Eine Eisbahn ohne echtes Eis

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So sieht die synthetische Eisbahn aus – optisch ist sie nicht von echten Eisbahnen zu unterscheiden.
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Für kommenden Winter ist auf dem Marktplatz wieder eine Eisbahn geplant. Sie wird allerdings aus Kunststoff bestehen. Welche Vorteile dies bringt.

Schwäbisch Gmünd

Eine Eisbahn ohne Eis plant die Touristik und Marketing GmbH (T&M) für nächsten Winter auf dem Gmünder Marktplatz. Das kündigt T&M-Chef Markus Herrmann an, als die Stadträte über die Anträge der Fraktionen zum Haushalt 2021 diskutieren.

Die CDU-Fraktion hatte beantragt, die Mittel für die Eisbahn für den Winter 2021/22 einzuplanen. 10 000 Euro seien im Wirtschaftsplan der T&M für den Fall vorgesehen, dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, sagt Markus Herrmann, der aktuell davon ausgeht, dass die Coronalage den Betrieb kommenden Winter wieder zulässt. In der Regel fingen die Eintrittsgelder die Miete und die anderen Kosten für die Eisbahn auf. Wenn schlechtes Wetter Besucher fernhält oder viel Strom für die Kühlung erforderlich macht, zahle die T&M jedoch drauf. 2020 waren es 6500 Euro Defizit, berichtet Robert Frank von der T&M. Doch die Kosten sollen sinken, wenn die synthetische Eisbahn zum Einsatz kommt, meint er und erklärt, welche weiteren Vorteile diese mit sich bringt:

Die Kosten: Die Miete der synthetischen Eisbahn koste 40 000 Euro für die geplanten sieben bis acht Wochen Betrieb nach dem Weihnachtsmarkt und vor der Faschingszeit. Das seien 7000 Euro weniger Miete als bisher. Inklusive seien dabei die Leih-Schlittschuhe, Fahrhilfen und unter anderem Utensilien fürs Eisstockschießen. Wenn der Testlauf im kommenden Winter funktioniert, wäre es sinnvoll, die Eisbahn zu kaufen, sagt Markus Herrmann. Die Kosten liegen laut Robert Frank bei 116 000 Euro. Vorteil wäre, dass die Eisbahn dann zudem bei anderen Gelegenheiten zum Einsatz kommen könnte – auch im Sommer.

Der Klimaschutz: Anders als die Bahn aus echtem Eis benötige die Bahn aus Synthetikeis kein Wasser und keinen Strom, erklärt Robert Frank. Wegen des Energieaufwands hatten die Grünen-Stadträte 2020 beantragt, künftig auf die Eisbahn zu verzichten. Sie wurden im Gemeinderat überstimmt. Wegen Corona ist die Eisbahn dieses Jahr dann ohnehin ausgefallen. Und im nächsten Jahr soll die Eisbahn zum Einsatz kommen, die der Hersteller Glice aus der Schweiz "ökologisch" nennt. Das Unternehmen pflanze für jede produzierte Paneele der Eisbahn einen Baum, berichtet Robert Frank. Die Platten hätten eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren. Sind sie durch, nehme Glice sie zurück, um sie zu recyceln.

Der Aufbau: Die Bahn werde aus etwa zwei auf einen Meter großen Kunststoffplatten zusammengesetzt, die mit Bolzen verbunden werden. Als Untergrund brauche es – wie bisher – einen Schwerlastboden, der eben ist. Darauf komme eine Schaumstofflage zur Dämpfung, bevor die Platten verlegt werden. Das dauere nur wenige Stunden und bedeute viel weniger Aufwand als des Verlegen der Kühlschläuche unter der seitherigen Bahn, sagt Robert Frank, der froh ist, wenn diese "Knochenarbeit" künftig entfällt.

Das Fahrgefühl: Die Fugen zwischen den Platten seien beim Fahren nicht zu spüren, sagt er: "Es rappelt nicht, wenn man über die Verbindungen fährt." Das hätten Eishockeyspieler und Eiskunstläufer bestätigt. Profis spürten, dass die Fahrt etwa zwei Prozent langsamer ist als bei echten Eisbahnen mit optimalen Bedingungen. Doch Hobbyfahrer merkten dies nicht.

Auf Kunsteis kommen gewöhnliche Schlittschuhe zum Einsatz, sagt Robert Frank. Die Kufen nutzten sich allerdings nicht so schnell ab wie auf echtem Eis. Ein weiterer Vorteil: Die Verletzungsgefahr sei geringer, weil der Kunststoff gedämpfter sei als Eis.

Die Pflege: Bei der Kunststoffbahn gebe es beinahe keinen Abrieb. Einmal täglich müsse sie abgesaugt, ein- bis zweimal wöchentlich nass gewischt werden. Dabei komme ein Gerät namens Master-Polisher zum Einsatz, das bei der Miete dabei ist. Doch der Aufwand sei viel geringer als bisher die Pflege der Eisbahn.

Das Flair: Robert Frank kann sich vorstellen, dass künftig alpenländische Hütten die Eisbahn umrahmen. Zudem will er ein Angebot für ein mobiles Dach einholen, in das Lichter integriert wären. Ansonsten sollen die Rahmenbedingungen bleiben wie seither: Ab 20 Uhr ist aus Rücksicht auf die Anwohner Schluss.

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