Einmal mehr „spazieren“ 1000 Menschen durch die Altstadt

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1000 "Spaziergänger" in Gmünd
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Trotz Anfeindungen und Beleidigungen gegenüber Polizeibeamten: Stadt und Polizei bewerten die Stimmung „entspannter“.

Schwäbisch Gmünd

Deutlich entspannter“, das war der Eindruck von Gmünds Ordnungsamtschef Gerd Hägele nach dem „Spaziergang“ der Gegner der Corona-Maßnahmen am Montagabend in Gmünd. Etwa 1000 Teilnehmer, schätzten Polizei und Ordnungsamt, und damit etwa 200 weniger als in der Vorwoche, hatten sich einmal mehr am Bahnhof versammelt. Von da an wiederholte sich der nunmehr hinlänglich bekannte Ablauf: Die Polizei forderte, wie immer, den Versammlungsleiter auf, sich zu melden. Es meldete sich, wie immer, niemand. Wie immer zogen die „Spaziergänger“ vom Bahnhof durch den Remspark in die Robert-von-Ostertag-Straße. Von dort durch die Bocksgasse zum Münsterplatz. Danach variierten sie ihre Strecke: zum Marktplatz an der Eisbahn vorbei, durch die Kappelgasse in die Schmiedgassen, zurück zum Marktplatz in die Ledergasse. Von dort zum Türlensteg in die Bocksgasse in die Parlerstraße über die Karl-Olga-Brücke in die Goethestraße. Und schließlich über die Rektor-Klaus-Straße zum Bahnhof.

Die Strategie von Polizei und Ordnungsbehörde war die des vergangenen Montags: Sie wiederholten mehrere Male per Megafon die Auflagen - Maskenpflicht, Abstand, Alkoholverbot, Gehweg benutzen, Fahrbahn freihalten. Allerdings: Sie ernteten nicht, wie in der Vorwoche, Gelächter, Buhrufe, „Wir sind das Volk“-Rufe. Anfeindungen und Beleidigungen Polizeibeamten gegenüber gab es trotzdem, berichtete Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. Verstöße gegen die Auflagen auch. Und es gab kurze Gespräche am Rande. „Wir demonstrieren hier friedlich, damit die Politiker die Corona-Maßnahmen aufheben“, sagte ein Teilnehmer. Zu Kundgebungen seien nicht genügend Leute gekommen, erklärte er, weshalb die Demonstranten nicht einfach Kundgebungen anmeldeten.

Aufrufe, am Montagabend zum Bahnhof zu kommen, hatte es im Vorfeld nicht nur in den sozialen Medien gegeben. Sowohl in der GT-Redaktion als auch bei der Stadtverwaltung gingen am Montag Beschwerden von Bürgern ein, die am Wochenende ein anonymes Flugblatt in ihren Briefkästen fanden. Auf diesem wurden sie aufgefordert, jeden Montag um 18.30 Uhr zum „gemeinsamen Spazierengehen“ zum Bahnhof zu kommen - „für eine freie Impfentscheidung“. Da das Flugblatt anonym sei, könne die Stadt wenig dagegen machen, sagte dazu Stadtsprecher Markus Herrmann. Es sei aber ein Zeichen, dass „eine Gruppe aus einer Menge heraus agiert“. Anonym, und dies sei feige und anders als bei einer Kundgebung, die angemeldet sei und bei der die Leute dann zu ihrer Meinung stünden. „Feigheit ist nicht Teil der Meinungsfreiheit“, sagte Herrmann.

Außer den „Spaziergängern“ in Gmünd gab es Polizeiangaben zufolge am Montagabend auch Versammlungen in Aalen und Ellwangen. In Aalen waren etwa 700 Menschen unterwegs, in Ellwangen 300 und 120 Gegendemonstranten.

Feigheit ist nicht Teil der Meinungsfreiheit.“

Markus Herrmann, Gmünds Stadtsprecher
  • Etwa 20 Anzeigen nach Montag-“Spaziergang“
  • Seit dem „Spaziergang“ vom vorvergangenen Montag mit etwa 1200 Teilnehmern in Gmünd kam es in etwa 20 Fällen zu Anzeigen gegen „Spaziergänger“. In der Folge werden in diesen etwa 20 Fällen nun Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Dies sagte Stadtsprecher Markus Herrmann am Montag auf GT-Anfrage. Polizei und Stadt hatten bereits am Montag vergangener Woche während der Versammlung wiederholt Durchsagen gemacht. Mit diesen hatten sie die Teilnehmer aufgefordert, Masken zu tragen und die Fahrbahnen freizuhalten. Polizei und Ordnungsbehörde haben während der Versammlung zudem Videos und Fotos gemacht. Auf deren Basis haben sie Regelverstöße zur Anzeige gebracht, insbesondere gravierendere wie die Benutzung der Fahrbahn und damit die Störung des Verkehrs. mil

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