Ein See für Fische und Badegäste?

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Schießtalsee wird ausgebaggert
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Der Schießtalsee im Gmünder Osten wird zurzeit ausgebaggert. Ob das Gewässer danach renaturiert und teilweise zum Baden genutzt werden kann, hängt von finanziellen Zuschüssen ab.

Schwäbisch Gmünd

Schön ist anders: Der Schießtalsee in Schwäbisch Gmünd hat zurzeit weder Wasser, noch Pflanzen oder Tiere zu bieten, dafür wird darin gebaggert. Das Problem: Die beiden Bäche Pfaffenbach und Sulzbach, die in den See münden, bringen Schlamm und Nährstoffe aus landwirtschaftlichen Flächen mit in den See. Deshalb muss er in regelmäßigen Abständen – etwa alle zwei Jahre – abgelassen und ausgebaggert werden, damit die Wasserqualität wieder passt. Derzeit ist die Firma Fischer aus Weilheim mit schwerem Gerät zugange. „Für die Maßnahme sind je nach Witterung bis zu fünf Wochen geplant“, berichtet Gmünds Stadtsprecherin Ute Meinke. Erst im Anschluss könne der See wieder mit Wasser befüllt werden. Das Ganze sei aber auf jeden Fall erledigt, bevor die Amphibienwanderung beginne, versichert Meinke.

Und dann? Wenn es nach dem Willen der Stadtspitze geht, sollte der Schießtalsee schon bald umgebaut werden – in einen See mit Badezone und Naturzone. Eine Trennwand soll eingezogen werden und den See in diese beiden Bereiche aufteilen. Im größeren der beiden Teile hätten Fische und Frösche ihren Platz. Im kleineren Teil könnte naturnah gebadet werden – mit Schilfufer und Kontakt zur Tierwelt. Hierfür hat die Stadt einen Antrag auf Fördergelder der Stiftung Naturschutzfonds gestellt und mit einem Ergebnis zum Jahresende 2021 gerechnet. Aber bislang Fehlanzeige. Regierungspräsidium und Stiftung prüfen laut Ute Meinke momentan noch verschiedene Förderanträge. Die Stadt rechne erst im Frühsommer mit einem Ergebnis. Erst dann könne besprochen werden, wie es mit der Renaturierung des Schießtalsees weitergeht. 

Die Bagger schaffen derzeit die technischen Voraussetzungen. Entschlammen und Ausbaggern kostet die Stadt rund 475 000 Euro. Die Renaturierung des Sees käme auf rund 915 000 Euro. Erhalte die Stadt die Fördergelder, müsste sie nur noch 91 000 Euro aus eigenen Mitteln finanzieren.

2022 ohne Fischeinsatz

Der Bezirksfischereiverein, der den Schießtalsee zur Aufzucht von Fischen nutzt, der Naturschutzbund Nabu, der Arbeitskreis Naturschutz Ostwürttemberg und der Landesnaturschutzverband sitzen mit im Boot. Wenn der See ausgebaggert ist, kann er wieder mit Wasser befüllt werden. Das müsse schnellstmöglich passieren, sagt Gewässerwart Armin Gold, denn die Kröten wanderten, sobald es längere Zeit frostfrei bleibt. Sie nutzen den See zum Ablaichen. Fische werden die Bezirksfischer vorerst nicht im See platzieren. Der Grund? Falls der See tatsächlich renaturiert wird, müssten sie ihn wieder abfischen. „Das ist ein großer Aufwand und unter Corona-Bedingungen mit nur wenigen Leuten nicht machbar“, erklärt Armin Gold. Normalerweise würden  so genannte Weißfische wie Rotaugen oder Rotfedern eingesetzt, später dann Zander. Bleibt der See 2022 also fischfrei? „Nein“, sagt der Gewässerwart. Ein Gewässer sei nie lange ohne Fische. „Enten bringen beispielsweise Fische oder Laich im Schnabel in den See“, erläutert er. 

Wird der See umgebaut, kommen der Nabu und die Fischer mit ins Spiel. Gemeinsam wollen sie sich um die Pflege kümmern, beispielsweise das Ufer entgrasen. Im Badebereich sollen Karpfen eingesetzt werden, „damit die Leute was zum Gucken haben“, verrät Armin Gold. Angedacht sind auch Führungen für Kinder und Erwachsene, sobald es was zu sehen gibt am See. Wann und ob das Projekt umgesetzt wird, bleibt unklar, solange der Stadt noch kein Ergebnis des Förderantrags vorliegt.

Baden und Fische gucken im Sommer, Schlittschuhfahren im Winter: eine denkbare Möglichkeit für den Schießtalsee? „Nein“, sagt Ute Meinke. „Wir sind froh, mit der Eis-Arena auf dem Marktplatz eine sichere und verlässliche Bahn zu haben.“ Die Eis-Arena sei auch bei wärmeren Temperaturen und ohne klimaschädliche Technik durchgängig nutzbar. Dies sei angesichts einer wenig zuverlässigen Witterungslage und der damit kaum berechenbaren Eisdicke im Schießtalsee kaum möglich.

In der Badezone werden wir Karpfen einsetzen.“

Armin Gold, Gewässerwart
  • Zahlen zum Gmünder Schießtalsee
  • Seit 1950 wird der Schießtalsee in der Richard-Bullinger-Straße im Osten Gmünds als Badesee genutzt. Baden ist dort aber seit rund 20 Jahren nicht mehr gestattet. Das angrenzende Bud-Spencer-Bad verfügt über 2215 Quadratmeter Wasserfläche, der Natur-See würde weitere 15 000 Quadratmeter Fläche bringen. Zehn Prozent der gesamten Seefläche werden mit Pflanzen bestückt, die Algen zurückdrängen, aber auch Krankheitserreger vernichten sollen.

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