Eislaufen auf Polyethylen: Dem Kunst-Eis gehört die Zukunft

+
Mehr Krafteinsatz und schärfere Kanten: Auf Kunststoff sind einige Dinge anders als auf einer Echteisbahn.
  • schließen

Wie sind die Erfahrungen mit Eislaufen auf Polyethylen? Die Gmünder Tagespost hat in der „Eis-Arena“ auf dem Marktplatz nachgefragt.

Schwäbisch Gmünd. Polyethylen statt Eis: Es ist die erste Eislauf-Saison auf dem Gmünder Marktplatz mit der neuen Technik. Für die Betreiber ist es eine Test- und Lernphase - und für die Schlittschuhläuferinnen und -läufer auch.   

„Wir werden bei einigem nachbessern“, verspricht Robert Frank, der für die Stadt die Eisbahn managt. Besser werden sollen die Schlittschuhe, die man ausleihen kann: Die aktuellen mit nur einer Schnalle werde es in Zukunft nicht mehr geben. „Man braucht auf diesem Belag etwas mehr Stabilität als sonst“, sagt Frank. Für die Zukunft sollen 160 Paar Schlittschuhe angeschafft werden, die diesem Anspruch genügen.  

Auch eine neue Schleifmaschine für die Kufen werde demnächst geliefert, verspricht Frank. Weil auf Kunststoff scharfe Kanten der Kufen noch wichtiger sind als auf Eis. Beides hat mit dem fundamentalen Unterschied des PE-Belangs im Vergleich zu echtem Eis zu tun: „Man muss mehr Kraft aufwenden.“  

„Es ist ähnlich, aber nicht gleich“, sagt Andreas Wagner, der aus Neuler nach Gmünd gefahren ist. Die Eis-Arena scheint weit über die Stadt hinaus Besucher anzuziehen: Ein paar Meter weiter steht eine Eisläuferin, die aus Ellwangen kommt. „Wir sind drei Familien mit insgesamt neun Kindern“, erzählt sie. „Richtiges Eis“ würde sie schon vorziehen, sagt sie, „aber es ist eine gute Alternative. Die Kinder haben ihren Spaß.“ Monika Wilfer aus Heubach, die mit Tochter und Enkel da ist, rät, der neuen Bahn eine Chance zu geben. „Am Anfang habe ich gedacht, es geht gar nicht“, sagt sie. Aber nach etwas Zeit zum Eingewöhnen funktioniere es richtig gut.  

Das sehen offensichtlich viele Leute so, mit den Besucherzahlen ist Robert Frank sehr zufrieden. „Die Tendenz spricht für sich“, sagt er. Ganz viele Schulklassen verbringen einen Wintersporttag in der Gmünder „Eis-Arena“, erzählt er. 

Wenn die Saison am 6. März zu Ende ist, wird Bilanz gezogen. Ein Rückkehr zum klassischen Eis wird es wohl nicht geben. „Der Trend geht eindeutig in diese Richtung“, sagt Robert Frank zum Kunststoff-Belag. “Ludwigsburg stellt in seiner Eishalle auf Kunststoff um, in Reutlingen ist das schon passiert“, erzählt Frank. Dem Kunst-Eis gehört aus seiner Sicht die Zukunft, der Wandel dürfte durch die stark gestiegenen Energiepreise weiter verstärkt werden. Wenn die sich mal eben verdoppeln, ist das bei einer Echteisbahn ein gewichtiger Kostenfaktor. Und bei  Tagestemperaturen um die zehn Grad wie an manchen Tagen im Februar braucht das Kühlsystem extra viel Strom. Die Eisbahn in Gmünd soll ein Vergnügen sein, das sich Schüler und ganze Familien leisten können. „Wir wollen die Preise ja sozialverträglich gestalten“, sagt Robert Frank. 

Abrieb in den Gelben Sack

Ein weiterer Einsparfaktor ist der Wartungsaufwand, „der ist deutlich geringer“, sagt Frank. Bisher sei an gut frequentierten Wochenenden die Eismaschine vier- bis fünfmal täglich gefahren, jetzt muss Frank einmal Tag mit einer Handkehrmaschine den Kunststoffabrieb zusammenfegen. Der komme dann in den Gelben Sack, erzählt Frank. Alle eineinhalb bis zwei Wochen trägt er ein Gleitmittel auf: Silikon, lebensmittelecht und damit völlig unbedenklich, wenn mal ein Eisläufer hinfällt und mit der Hand auf den Boden greift, betont Frank.  

Wenn es auf die Bahn regnet, macht das auf Eis wie auf Kunststoff Arbeit, ziemlich viel sogar. Auf 400 Quadratmetern „sind schnell ein paar hundert Liter drauf“, sagt Frank. Ein 20-Minuten-Einsatz  mit einem Industriestaubsauger löst das Problem. Weil Wasser auf der Bahn einen Sturz zu einer nassen Erfahrung macht, kann man das Wasser nicht drauf lassend, findet Robert Frank. Mit Schnee ist das kaum anders: „Schneematsch ist auf beiden Arten von Bahnen gleich blöd.“  

Mehr zum Thema: 
-Besucher der Gmünder Eisbahn: gute Zahlen
-Neues Gleiten auf synthetischem Eis
-Wieso die Gmünder Eisbahn nun auf Polyethylen setzt

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare