Ein Schiff der Hoffnung im Taubental

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Künstlerin Regina Baumhauer vor dem symbolträchtigen Stein-Schiff. Dahinter Denise und Martin Schechinger, die das Hoffnungshaus Schwäbisch Gmünd leiten.
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 Die aus New York zurückgekehrte Künstlerin Regina Baumhauer steht hinter einem Kunstprojekt, das Gemeinschaft erlebbar machen soll.

Schwäbisch Gmünd

Hoffnung und ich. Das schreibt die kleine Thea auf einen Stein. Einen ganz besonderen Stein, Teil eines Kunstprojekts am Hoffnungshaus im Taubental Schwäbisch Gmünd. Initiiert hat das die aus New York zurückgekehrte Künstlerin Regina Baumhauer, die heute im Hoffnungshaus lebt und im Atelier arbeitet. „A harbour named hope“ - „ein Hafen der Hoffnung“ - nennt sie das Projekt, das am Sonntag in einer Mitmach-Aktion vollendet wurde.

Drei Tonnen schwer, drei Meter lang ist der Muschelkalk-Block, der aus dem Raum Würzburg stammt. Den Weg vom Quader zum Steinboot begleiten am Sonntag zahlreiche Bewohner, Freunde und Gäste aus der Stadt, auch viele der Sponsoren sind vor Ort, um die wunderbare Wandlung zu erleben. Aus einem so mächtigen Block ein Boot zu hauen, dauert erwartungsgemäß etwas länger. Wenn dann auch noch Laien zu Hammer und Meißel greifen, könnte das Ende nicht absehbar sein. Anders im Boot-Fall beim Hoffnungshaus. Der Stein, der am erhobenen Standort platziert ist, weist schon Sägeschnitte auf. Und die haben es in sich. Das Objekt wurde in der Werkstatt von Christoph Schwarzenberg vorbearbeitet. Mit einer computergesteuerten Säge, die an der jeweiligen Stelle genau so tief in den Stein geht, bis die Kontur des Schiffes erreicht ist. Möglich ist das, weil Martin Schechinger – er leitet das Hoffnungshaus Schwäbisch Gmünd zusammen mit Denise Schechinger – ein 3D-Modell erstellt hat, Grundlage für die Werkstattarbeit. 80 Stunden braucht die Maschine, um die passenden Schnitte anzubringen.

Vor Ort haben die Mitmach-Künstler leichteres Spiel. Mit einem ersten Hammerschlag startet Regina Baumhauer die Aktion, in der Folge dürfen die Gäste des Kunstevents Hand anlegen. Stück für Stück fallen die vertikal angeordneten Steinlamellen und lassen erste Schiffskonturen erkennen. Stunden später ist das Werk (fast) vollendet. Eine je nach Hammerschlag mehr oder weniger raue Oberfläche wirft in der Mittagssonne feine Schatten auf die Schiffswände. Der Beifall ist groß, zum Eröffnungsfest gibt es Speisen und Apfelsaft von den eigenen Bäumen.

Regina Baumhauer sieht in dem Werk mehr als eine Steinskulptur. Nach ihrer Rückkehr nach Schwäbisch Gmünd habe sie die Welt durch eine andere Brille gesehen. Nur gemeinsam könne man die Herausforderungen der Zeit meistern. Dafür stehen der gemeinsame künstlerische Prozess, die Symbolik des Bootes, mit dem man zusammen unterwegs ist, meint Regina Baumhauer. Und „ich möchte für die Menschen etwas tun, das sie verbindet“.

Mit Gemeinsamkeiten soll es weitergehen. „Die Schiffshülle ist fertig, das Projekt noch lange nicht“, sagt Martin Schechinger. Zunächst kommt eine Sitzgelegenheit aus Holz ins Boot. Dann soll daraus ein Ort der Begegnung werden. Mal könne man das Schiff als Spielplatz nutzen. „Wir möchten dort aber auch kulturelle Ereignisse platzieren“, so Schechinger. Für Lesungen unter freiem Himmel könnte das Schiff zum Mittelpunkt werden, auch Musikveranstaltungen sind denkbar. Eine Gemeinsamkeit können die Gäste des Eröffnungsfests sogar mit nach Hause nehmen: Abgebrochene Schiffslamellen sind ein Andenken an diesen Tag. Viel bemalen oder beschreiben die Steintafeln noch an Ort und Stelle.

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