Ein Teddy markiert jüdische Geschichte

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Oberbürgermeister Richard Arnold überreicht Dr. Eberhard Bürger das silberne Einhorn.
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Das Ausstellungsstück aus Gmünder Produktion erzählt unternehmerische Erfolge und die schrecklichen Zeiten des Holocaust.

Schwäbisch Gmünd. Ein Teddybär hat gewöhnlich sein Zuhause im Kuscheleck des Kinderzimmers, vielleicht auf dem Sofa. Ein ganz spezieller Teddybär hat diese Karriere längst hinter sich und ziert jetzt in der Glasvitrine das Foyer des Predigers. Hinter diesem Teddybär, darüber informierte Oberbürgermeister Richard Arnold Gäste bei der Übergabe des historischen Stücks - verbirgt sich ein Stück Weltgeschichte, Gmünder Geschichte und Familiengeschichte. Dr. Eberhard Bürger hat ihn dem Museum im Prediger gestiftet, sich vom Lieblingsstück seiner Kindheit verabschiedet.

Die Geschichte dahinter: In Schwäbisch Gmünd gab es zur Zeit der Weimarer Republik die Stoff-Spielwarenfabrik Leopold Kahn & Co. Das Unternehmen habe sich qualitativ durchaus mit Steiff in Giengen messen können, so der Oberbürgermeister. Die Familie Kahn aus dem Raum Heilbronn, das erläuterte Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen, wählte im Jahr 1900 Schwäbisch Gmünd als neue Heimat. Schicksalsschläge ließen nicht lange auf sich warten. Ein Sohn kam im Ersten Weltkrieg ums Leben. Die Familie mit den Söhnen Leopold und Hugo erfuhr später auf schreckliche Weise die Gewaltherrschaft der Nazis. Leopold Kahn habe Mut und Optimismus bewiesen, als er 1919 ein produzierendes Unternehmen, die Stoff-Spielwarenfabrik, anmeldete, in einer Zeit wirtschaftlicher Rezession. Die dort produzierten Teddybären erhielten als Markenzeichen ein stilisiertes Segelboot ans linke Ohr geheftet. Elf Jahre später war Schluss, Leopold Kahn musste das Unternehmen abmelden. Er und seine Eltern starben im Holocaust. Dem jüngsten Sohn Hugo gelang die Flucht nach Amerika.

Die Besonderheit dieses Teddybären im Prediger: Selma Kahn schenkte ihn am 4. Juli 1938 Maria Bürger aus Gmünd zur Hochzeit, damit ihre Kinder einmal damit spielen können. Sohn Dr. Eberhard Bürger kam in den Genuss dieses Teddybären.

Trost und Freude gespendet

Man sehe dem Teddy an, dass er sehr geliebt wurde, dass er viel Freude und sicher auch Trost gespendet hat, bemerkte der Oberbürgermeister. Er schätzt es, dass „dieser Teddy, den Selma Kahn im Jahr der Reichspogromnacht als Geschenk weitergegeben hat, nun lange nach ihrem schrecklichen Tod als ein lebensbejahendes Vermächtnis ihrer Familie und als Erinnerung an deren Firma Eingang in die musealen Sammlungsbestände der Stadt findet“. Dem Spender Dr. Eberhard Bürger überreichte Richard Arnold ein silbernes Einhorn. Einen speziellen Dank richtete er an Inge Eberle, die über den Neffen Bürgers von der Geschichte erfahren und diese an die Stadt weitergegeben hat.

Zu Klarinettenklängen von Peter Varda konnten die Gäste das neue Museumsstück bewundern.

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