Eine vergnügte, befreite und erlöste Kirche gestalten

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Der Gottesdienst zum Reformationsfest in der Augustinuskirche ging einher mit der Einsetzung des neuen Bezirksarbeitskreises Frauen.
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Gottesdienst zum Reformationstag zeigt, wohin es in der Ökumene und mit den Frauen gehen sollte.

Schwäbisch Gmünd. Nicht nur Menschen feiern Geburtstag, auch die Kirche. Die Protestanten blicken dabei auf die Reformation: Laut Überlieferung hat Martin Luther am 31. Oktober 1517, am Abend vor Allerheiligen, seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen und damit die Abspaltung von der katholischen Kirche herbeigeführt, was heute als Reformationstag gefeiert wird. Der zentrale Gmünder Gottesdienst war am Sonntag in der gut besuchten Augustinuskirche.

500 Jahre sind eine lange Zeit. Pfarrerin Judith Steinestel wies darauf hin, dass der Tag an die Geschichte der Kirche erinnere und an Menschen, die für die Kirche gestritten haben. Doch diese seien keine Heiligen und man sei nicht immer einer Meinung mit ihnen. Ein wichtigeres Fundament verbinde die Christen, zitierte die Pfarrerin aus dem ersten Korintherbrief: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Von diesem Fundament her gelte es, sich inspirieren zu lassen, wie die Kirche künftig gestaltet werden soll: „vergnügt, befreit und erlöst“, gab sie die Richtung vor.

Dass der neue Bezirksarbeitskreis (BAF) der Frauen vorgestellt wurde, passte gut zum Reformationstag, an dem auch Luthers Frau im Zentrum stand, eine entlaufene Nonne, die Dekanin Ursula Richter als Freie und Erlöste vorstellte. „Danke allen, die erlösend, fürsorglich und ganz praktisch wirken – wie Käthe Luther“, dankte sie den Frauen des BAF, „die heute ihren Beitrag leisten“.

Wieder oder neu ins Gremium gewählt wurden Karin Freitag-Rau, Godelinde Spellenberg-Moser, Judith Steinestel, Susanne Trunk und Dorothea Wallbrecht-Harr. Steinestel erinnerte daran, dass es schon lange Initiativen von evangelischen Frauen für andere Frauen gibt, indem etwa nach dem Krieg Erholungshäuser gegründet wurden oder der Ausbildungsberuf „Dorfhelferin“ ins Leben gerufen wurde. Von Frauen für Frauen, dies sei heute noch ein Thema und ein Bedürfnis: sich gegenseitig zu stärken in der Rolle in Familie und Gesellschaft, beim Spagat zwischen Kindern und Beruf oder bei der Findung der eigenen Stärken. Konkret nannte die Bettringer Pfarrerin, die an diesem Tag in den Mutterschutz verabschiedet wurde: Frauen miteinander ins Gespräch bringen, Angebote für sie schaffen und eine Plattform für Austausch schaffen, auch interreligiös und interkulturell.

Dekanin Richter weitete den Blick in eine andere Richtung: „Auch die katholischen Schwestern von Maria 2.0 haben unsere Solidarität.“ Loslösung vom jahrtausendealten Patriarchat sieht die Theologin als zähe Sache. Auch in der Kirche der Reformation gebe es erst seit 60 Jahren Pfarrerinnen. Ihre Predigt widmete sie dem Wort „Erlösung“, das nach Freiheit, Aufatmen, Befreiung von allen Fesseln dufte. Dies könne aber auch in totale Ichbezogenheit und Gier kippen, warnte sie – mit verheerenden Folgen für Mensch und Gesellschaft.

504 Jahre Kirchenspaltung nahm die Dekanin auch zum Anlass, über das immer noch Trennende zu sprechen: „An der Basis fühlen wir immer mehr den einen Leib Christi, der gesetzt ist, den kein Mensch spalten kann, weder Luther noch Papst.“ Zu wünschen wäre, dass beide Konfessionen bald so frei sind, gemeinsam Brot und Wein zu teilen. „In denen lässt uns Christus die Erlösung schmecken. Real und präsent.“ Birgit Markert

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