Endlich das Zukunftsthema Klimawandel anpacken

+
Baumaßnahmen am Gügling - Dieterle
  • schließen

Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen fordert Wende in der Mobilität und beim Flächenverbrauch.

Schwäbisch Gmünd. Der Schutz des Klimas hat für die Fraktion B 90 / Die Grünen Vorrang. Sie fordert energetische Gebäudesanierung, weniger Flächenverbrauch und eine Wende in der Mobilität. Dafür ist die Fraktion bereit, zunächst weitere Schulden zu machen.

Welche Priorität(en) sehen Sie für das kommende Jahr?

Gabriel Baum: In den kommenden Monaten müssen wir in Schwäbisch Gmünd endlich aktiv das große Zukunftsthema Klimawandel anpacken. Vor allem bei der energetischen Gebäudesanierung, beim Flächenverbrauch und im Mobilitätsbereich muss entschlossen die Wende eingeleitet werden. Daher brauchen wir baldmöglichst einen Beschluss zum Klimakonzept und einen Fahrplan zur Umsetzung, einschließlich der Bereitstellung von Haushaltsmitteln. Weiterhin geht es um die Aktivierung einer lebendigen Stadt mit ihren Geschäften, Dienstleistungen, ihren Vereinen und Gemeinschaften, um weiter aus dem Corona-Loch zu kommen.

Wie gelingt es, den Haushalt der Stadt nach Corona wieder in Ordnung zu bringen?

Durch Einnahmeausfälle in der Coronazeit wurde das bereits davor absehbare Loch im städtischen Haushalt viel weiter aufgerissen, als dass es durch einen Aufschwung schnell wieder geschlossen werden könnte. Daher muss Schwäbisch Gmünd voraussichtlich zunächst noch weiter auf neue Schulden setzen, da ein abrupter Sparkurs kaum sozial- und wirtschaftsverträglich möglich wäre. Der Haushalt muss auch zukunftsfester werden. Langfristige Gewerbeansiedlungen und -erweiterungen müssen auch unter dem Aspekt der Gewerbesteuer entschieden werden. Am strukturellen Sparen führt dennoch kein Weg vorbei.

Wie gelingt es Gmünd, der Abhängigkeit von der Automobilindustrie entgegenzuwirken? Welches Gewicht hat für Ihre Fraktion dabei eine weitere Entwicklung des Gewerbegebietes Aspen?

Gmünd muss sich weiter bemühen, alternative Wirtschaftszweige zu stärken, die zukunftsfähige und nachhaltige Arbeitsplätze bieten. Eine Diversifizierung der Wirtschaft vermindert die Anfälligkeit für Krisen einzelner Branchen. Dabei spielen mittelständische Unternehmen eine große Rolle. Trotzdem darf eine Industrieansiedlung im Gebiet Aspen auch den Mobilitätsbereich bedienen, denn nicht die Kfz-Branche ist ein Auslaufmodell, sondern die Verbrennertechnologie. Unerlässlich ist dabei, dass die Gewerbegebiete nachhaltig und mit dem Ziel der CO2-Neutralität angelegt sind.

Wie läuft aus Ihrer Sicht die Umsetzung des Projektes „Lebenswerte Altstadt“ mit dem Auftakt in den Schmiedgassen?

Mit der Umgestaltung der Schmiedgassen wurde ein guter erster Aufschlag gemacht. Auf diese Initialzündung müssen zügig weitere Schritte folgen, die über die Schmiedgassen hinausgehen. Die Altstadt muss als Ganzes gedacht und im Sinne des Konzepts „Lebenswerte Altstadt“ weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch die konsequente Weiterentwicklung eines Verkehrskonzepts für die ganze Altstadt. Erreichbarkeit ohne Autoverkehr – zu Fuß, mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln – entlastet und eröffnet auch an anderen Stellen der Altstadt neues Entwicklungspotenzial.

Ist Ihre Fraktion bereit, Rädern und Fußgängern mehr und Autos weniger Raum in der Altstadt zu geben?

Ja, das sehen wir als Grundlage für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung der Innenstadt an. Aber nicht nur Fahrrädern und Fußgängern, sondern auch Bussen, am besten mit CO2-neutralem Antrieb, muss mehr Vorrang eingeräumt werden. Dadurch gewinnen nachhaltige Mobilitätsformen an Attraktivität. Gleichzeitig wird Lärm, Schmutz und Stress reduziert und die Wohnfunktion in der Innenstadt weiter verbessert.

Was kann die Stadt für den Handel nach Corona tun?

Die Stadt sollte den lokalen und stationären Handel unterstützen, damit der Einkauf in Gmünd ein ganzheitliches Erlebnis aus Shoppen, Flanieren und Genießen bleibt und noch mehr wird. Dazu sollte die Stadt den Rahmen gestalten, zum Beispiel durch die vorher beschriebenen Maßnahmen zur Entwicklung der Innenstadt oder durch Anreizprogramme zur Reduzierung von Leerstand. Darüber hinaus sollte der Handel bei der Anpassung an die Rahmenbedingungen der Zukunft unterstützt werden, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Sammelplätzen für Einkäufe, die von dort aus nach Hause zugestellt werden – von Elektroscootern und Lastenradkurieren. Michael Länge

Hier geht‘s zu den anderen Interviewpartnern

Alfred Baumhauer (CDU)

Sigrid Heusel (SPD)

Fragen der GT an GrüneGabriel Baum

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare