bewusst, dass es Grenzfragen gibt, zum Beispiel, wenn eine Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden sei oder das Leben einer werdenden Mutter auf dem Spiel stehe. Der Schönblick richtet diesen Kongress erstmals aus. Ob es eine zweite Auflage geben werde, sei noch nicht entschieden. Das könne erst nach Auswertung der Ergebnisse dieser Premiere gesagt werden, meint Martin Scheuermann.

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