Eine unsterbliche Fundgrube gegen das Vergessen

Seit zehn Jahren sind die Mitglieder des Vereins Brücke nach Osten mit der Archivierung der "Sammlung Osten", beschäftigt.

Schwäbisch Gmünd.

Vor zehn Jahren begann der Verein "Brücke nach Osten e.V." mit dem Sammeln von Dokumenten, die von Flucht, Vertreibung und Eingliederung in die neue Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg künden. Ein weiteres Anliegen des Vereins und der Sammlung ist die Erinnerung an die Gebiete im Osten, die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen sind. In der Sammlung Osten wurden Privatdokumente, Schriften und Bücher zum Thema Flucht, Vertreibung und Eingliederung in der neuen Heimat archiviert.

"Wir können zufrieden sein, bisher haben wir 50 000 Archivalien und rund 6000 Eingabemasken im Computer gesammelt, hinzukommen rund 120 laufende Regalmeter Originaldokumente", erklärte Klaus Rollny.

Mit der "Sammlung Osten" sei ein "Kulturschatz geschaffen worden", lobte der Vorsitzende des Vereins Brücke nach Osten, Frank Metschies. "Trotz Vertreibung und Kriegswirren wurden die Originaldokumente von den Besitzern in die neue Heimat gerettet". Metschies dankte den 27 Gründungsmitgliedern für ihre Arbeit der vergangenen Jahre. Sie haben sich "große Mühe gegeben, das Gmünder Stadtarchiv zu ergänzen und auszubauen".

Karlheinz Hegele vom Gmünder Geschichtsverein lobte die "wichtige Arbeit der Sammlung Osten", Hegele erinnerte daran, dass die Geschichte der Stadt Gmünd nicht nur von den "glanzvollen Staufern" geprägt ist, sondern auch mit leidvollen Abschnitten – mit Vertreibung und Neubeginn. "Diese Erinnerungen könnten ohne die Sammlung im Laufe der Zeit verloren gehen".

Der Gmünder Museumsverein ist mit einem "gemeinsamen Band" mit dem Verein Brücke nach Osten, verbunden, erklärte Ulrich Majocco, vom Gmünder Museumsverein, "denn zu Schwäbisch Gmünd gehören auch die Vertriebenen". Majoccos persönliche Hochachtung galt der Arbeit von Rollny, der "eine unsterbliche Fundgrube" geschaffen habe.

Für die Stadt Schwäbisch Gmünd überbrachte Professor Dr. Reinhard Kuhnert Glückwünsche und hoffte, "mit der Sammlung Vergangenes für zukünftige Generationen aufzubewahren". Kuhnert erinnerte daran, dass "1946 Schwäbisch Gmünd mit den Vertriebenen einen Zuwachs der Bevölkerung von 23 000 auf 39 000 Bürger verzeichnen konnte". Für die Stadt sei es wichtig, "diesen Bestandteil der Geschichte aufzubewahren".

Rollny selbst zeichnete einen kurzen Rückblick über die "gewaltige Arbeit" der letzten zehn Jahre. Sein persönlicher Dank galt Burkhard Fichtner und Dr. Kurt Scholze, von denen die Initialzündung zur Sammlung Osten kam. "Fichtner und Scholze waren in großer Sorge um die Schriften, Bücher und Dokumente, die noch bei vielen Flüchtlingen und Vertriebenen schlummerten". Rollny erinnerte an die Anfänge der Archivarbeit, die Suche nach Räumen. Schmunzelnd gab er zu, "die Archivarbeit hat mir nie Spaß gemacht, aber viel Freude bereitet".

Info: Zu den Archivalien zählen Dokumente der Zeit aus dem 2. Weltkrieg, der Vertreibung, Flucht und der Ankunft in der neuen Heimat. Privatbriefe, Fotos und Zeitungsartikel gehören ebenso dazu wie amtliche Dokumente und Literatur. Personen die die Sammlung mit weiteren Dokumenten unterstützen möchten, finden Kontakt unter info@sammlungosten.de, Telefon (07171) 1819026, Ansprechpartner Dr. Kurt Scholze und Klaus Rollny.

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