Eine Hochzeit als Lichtblick für die Gastronomie

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Wo sind die Gäste? In der Gastronomie, etwa im Café Margrit, gibt es Anzeichen von Entspannung.

Gastronomie in Schwäbisch Gmünd ist vorsichtig optimistisch. Mehr Tourismus durch Wohnmobil-Stellplätze in der Stadt?

Schwäbisch Gmünd

In der Gastronomie gibt es Anzeichen von Entspannung. Im Stadtgarten kann Restaurantbetreiber Safet Ljajka demnächst wieder "die erste richtige Hochzeit seit Corona ausrichten", wie er sagt. Sergio Rota, Inhaber des Café Margrit am Johannisplatz, hat "Hoffnung, an alte glorreiche Zeiten anknüpfen zu können". Aber die Handbremse ist immer noch ein wenig angezogen. Das hat zwei Gründe, sagt Carmen Bäuml von der Touristik- & Marketing GmbH (T&M) und Ansprechpartnerin für Gastronomen, die Fragen zu den Corona-Verordnungen haben.

  • Vorsicht: Viele Leute wissen nicht, was man aktuell darf und was nicht. Eine Verunsicherung ist immer noch da.
  • Einkommen: Wer in Kurzarbeit ist, geht vorsichtiger mit dem Geld um, fällt für die Gastronomie aus.

Der Gmünder CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle möchte den Gastronomen unter die Arme greifen. Betriebe aus dem Wahlkreis und auch der DEHOGA Kreisverband hätten ihn um Unterstützung für eine Lockerung der Sperrzeiten gebeten. "Vielfach muss die Außengastronomie bereits um 22 Uhr schließen, einige Gemeinden erlauben den (lärmemissionsmäßig gedämpften) Betrieb bis 24 Uhr", sagt Barthle. In einem Schreiben bittet er die Ordnungsämter, die Spielräume auszunutzen, um "jeder Außengastronomie, die sich darum bemüht, eine über 22 Uhr hinausgehende Öffnung zu ermöglichen". Die Pandemie habe gerade in der Gastronomie zum einen für extreme und existenzgefährdende Einnahmeausfälle gesorgt, sie habe aber auch das Gästeverhalten dahingehend verändert, dass insbesondere der Aufenthalt im Freien, gerne auch bis in den späten Abend, bevorzugt wird. Diesen beiden Umständen sollte auch die Politik vor Ort Rechnung tragen.

Der "Leuchtturm" hat seit 25. Juni wieder geöffnet. Die Betreiber schreiben auf Facebook: "Laden ist leer. Jetzt kommt schon Leute. Wir beißen nicht. Niemand will, dass in Gmünd alles schließt. Also unterstützt uns in dieser schwierigen Situation."

Entscheidend für den Umsatz ist nach Worten von Safet Ljajka das Wetter. Bei Sonnenschein ist er mit dem Besuch des Rokoko-Schlösschens, des "Gmünderle" und des "Paulaner" am Marktplatz zufrieden. "Bei Schlechtwetter haben wir aber einen Einbruch um bis zu 90 Prozent", sagt er. Dabei schätzt Ljajka besonders den Standort Marktplatz, der besser frequentiert ist. "Aber wir sind insgesamt noch weit entfernt von früheren Zahlen, denn noch wollen die Leute nicht ins Lokal rein".

Immerhin kündige sich eine Hochzeit mit 100 Gästen an, erstmals seit Beginn der Einschränkungen. Schon in den vergangenen Wochen habe man "Hochzeitsgäste" bewirtet. Aber es waren nicht die klassischen Hochzeiten mit Musik und vielen Gästen. Die Paare kamen in kleinerer Zahl nach der standesamtlichen Hochzeit zum Essen mit Familie und Freunden.

Was der Gastronomie fehlt, weiß auch Carmen Bäuml: vor allem Firmenkunden. Die waren in der Vergangenheit verlässliche Besucher. "Aber wir haben nur noch Videokonferenzen, kaum jemand reist noch an", sagt sie. Ein großes Problem auch für die Hotels. Deshalb würde es nach Ansicht von Sergio Rota nicht schaden, vermehrt auf den Tourismus zu setzen. Er habe in den vergangenen Tagen beobachtet, "dass doch sehr viele auswärtige Besucher durch die Stadt spazieren und auch ins Café kommen. Er vermutet, dass frühere Bustouristen jetzt mit dem eigenen Auto Städte besuchen. Er regt an, die Hochkonjunktur bei den Wohnmobilen zu nutzen. "Wir brauchen dringend einen Wohnmobilstandort", sagt er und geht davon aus, dass davon die Gastronomie in der Stadt profitieren kann. Solche Stellplätze seien stark nachgefragt.

Und sie könnten der Branche helfen, die umsatzschwachen Zeiten zu überleben. Safet Ljajka hat die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt "und es ist bis jetzt keine Stelle verlorengegangen", sagt er. In Zukunft wieder mitspielen will auch die Lammbrauerei Untergröningen mit ihrem Lokal "Hinz und Kunz" in der Ledergasse. Ende August soll es weitergehen. In diesem Jahr habe man die Betriebsferien ausgedehnt, "weil bei so großem Abstand der Tische auf der Terrasse nicht genügend Besucher Platz finden können, um das wirtschaftlich zu führen", sagt Annette Hafner von der Lammbrauerei. Sie hofft auf dann entsprechende Erleichterungen der Corona-Verordnung.

Dehoga unterstützt Corona-Verordnung des Landes

Der Hotel- und Gaststättenverband unterstützt die Corona-Verordnungen des Landes. Das sagt der Pressesprecher des DEHOGA Baden-Württemberg, Daniel Ohl. Damit reagiert er auf eine Äußerung des Betreibers des "Seehof" in Alfdorf, der den Verband kritisierte, weil er der Politik gefolgt sei. "Unsere Branche hat eine hohe Verantwortung für die Eindämmung der Pandemie", sagt Ohl. Man trage die Maßnahmen mit, verweise aber gleichzeitig auf die massiven Schäden, die das Hotel- und Gastgewerbe erlitten habe.

Die Forderung des DEHOGA nach einer Unterstützung durch das Land sei inzwischen erfüllt. Seit einer Woche gebe es Geld aus der "Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststätengewerbe". Der Topf umfasst 330 Millionen Euro. kust

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