„Einhorn sucht Regenbogen“ - queer in Gmünd

VHS, Museum, Archiv und Beauftragte für Chancengleichheit starten Geschichtswerkstatt zur Vielfalt sexuellen Lebens. Und der Bereicherung durch diese.

Schwäbisch Gmünd

Es soll keine Selbsterfahrungsgruppe für queere Menschen werden. Auch kein akademischer Zirkel: Mit dem Projekt „Einhorn sucht Regenbogen - queer in Schwäbisch Gmünd“ wollen die Volkshochschule, das Stadtarchiv, das Museum im Prediger und Gmünds Beauftragte für Chancengleichheit alle Bürger ansprechen. Ihr Ziel: Geschlechtliche Vielfalt in Gmünd sichtbar machen, historisch und in der Gegenwart. Und damit Vorurteile hinterfragen.

Dazu werden Ingrid Hofmann als VHS-Chefin, Elke Heer als Beauftragte für Chancengleichheit, Dr. Martin Pozsgai vom Museum und der Historiker Arnd Kolb, der zurzeit im Stadtarchiv arbeitet, eine Geschichtswerkstatt ins Leben rufen. Diese erforscht, ob im Museum oder im Stadtarchiv, queeres Leben in Gmünd. In dieser Geschichtswerkstatt, in der alle Bürger zur Mitarbeit eingeladen sind, werden Fotos und Objekte gesammelt. So soll queeres Leben in Gmünd dokumentiert werden. Ein Beispiel aus dem Stadtarchiv: Die Geschichte des Gmünders Ernst Haug, der von Dezember 1940 bis April 1945 inhaftiert wurde - wegen Vergehens gegen Paragraf 175, der von 1872 bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Jüngst veröffentlicht in der GT-Serie „Verborgene Schätze im Stadtarchiv“.

In der Geschichtswerkstatt gibt es aber auch Gespräche mit Zeitzeugen. Beispielsweise mit Vertretern der Aids-Hilfe. Die Geschichtswerkstatt wird das Stadtarchiv besuchen, das Museum, Orte schwulen und lesbischen Lebens in Gmünd. Warum all dies? Für Hofmann ist dies auch ein „demokratisches Thema“. Vielfalt mache vielen Menschen Angst, sagt sie. Und ergänzt: „Die Geschichtswerkstatt will zeigen, dass Vielfalt bereichert.“ Es gehe auch darum zu zeigen, dass das Thema seit 100 Jahren, seit 1000 Jahren existiert, sagt Kolb, der die Geschichtswerkstatt leitet. Und dass die Prägung der heutigen Gesellschaft daher historisch bedingt ist. „Schwules Leben in der Normalität sichtbar machen“, dieses Anliegen leitet Heer daraus ab.

Der Impuls für die Geschichtswerkstatt kam von Oberbürgermeister Richard Arnold. Er hat eine solche in Tübingen kennengelernt. Was könnte an deren Ende stehen? Vielleicht eine Ausstellung. Vielleicht auf breiter Ebene eine Diskussion über queeres Leben in Gmünd. Vielleicht, sagt schließlich Hofmann, ein verändertes Selbstverständnis der Stadt. Über sexuelle Vielfalt als Normalität.

Auftakt der Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt „Einhorn sucht Regenbogen“ startet am Donnerstag, 22. September, um 19.30 Uhr in der VHS mit einem Vortrag der Historikerin Dr. Julia Munier über „Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg“. Vertreter der Geschichtswerkstatt selbst werden ihr Projekt erläutern. Bürger sind von da an willkommen, mitzumachen.

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