Tafelladen: Einkauf im Porsche ist ein “Einzelfall”

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Weniger Lebensmittelspenden und immer mehr Kunden, dies sind die Sorgen, die Tafel-Geschäftsführer Steffen Witzke und Mitarbeiterin Nurhan Kizilay beschäftigen.
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GEBIB-Geschäftsführer Tilmann Haug nimmt Stellung zum GT-Bericht über den Tafelladen. Kernprobleme sind weniger Lebensmittel und mehr Kunden.

Schwäbisch Gmünd

Menschen, die mit „sehr teuren Autos“ am Tafelladen vorfahren oder mit einem „großen“ Geldschein bezahlen wollten, gibt es. Sie sind aber „absolute Einzelfälle“. So reagiert der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für die berufliche lntegration von Behinderten (GEBIB), Tilmann Haug, auf den GT-Bericht vom vergangenen Samstag über den Gmünder Tafelladen. Auf solche Kunden hatte der Geschäftsführer des Gmünder Tafelladens, Steffen Witzke, hingewiesen. Die GEBIB betreibt Tafelläden in Gmünd, Ellwangen, Heubach und Bopfingen. 

Haug beschreibt auf GT-Anfrage die Situation des Gmünder Tafelladens. Er sei, wie die anderen Tafelläden im Kreis, damit konfrontiert, „dass das Spendenaufkommen aus dem Einzelhandel und von den Läden immer mehr nachlässt“. Dennoch seien in Gmünd täglich drei Fahrzeuge der Tafel unterwegs, um Lebensmittel aus den Läden einzusammeln. Dieser Anteil betrage nach wie vor etwa 60 bis 70 Prozent der Ware, die der Tafelladen an Kunden weitergibt. Zudem habe sich das Spendenaufkommen in Folge des Ukrainekrieges verringert, da Hersteller die Ware zum Teil direkt in Flüchtlingslager umleiten.

Mit dem Ukrainekrieg seien nun zwischen 30 und 60 Prozent ukrainische Flüchtlinge unter den Kunden. Die zunehmende Knappheit der Spenden und die steigende Kundenzahl sorgten für Unmut unter den Kunden. Zudem sei die Kommunikation mit den ukrainischen Kunden schwer, da diese oft kein Englisch sprächen, sondern ukrainisch oder russisch.

Kämen Kunden mit „großen“ Geldscheinen, könne nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass diese Menschen viel Geld haben, sagt Haug. Es könne auch sein, dass sie ihr ganzes Erspartes umgetauscht haben und nun hier von dem Geld leben müssten. Bei teuren Sportwagen oder ähnlichen Fahrzeugen mit ukrainischem Kennzeichen hingegen könne man davon ausgehen, dass es sich um vermögende Menschen handle. Bekämen die Tafelmitarbeiter dies mit, könnten diese Kunden nicht in der Tafel einkaufen.

Menschen die bei uns einkaufen möchten, müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen, sagt Haug. Bedürftig nach Regelung unter den Tafeln in Deutschland sei, wer monatlich bis maximal 30 Prozent über Hartz-4-Sätzen zur Verfügung hat. Dies müssten die Tafelkunden nachweisen. Dies gilt auch für Menschen, die arbeiten, eine geringe Rente oder andere geringe Einkünfte haben.

Für Ukrainer hingegen galt in der Anfangszeit, dass sie mit Ausweisen einkaufen konnten. So sollte den Menschen, vor allem Frauen und Kindern, die nur für eine gewisse Zeit Geld hatten, schnell und unbürokratisch geholfen werden. „Diese Regelung war richtig, und dies würde ich auch heute wieder so unterstützen“, sagt Haug. Mittlerweile aber sei der Status klar und gerade auch im Ostalbkreis habe das Jobcenter „in sehr beeindruckender Weise in kürzester Zeit Hunderte Hartz-4-Bescheide versandt, so dass diese Regelung nun aufgehoben wurde“. Dies bedeute, „dass in unseren Tafeln nun auch die ukrainischen Flüchtlinge wie alle anderen Kunden ihre Bedürftigkeit nachweisen müssen“. Erst dann bekommen sie einen Tafelausweis oder die Bonuskarte der Stadt Gmünd. 

Erschwerend zu weniger Spenden und mehr Kunden kämen steigende Lebensmittel- und Energiepreise hinzu, fasst Haug zusammen. Und er ergänzt: „Leider werden die Hartz-4-Sätze bislang nicht entsprechend angepasst, so dass unsere Kundschaft zunehmend in Existenzängste kommt.“ Dem entgegen zu steuern, da sei in erster Linie die Politik gefragt, sagt Haug.

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