Einhorntunnel in 38 Nächten gesperrt

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Sobald der Tunnel tagsüber gesperrt ist, herrscht in der Innenstadt Verkehrschaos.
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Viele Fahrer ärgern sich, wenn der Einhorntunnel zu ist. Das Landratsamt klärt auf, wie häufig dies tatsächlich vorkommt – und warum.

Schwäbisch Gmünd

Sobald der Gmünder Tunnel tagsüber gesperrt ist, sind die Straßen der Innenstadt verstopft – und das selbst im Corona-Jahr 2020, in dem wegen Homeoffice und Lockdown zeitweise deutlich weniger Autos unterwegs waren als sonst. "Ständig ist der Tunnel zu", hört man dann manche Fahrer im Stau schimpfen. Stimmt das? Alexandra Rief, die persönliche Mitarbeiterin des Landrats, hat Zahlen dazu parat: Von den 366 Nächten im Schaltjahr 2020 war der Gmünder Einhorntunnel in 38 Nächten komplett oder stundenweise gesperrt. Zudem gab es tagsüber fünf außerplanmäßige Sperrungen wegen Unfällen oder Fahrzeugpannen. Hinzu kommen weitere kürzere Sperrungen, die nicht in der Statistik erfasst sind. Dazu zählen unter anderem Sperrungen wegen Schwertransporten oder verlorener Ladung, zählt sie auf.

Wegen Wartung und Reparatur

  • 12 Mal musste die Straßenmeisterei den Gmünder Tunnel 2020 für Wartungen und Reinigungen sperren. Das Bundesverkehrsministerium gibt konkret vor, wie oft welche Anlagen kontrolliert, gewartet und gereinigt werden müssen, etwa die Brandmeldeanlage, die Belüftung oder die Entwässerung. Aus Rücksicht auf Auto- und Lastwagenfahrer legen die Arbeiter dafür Nachtschichten ein. Die Sperrungen waren jeweils von 19.30 bis 5.30 Uhr angesetzt. Zum Vergleich: Auch 2019 zählte die Straßenmeisterei insgesamt zwölf nächtliche Sperrungen für Wartungs- und Reinigungsarbeiten, 2018 waren es 14.
  • 8 Nächte war der Tunnel 2020 stundenweise gesperrt, weil Reparaturen anstanden – vor allem die Instandsetzung von defekten Rauchabzugsklappen.
  • 13 Nachtschichten hatten Arbeiter im Auftrag des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart im Februar im Tunnel. Denn die halbjährliche Bauwerksüberprüfung im Oktober 2019 hatte gezeigt, dass alle 153 Fugen in der Zwischendecke des 2,2-Kilometer-Tunnels gerissen sind, wie Christian Holowitz vom Baureferat Ost des RP erklärte. Wenn der Entlüftungskanal undicht ist, kann er weniger Abluft absaugen. Vor allem im Falle eines Brandes könne dies zum Problem werden. Daher investierte der Bund rund 350 000 Euro für die Sanierung.
  • 2 ½ Nächte war der Tunnel Ende November zu, weil ein Ingenieurbüro die Lüftungsanlage im Nachgang der Fugenabdichtung überprüfte. Konkret haben die Ingenieure gemessen, ob die Anlage genug Strömungsgeschwindigkeit erzeugt, um die Abluft über die gesamte Tunnellänge über die Lüftungsklappen in die Zwischendecke und weiter über den Kamin in der Tunnelmitte nach oben zu befördern, erklärt Jan-Philipp Queren, Dienststellenleiter der Straßenmeisterei Schwäbisch Gmünd.
  • 2 Nächte haben die Straßenmeisterei und die Leitstelle überprüft, ob alle Sicherheitseinrichtungen des Tunnels funktionieren: von der Brandmeldeanlage inklusive Lautsprecher über die Notruftelefone bis hin zur Videoanlage.

Wegen Unfällen und Pannen

  • 2 Unfälle im Tunnel tauchen für 2020 in der Statistik der Straßenmeisterei auf. Ein Unfall mit mehreren Beteiligten ereignete sich am 23. Oktober. Sechs Fahrzeuge fuhren aufeinander auf, eine Person wurde dabei verletzt. Zwei der Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Zur Unfallaufnahme und für Bergungs- und Reinigungsarbeiten wurde der Tunnel dreieinhalb Stunden in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Beim Auffahrunfall am 27. Oktober wurde zum Glück niemand verletzt. Ein Autofahrer in Fahrtrichtung Aalen ist nach Polizeiangaben kurz vor der Einfahrt zum Tunnel aus Unachtsamkeit auf das vor ihm fahrende Auto aufgefahren, das auf ein weiteres Auto geschoben wurde. Die Unfallfahrzeuge mussten abgeschleppt, die Fahrbahn gereinigt werden. Der Tunnel war daher etwa eine Stunde gesperrt. Der schlimmste Unfall seit der Eröffnung des Tunnels hatte sich am 29. August 2019 ereignet. Ein 55-jähriger Autofahrer war laut Polizei aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Sattelschlepper zusammen gestoßen. Dies löste eine Kettenreaktion aus. Am Ende waren fünf Fahrzeuge in den Unfall verwickelt. Sechs Menschen wurden schwer verletzt. Der 55-Jährige erlag sechs Wochen später seinen Verletzungen.
  • 1 mal musste eine beauftragte Spezialfirma 2020 die Ölspur eines defekten Fahrzeugs beseitigen. Dafür war der Tunnel zwei Stunden gesperrt.
  • 2 mal war der Tunnel jeweils für eine Stunde wegen Brandalarm gesperrt. Aus Pannenfahrzeugen war Rauch gedrungen, erläutert Jan-Philipp Queren. Nachdem die Feuerwehr sich versichert hatte, dass die Rauchentwicklung daher stammt und der Tunnel belüftet worden war, durften die Fahrer ihn wieder nutzen.

Rombachtunnel seltener zu

Zum Vergleich: Im Aalener Rombachtunnel gab es im vergangenen Jahr 18 längere Sperrungen wegen Wartungen, Reparaturen oder Unfällen, berichtet Alexandra Rief. Hinzu kommen kürzere Sperrungen etwa wegen Schwertransporten, verlorenerer Ladung oder Rückstau bei hohem Verkehrsaufkommen. Doch der Gmünder Tunnel ist eben auch zweieinhalb mal so lang wie der Rombachtunnel mit seinen 870 Metern.

Der Gmünder Einhorntunnel ist seit 25. November 2013 für den Verkehr freigegeben, gebaut worden war seit 1998. Die Gesamtkosten beliefen sich nach Angaben des RP auf rund 280 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2020 waren laut RP im Durchschnitt jeden Tag rund 20 000 Fahrzeuge in dem 2,2 Kilometer langen Bauwerk unterwegs.

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