Eine „Lawine der Menschlichkeit“ für die Ukraine

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Die Hilfsbereitschaft ist enorm: Alexander und Tanja Disam und Alina Ushakova (v.l.n.r.) sortieren und verpacken die unzähligen Spenden für die Menschen in der Ukraine.
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Wie Familie Disam vom Mutlanger Tanzsportzentrum den Menschen in der Ukraine helfen möchte.

Schwäbisch Gmünd. Vor dem Tanzsportzentrum Disam geht es zu wie im Taubenschlag. Autos fahren vor und Menschen aller Altersklassen entladen Hilfsmittel, die den Menschen in der Ukraine helfen sollen. Das Inhaber-Ehepaar, Tanja und Alexander Disam, steht zusammen mit Alina Ushakova in einem der Tanzsäle, in dem sich die Tische nahezu durchbiegen vor lauter Sachspenden, die seit vergangenem Montag hier abgegeben werden. Haltbare Nahrungsmittel in Dosen, Hygieneartikel, Kindernahrung und Windeln, Medikamente, Verbandszeug, Trinkwasser und Batterien werden in Kartons verpackt und beschriftet. Und an der Wand stapeln sich Schlafsäcke und Isomatten – sie sind ebenfalls für die Menschen in der Ukraine bestimmt.

Verwandtschaft lebt in Charkiw

Von der „Lawine der Menschlichkeit“ seien sie förmlich überrollt worden, meint Disam, der in seinen kühnsten Träumen nicht an solch eine „Welle der Hilfsbereitschaft“ geglaubt hätte. Alina Ushakova ist die Ehefrau von Alexander Disams Cousin Dominic Palinkas und stammt aus der Ukraine. Ihre Eltern leben in Charkiw. Die Großstadt steht derzeit massiv unter russischem Beschuss. Noch könne sie täglich mit ihrer Familie telefonieren – ein Umstand, der die junge Frau sehr beruhigt.

Beunruhigender seien hingegen die allgemeinen Verhältnisse in ihrer Heimat, meint sie. „Die Menschen haben Angst und verbringen einen Großteil des Tages und die Nächte in ihren Kellern oder in U-Bahnstationen.“ Zudem seien alle Läden geschlossen, weswegen für viele Ukrainer derzeit keine Möglichkeit bestehe, sich mit lebensnotwendigen Dingen zu versorgen.

In Anbetracht dieser Umstände konnten und wollten Alina Ushakova und Dominic Palinkas nicht untätig herumsitzen. Im Internet fanden sie schnell eine Hilfsorganisation, die in Satteldorf und Sinsheim unter dem Hashtag #standwithukraine Hilfslieferungen in die Städte Ternopil und Mukachevo im Westen der Ukraine organisiert. Über die sozialen Medien wie Facebook und WhatsApp baten sie anschließend um Hilfe für das Projekt – und die Hilfe kam.

Die Wohnung ist zu klein

Die Sachspenden wollte Alina Ushakova eigentlich in ihrer Wohnung zwischenlagern. Aber mit Blick auf die „Flut an Spenden“ ist sie mittlerweile um so dankbarer, dass Tanja und Alexander Disam ihr Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Es seien immer wieder kleine und größere Gesten, die das Hilfsquartett zu Tränen rühren: Dort Mitarbeitende, die in ihrer Freizeit gerne zum Helfen kommen. Und da hilfsbereite Menschen wie Dominik Arnold von der Veranstaltungstechnik Mixtown, der den beiden einen Lastwagen für den Transport der Hilfsgüter nach Satteldorf und Sinsheim zur Verfügung stellte, ebenso wie der Gmünder Autoverleih Lendzian.

„Warm, trocken und satt“ seien jetzt die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen in der Ukraine, erklären die Disams und Alina Ushakova. Bekleidung sei ausreichend abgegeben worden, Besonders dringend benötigt werden aber wärmende Decken, Schlafsäcke, Isomatten und Zelte. Auch ausgemusterte Verbandskästen werden gerne angenommen. Ebenso Tierfutter.

Hilfreich wäre es, so Disam und Ushakova, wenn alle Spenden in Kartons angeliefert würden – „das vereinfacht das Sortieren und Verpacken“.

Erster Hilfskonvoi startet

Am kommenden Freitag, 4. März, wird der erste Konvoi von Mutlangen in Richtung Sinsheim und Satteldorf fahren. Es soll aber nicht der letzte sein. Eine Spenderin von haltbaren Lebensmittel bringt es auf den Punkt: „Für uns sind die Spenden Kleinigkeiten, die anderen Mitmenschen das Leben erleichtern.“

Weitere Informationen darüber, was die Menschen in der Ukraine derzeit dringend benötigen, gibt es via Telefon - auf Ukrainisch unter der Mobilfunknummer 0163/8748553 sowie auf Deutsch unter der Rufnummer 0157/52091819.

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