Ein Lichtblick und ein Durcheinander

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Was Gmünder Händler, Gastronomen, Fahrlehrer, Museumsleiter und Vertreter von Bosch AS zu den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz sagen.

Schwäbisch Gmünd

Der Lockdown wird bis 28. März verlängert – und doch gibt es Lockerungen unter bestimmten Bedingungen. Das sagen Händler, Gastronomen und unter anderem Fahrlehrer zur schrittweisen Öffnung:

Handel: Es ist "ein Lichtblick", "eine Perspektive", aber momentan auch noch "ein großes Durcheinander", sagt Simone Klaus, Geschäftsführerin des Gmünder Handels- und Gewerbevereins (HGV), über das Ergebnis der Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz für den Einzelhandel. Sie freut, dass sich die Politiker von der Inzidenzzahl 35 gelöst haben und ab 100 sowie 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100 000 Einwohnern beschränkte Öffnungen ermöglichen. Laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann gelten diese Inzidenz-Grenzwerte für die Regionen. Was dies genau bedeutet, wird die Verordnung des Landes zeigen, sagt Simone Klaus. Wann diese kommt, sei offen. Entsprechend musste sie die 30 bis 40 Händler vertrösten, die sich am Donnerstag bei ihr erkundigten, wie sie genau öffnen dürfen.

Für Buchläden ist die Sachlage hingegen klar: Sie dürfen ab Montag aufmachen – zum Glück rechtzeitig vor Ostern, meint Gabriele Fischer, Leiterin der Osiander-Filiale am Gmünder Marktplatz. Wie es dann läuft, müsse sich zeigen. Wenn insgesamt wenig los ist in der Stadt, komme auch bei Osiander kaum Laufkundschaft vorbei, spricht sie aus Erfahrung. Anders mittwochs und samstags, wenn Wochenmarkt ist: An diesen Tagen nutzten auch bisher einige Kunden das Angebot, bestellte Ware am Laden abzuholen.

"Click & Collect" läuft auch bei Claudia Alka in ihrem Modegeschäft Stilbruch in der Postgasse gut. "Die Leute melden sich auf allen Kanälen", berichtet die Ladeninhaberin, die auch einiges über Auslagen im Schaufenster verkauft. So stehen die Kundinnen samstags zum Teil Schlange, um etwas abzuholen. Doch dies mache die Umsatzeinbußen nicht wett, sagt Claudia Alka. Sie sei enttäuscht, dass der Einzelhandel ab Montag nicht "normal" öffnen darf. Sie könne es nicht nachvollziehen, wenn sie sehe, wie sich die Kunden in Supermärkten drängen. Wenn sie nur eine Kundin in ihr 50-Quadratmeter-Geschäft lassen dürfe, sei dies mit Terminvereinbarungen einfacher zu handhaben, als wenn die Leute draußen warten müssen, meint Claudia Alka, die weiterhin den Verkauf per Bestellung anbieten will.

Gastronomie: Auch für Wirte und Gastronomen wird gelockert. Es darf ab frühestens Montag, 22. März, in Außenbereichen bewirtet werden. Ab einer Inzidenz von 50 sind beim Besuch ein Termin und ein tagesaktueller Schnelltest Pflicht. "Das ist nicht realistisch umzusetzen, meiner Meinung nach", sagt Sridevan Sriskandarajah, der unter anderem das Forum in Gmünd betreibt. "Wir sind keine Arztpraxis", sagt er. Gäste besuchten ein Lokal zum Essen, wenn sie Zeit und Lust haben. Nicht, wenn davor diverse Vereinbarungen und Tests gemacht werden müssen.

Ebenso sieht er die fehlende Innenbewirtung kritisch. "Außengastronomie im März? Wie lange ist die Aufenthaltsdauer im März?", fragt er. Selbst wenn es einige sonnige Tage gebe – Planbarkeit sehe anders aus. "Wir holen alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit, investieren in Waren", sagt Sriskandarajah. Dann fallen die Temperaturen wieder jahreszeitbedingt und die Kundschaft bleibe weg. "So kann man nicht planen und arbeiten. Das ist für mich keine Lockerung." Für den Handel sieht er die Öffnungsschritte positiv. In der Gastronomie seien die Schritte frühestens im April oder im Mai hilfreich.

Museen: "Wir wollen zeitnah öffnen", sagt Dr. Max Tillmann, der Leiter der Gmünder Museen. Wann genau, sei aber noch unklar. Zunächst gelte es, die konkreten Vorgaben der Landesregierung oder der Kommunen abzuwarten. Sein Wunsch ist aber klar: "Wir wollen die Kultur schnellstmöglich wieder zugänglich machen." Die Vorbereitungen zur kommenden Ausstellung über Diane von Württemberg und Judaica aus Gmünd "laufen jetzt wirklich auf Hochtouren".

Fahrschulen: Auch bei Fahrschulen sollen Stand jetzt Tests verpflichtend werden. "Das ist alles noch gar nicht amtlich bei uns", erklärt Heike Hilbig, Vorsitzende des Kreisfahrlehrervereins Ostalb. Auch für sie und ihre Kollegen heißt es zunächst abwarten. Fahrstunden dürfen unter Hygienemaßnahmen und mit einem einzelnen Schüler ablaufen. Der Theorieunterricht laufe online.

Unternehmen: Schnelltests für alle – auch in Unternehmen? Bei Bosch AS, Gmünds größtem Arbeitgeber, könnte das ein Thema werden: "Derzeit prüfen wir als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Strategie einen breiteren Einsatz von Antigentests", sagt Unternehmenssprecherin Julia Naidu. Aktuell bleibt es bei der Strategie der vergangenen Monate: viele Schutzmaßnahmen, Homeoffice wo möglich und anlassbezogene PCR-Tests, "die der werksärztliche Dienst mit unserem boscheigenen Gerät durchführt". Ob Schnelltests für alle Beschäftigte von den Werksärzten überhaupt zu schaffen wären, vermag Naidu derzeit nicht einzuschätzen. "Die Kapazität ist da sicher ein Thema."

Wie Schnelltests für alle in Gmünd?

Tests in Gmünd: Wie eine Teststrategie für alle Bürger in Gmünd aussehen könnte? Noch zu früh für eine konkrete Antwort, so lässt sich zusammenfassen, was Stadt und Landkreis dazu sagen. Die Beschlüsse aus Berlin sei erstmal "der Richtungsgeber – jetzt warten wir auf die konkrete Rechtsverordnung des Landes", sagt Gmünds Bürgermeister Christian Baron. Katharina Oswald, Pressesprecherin des Landratsamts, sagt: "Die Strukturen werden sicherlich durch die Kommunen ausgebaut werden müssen." Abstimmen werde er sich zunächst mit "unserem super Team aus Ärzten, Apothekern und DRK", sagt Baron.

Ja zu Perspektive: Baron und Landrat Dr. Joachim Bläse begrüßen die Öffnungsschritte. Bläse: "Eine Perspektive für die Bevölkerung und für unsere Wirtschaft ist wichtig." Baron sagt: "Wir können nicht Lockdown für immer machen, es gibt auch andere Probleme, teilweise schlimmer als Corona." Gleichzeitig müsse man "das Risiko der dritten Welle" genau im Blick behalten. Bläse betont, der Infektionsschutz habe "weiterhin höchste Priorität". Und: "Das Impfen muss das oberste Ziel sein." Die Vielzahl an Grenzwerten, Szenarien und Schritten macht auch den Verwaltungen zu schaffen: "Eine klare Kommunikation wird immer schwieriger", sagt Baron.

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