„Ein tolles Start up 1928“

+
Bifora
  • schließen

Die Sonderausstellung „Faszination Uhren und Sehhilfen“ im Bifora-Museum beschäftigt sich mit der Geschichte der Uhr und der des Unternehmens in Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Was wäre die Welt ohne Optik?“ Diese Frage stellte Götz Schweitzer vom Bifora-Freundeskreis zu Beginn seiner Begrüßung zur Eröffnung der Sonderausstellung „Faszination Uhren und Sehhilfen“ im Bifora-Museum. Dann tauchen Besucherinnen und Besucher in die faszinierende Welt der kleinen Rädchen, die die Zeit messen, ein. In der Ausstellung sind Bifora-Modelle aus allen Jahrzehnten seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen. Ergänzt wird sie durch Exponate aus dem Zeiss-Museum in Oberkochen. Kleinheit und Feinheit bei den Uhrwerken begann mit dem Nürnberger Ei, der ersten tragbaren Uhr von Peter Henlein. Seit dieser Zeit benötigte man Sehhilfen. Diese kann man in der Ausstellung sehen.

Arbeit unterm Mikroskop

Aber nicht nur Uhren und Sehhilfen, auch einen Arbeitsplatz können Besucher aktiv „benutzen“. „Das ist aber schwer!“, so ein Besucher, der sich daran versuchte, eine feine Schraube einzudrehen. Keine einfache Sache, da Schraube und der Schraubendreher sehr fein sind und die Arbeit unter dem Mikroskop verrichtet werden muss.

Für Oberbürgermeister Richard Arnold ist Bifora ein „tolles Start up von 1928“. In dieser Zeit ist die Firma von Josef Bidlingmaier neben der ZF einer der beiden großen Arbeitgeber in Gmünd. Die Einrichtung des Bifora-Museums sieht Arnold als ein Stück Nachhaltigkeit. Denn beim Anschauen des erfolgreichen Werdegangs der Bifora-Uhren sei abzulesen, wie Zukunft gestaltet wird.

Als Josef Bidlingmaier in den 1920er-Jahren die Schweizer Uhrwerke, die er verarbeitet, nur in kleinen Stückzahlen bekommt, arbeitet er daran, eigene Uhrwerke zu bauen, um unabhängig zu sein. 1928 ist es soweit, das erste eigene Armbanduhrwerk kommt auf den Markt. Wie Götz Schweitzer berichtet, waren die Bifora-Uhren das, was der VW-Käfer war. Jeder aus der Mittelschicht konnte sich einen Käfer leisten. Das galt auch für die Bifora-Uhr, die sich den Slogan mit dem Käfer teilte: läuft und läuft und läuft. Es ging steil bergauf mit Bifora. Die erste Automatikuhr Deutschlands ist eine Bifora. Die Firma stellt nicht nur für ihre Marke Uhren her, sondern fertigt auch Fremduhren für namhafte Firmen wie Dugena, Zentra, Centaur, Anker und Borgward. Ein Höhepunkt ist die Einführung der superflachen Quarzuhr „Flat-Line“ mit einer Höhe von nur 2,6 Millimetern.

Hier erfolgt eine einschneidende Zäsur. Die Investitionen für die Quarzuhr in Millionenhöhe, die Auszahlung eines Gesellschafters und die Quarzkrise, wie die Schwemme der Billiguhren aus Übersee genannt wurde, führen zum Konkursantrag. 1978 übernimmt der Bifora-Repräsentant für den mittleren und nahen Osten, der indische Großkaufmann Hiranand Gajria, die Firma. Allerdings wird die Produktion in Deutschland fünf Jahre später eingestellt. Doch sein Nachfolger Jawa Kandhari steht in enger Verbindung mit dem Bifora-Freundeskreis und Museum.

Heute sind Uhren, die man billig kaufen kann, Uhren ohne Uhrwerk, erläutert Götz Schweitzer. Sie haben eine Leiterplatte und das ist es. Die feinmechanischen Rädchen der Uhrwerke, die in tüfteliger Feinarbeit zum Ineinandergreifen justiert werden müssen, sind etwas ganz anderes. Das zeigen die Bifora-Uhren, die inzwischen zu Sammlerstücken avanciert sind, deutlich. Emsig bewegen sich die feinen Rädchen, die man durch den Glasboden der Uhren betrachten kann.

Heute in limitierter Auflage

Etwas ganz Besonderes zeigt ein Videofilm in der Ausstellung, den Traum eines jeden Uhrmachers. Das Tourbillon, übersetzt Wirbelwind, ist so gestaltet, dass sich die Systeme einer mechanischen Uhr um die eigene Achse drehen. Das führt zu einer Ganggenauigkeit für Armbanduhren, da ein Tourbillon die Schwerkraft gleichmäßig auf das Schwingsystem verteilt. Zu besonderen Anlässen werden auch heute noch Bifora-Uhren in limitierter Auflage mit Uhrwerken aus dem Bestand hergestellt. Wie zum Beispiel die „Salvatoruhr“, Uhren zur Landesgarten- und zur Remstalgartenschau, aber auch die Schwäbisch Gmünder Uhr mit Wappen und die 850-Jahr-Uhr.

  • Die Öffnungszeiten des Bifora-Museums
  • Das Bifora -Museum in der Gmünder Hauffstraße 2 ist mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen können vereinbart werden. Weitere Infos gibt's unter www.bifora-ev.de.
Bifora Mitte: OB Richard Arnold, links Götz Schweitzer, rechts Jawa Kandhari

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare