Ein Schmuckstück am Nepperberg

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So sah die Villa Salvator im Jahr 1915 aus. Über mehrere Jahrzehnte war dort seit 1935 ein Alten- und Pflegeheim untergebracht. Nun will der Gmünder Gerald Feig in und im die Villa etwa 40 Wohnungen ansiedeln.
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Die Gmünder Tagespost erzählt Wissenswertes aus der Geschichte des Hauses unterhalb der Felsenkapelle und stellt Ideen zur möglichen Zukunft des Gebäudes vor.

Schwäbisch Gmünd

Über Jahre lag sie da, zwischen Bahnhof und Salvator. Im Dornröschenschlaf, weitgehend unbeachtet. Inzwischen ist die Villa Salvator wieder im Gespräch. Seit sie der Schorndorfer Investor und gebürtige Gmünder Gerald Feig, eigenen Worten zufolge kein Wohnungsbauunternehmer, sondern "Visionär", ins Auge gefasst hat. Gerald Feig hat die Villa auf dem Grundstück Salvatorstraße 20 im Herbst vergangenen Jahres gekauft. Und das westlich nebenan gelegene Grundstück gleich mit. Er will dort eine Wohnanlage mit etwa 30 Wohnungen errichten. In der Villa selbst und in drei Gebäuden um die Villa. Feig nennt dies eine "ganz neue Wohnkultur", denn dort sollen junge Familien, Berufstätige, Rentner und Pflegebedürftige miteinander leben. Damit knüpft der Investor ein Stück weit an eine Tradition des Hauses an. Denn schaut man auf die Geschichte der Villa Salvator, war sie, bevor Feig sie erwarb, ein Pflegeheim.

Die Geschichte der Villa Salvator erzählte die Gmünder Tagespost im September 2006 in ihrer Serie "Gmünder Stadtvillen". Danach ist sie um 1900 für den Fabrikanten und Kommerzienrat Albert Faber gebaut worden. Kommerzienrat ist ein Ehrentitel, der im Deutschen Reich vor allem bis 1919 an Persönlichkeiten der Wirtschaft verliehen wurde. Faber hat das Baugesuch für sein Landhaus bereits am 12. März 1880 eingereicht. Damals wiesen die Pläne eine großzügige Zimmereinteilung auf drei Etagen auf und eine für die Zeit feudale Ausstattung. Wann Faber mit seiner Frau Marie dort eingezogen war, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die Pläne im Bauarchiv der Stadt besagen, dass 1889 eine offene Veranda angebaut und am 24. März 1892 die Erhöhung der Villa beantragt wurde. 1910 fand ein weiterer Anbau seinen Abschluss. Am 3. Oktober 1911 starb der Gemeinderat Faber bereits 75-jährig. Im Einwohnerbuch von 1903 ist er, der 1900 noch am Marktplatz 10 wohnte, mit Wohnsitz Salvatorstraße 20 registriert. Bis 1931 ist auch seine Witwe Marie Faber dort gemeldet.

Im Eingangsbereich wurde das ehemals ziemlich schmale Haus mit dem Keller in den Felsen gebaut. Von einer mit Stuckmarmor verkleideten Eingangshalle führte eine Treppe nach oben in den ersten und den zweiten Stock. Im Erdgeschoss gab es die Küche, den Vorplatz und den Salon, das erste Obergeschoss war den Schlaf- und Ankleidezimmern vorbehalten, im zweiten Obergeschoss gab es ein weiteres Zimmer und eine Kammer. Erst mit dem Ausbau 1910 wurde die Wohnfläche großräumiger. Speisezimmer, Anrichte, Herrenzimmer und ein Bad kamen hinzu. Von außen bestach die Villa durch ihr schiefergedecktes Dach und die verschnörkelten Holzbalkone auf den dorischen Säulen an der Südfassade. Über der Wandverkleidung der Eingangshalle zogen sich Holzreliefs mit spielenden Knaben und Erntemotiven. Die Balusteranfänger am Treppenaufgang waren als Vasen und Früchte dargestellt. Die Villa St. Salvator hat nach dem Tode des Erbauers manche Änderung erfahren. 1935 erwarb sie der Uhrenfabrikant Josef Bidlingmaier. Er ließ von Architekt Josef Walther einen Luftschutzkeller und Spülaborte einbauen und erweiterte das Erdgeschoss um drei Zimmer und einige Nebenräume zum Hang hin. Offensichtlich hatte er sich schon mit dem Gedanken an eine Pension getragen, denn er selbst zog nicht ein.

Betuchte Damen und Herren

Wie man mit alten, fast abrisswürdigen Häusern umgeht, kann man am Beispiel der Villa Hirzel im Remspark gut nachempfinden.

Gerald Feig, Investor

Zum Altenheim wurde die Villa im Jahr 1935. Zu dieser Zeit suchten die Franziskanerinnen von St. Canisius ein Haus zur Betreuung älterer Menschen. Da war die gediegene Villa St. Salvator gerade recht. Es zogen betuchte Damen und Herren ein, wie die Oberlehrerswitwe Theresia Sonnentag und die Professorenwitwe Lina Schneiderhan. 1957 waren in der "Pension" unter anderem die Landgerichtspräsidentenwitwe Maria Becker mit Haushälterin Elisabeth Dettinger gemeldet und die Majorswitwe Thea Baronin von Münchhausen. "Ja, das waren hochstehende Herrschaften, die dort in Vollpension von den Schwestern betreut wurden", erinnerte sich Franziskanerin Schwester Teresita im Jahr 2006. Sie kam 1940, ihre vier Jahre jüngere Schwester Zita 1945 als Dienstmädchen in die Villa und erlebten dort die Kriegswirren. "Ich musste immer mit dem Leiterwägele zum Einkaufen fahren, denn in der Stadt waren damals die Ordensfrauen nicht gern gesehen", erzählte sie. Wenn sie dann reich bepackt mit Gemüse vom Gärtner heimfuhr, warf man ihr neidische Blicke und Worte nach wie "Was braucht die junge Gans so viele Sachen?" Aber dann beruhigten andere die Gemüter und sagten, sie habe eine große Familie. Das stimmte, denn zu dieser Zeit lebten in der Villa 18 Mieter und die Ordensschwestern Irmingard, Verena, Juliana, Margareta und Benigna. Einmal habe sie sich gerade noch vor einem Tiefflieger in die Nische mit der Mutter Gottes retten können, bevor das Geschoss in die Vorratskammer einschlug, erinnerte sich Schwester Teresita. Auch ihre zwei jüngeren Schwestern waren zeitweilig als Mädchen im Haushalt der Villa tätig. Als die beiden jungen Frauen dann nacheinander ins Kloster gingen, riss der Kontakt ab. Schwester Martina von der Franziskanerinnen aber hatte danach die Stätte ihrer Jugend immer wieder besucht. Wo einst die Hauskapelle war, war später ein Büro. Wo das Refektorium, später der Speisesaal. Und dereinst gab es auch einen Hausgeistlichen. Hühner liefen im Garten umher, es wurde Gemüse angebaut und der übrige Teil war ein gepflegter Park.

In der Zeit, nach 1972, als die Franziskanerinnen die zu dieser Zeit renovierungsbedürftige Villa aufgaben, ging es durch mehrere private Altenheimbetreiber bergab. Als das Haus 1988 geschlossen werden sollte, erklärte sich die damalige Pflegedienstleiterin Carola Staudenmayer, die erst kurz zuvor aus Amerika zurück gekommen war, bereit, das Pflegeheim zu übernehmen. Sie ließ einen Aufzug und Pflegebäder einbauen, renovierte nach und nach, was notwendig war und was der Denkmalschutz zuließ. Im Schwesternzimmer blieben die verzierten Heizkörper erhalten, im Durchgang das kleine Kreuzgewölbe, in den 30 kleinen Pflegezimmern lassen sich durch die umlaufenden Stuckleisten an den Decken noch die ursprünglichen Raumgrößen erkennen. Seit September 2019 steht das Haus leer, denn das Pflegeheim musste, wie viele andere Heime im Land, der veränderten Bauverordnung wegen schließen. Im vergangenen Jahr hat der gebürtige Gmünder Gerald Feig das Haus gekauft. Er kennt das Haus bestens, da seine Tante nach einem Schlaganfall 16 Jahre lang in Pflege war, die meiste Zeit hat sie in der Villa Salvator verbracht. Die etwa 30 barrierefreien Wohnungen will Feig in vier Baukörpern unterbringen, einer davon ist die Villa. Die drei Neubauten stehen unterhalb der Villa an der Salvatorstraße. Das gesamte Grundstück wird über die Salvatorstraße erschlossen, es soll eine ebenerdige Tiefgarage geben. Ein Grundgedanke des Projektes ist, gemeinsam zu leben. Dazu werden in der Anlage und im dazugehörigen Park Aktivitäten angeboten. In dem Park der Villa, der weitgehend erhalten bleiben soll, soll es zudem gemeinschaftliche Kräuter und Pflanzbeete geben. Von der Rezeption der Anlage werden Ausflüge angeboten, in die Stadt, ins Museum oder ins Kino.

Investor Gerald Feig hat das Projekt Mitte Juni Gmünds Stadträten vorgestellt. Diese diskutieren das Vorhaben in ihren Fraktionen. Danach sollen die etwa 30 geplanten Wohnungen unterhalb des Salvators Thema im Bau- und Umweltausschuss werden, bevor im Gemeinderat eine Entscheidung fällt.

Die Eingangshalle der Salvatorvilla schmückt dieses Relief. Von dort führt eine hölzerne Treppe in die oberen Stockwerke.
Nach der Villa Hirzel die Villa Salvator: Gerald Feig mag diese oftmals um 1900 entstandenen Häuser, will sie bewahren, obwohl er weiß, dass der Erhalt dieser Villen teuer ist.

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