Ein Konzert mit Klang-Experimenten

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Weltpremiere des „Laguna Ensembles“ beim Familienkonzert im Schwörhaus.

Schwäbisch Gmünd. Der Einladung zum Familienkonzert im Schwörhaus folgten mehr Erwachsene als Kinder - sie sahen und hörten die Weltpremiere des „Laguna Ensembles“ mit Elisa Flöß von der Musikschule.

Zum „Marche pour la cérémonie des Türcs“ vom Hofkomponisten des Sonnenkönigs, Jean Baptiste Lully, zeigte Elisa Flöß gleich allen, worum es gehen sollte. „Ich lade euch ein, Teil der Musik zu werden!“, sagte sie zu ihren Bewegungen mit den Händen auf dem Körper. Das steckte an und bald folgten alle enthusiastisch dem Gezeigten. Die Klänge des Marsches schienen in die Körper zu gleiten und machten Musik erspür- und ertastbar.

Das Streicher-Ensemble aus zwei Violinen, Viola, Cello und Bass wurde ergänzt von Oboe und Flügel. Klassische Musik, spitzenmäßig interpretiert vom Ensemble Laguna aus Studierenden und Musikern aus Venezuela, Japan, Stuttgart, Kolumbien und Spanien; sie demonstrierten mithilfe von Elisa Flöß, dass Handarbeit total neu interpretiert werden kann. Die Anwesenden folgten eifrig den Vorgaben. Nicht nur Klopfen auf Körper und Gliedmaßen, auch der gehörte dazu. Es nannte sich Abstauben durch unterschiedlich rasches rhythmisches Streichen und Klopfen, dann Hinsetzen und wieder von vorn. Sozusagen Rhythmus und Melodie in sich hineinarbeiten.

Zum ganz besonderen Erlebnis wurden Satz eins und zwei von Claude Debussys Streichquartett. Elisa Flöß erläuterte, dass Debussy den Impressionisten der Musik zugeordnet werde. Hier erhielt das Auditorium „Anweisungen“.

Unter den Stühlen waren rote und grüne Zettel geklebt. „Lausche der Musik mit geschlossenen Augen“ oder „Stehe leise von deinem Platz auf und gehe in eine Ecke des Raums. Klingt die Musik hier anders als an deinem Platz? Probiere auch die anderen drei Ecken aus!“ Das Konzertpublikum erging sich mit konzentriertem Blick im Raum. Das sorgte für besondere Intensität des Zuhörens, ablesbar von den Gesichtern.

Mit Liedern aus den unterschiedlichen Ländern entwickelte sich das Konzert zu einem ganzheitlichen Erlebnis. Statt einfach hingebungsvoll am Platze zuzuhören, folgten Hände und Füße des Publikums dem Vorbild von Elisa Flöß. Weit entfernt von Banalität machten diese Bewegungen die Musik noch viel intensiver erlebbar. Die Spielfreude der sechs Musikerinnen und Musiker sprang auf die Anwesenden über.

Breites Spektrum

Sie sind ein Musikerkollektiv aus Stuttgart, das seit einigen Jahren in verschiedenen Besetzungen und unterschiedlichen Programmen zusammenarbeitet. Sie haben ein breites Spektrum an Musikstilen, von Barock bis zur neuen Musik, „gewürzt mit Eigenkompositionen. Ihr Anliegen: Musik durch kreative, experimentelle Konzertformate dem Publikum, besonders auch jungen Leuten, neue Horizonte und Perspektiven zu eröffnen. In Schwäbisch Gmünd ist das gelungen.

Musikschulleiter Friedemann Gramm: „Musik ist Kommunikation!“ Für ihn war dieses Konzert eine Superidee von zwei Lehrern seines Kollegiums: Elisa Flöß unterrichtet in der Musikalischen Früherziehung, Eloi Enrique Oboe. Das Ensemble verabschiedete sich mit einer nicht alltäglichen Zugabe: „Yesterday“ von den Beatles in jazziger Version. ⋌Gise Kayser-Gantner

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