Energieversorgung: Mit Sonne eigenen Strom erzeugen

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Fotovoltaik-Modul
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Was Hausbesitzer und Bauherren beachten müssen, wenn sie sich eine Fotovoltaikanlage aufs Dach installieren lassen möchten, was es kostet und wie sie Energiekosten sparen können.

Schwäbisch Gmünd

Beim Blick auf die Strom- oder Gasrechnung denken viele Hausbesitzer oder Bauherren derzeit über Alternativen zur herkömmlichen Heizung nach. Die Energiepreise steigen, während die Sonne kostenlos vom Himmel scheint. Doch für wen rentiert sich beispielsweise eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach oder eine Wärmepumpe vor der Haustür?

Heizarten koppeln: Wer als Häuslebauer oder Hausbesitzer eine Fotovoltaikanlage installieren lassen möchte, sollte sich bei einem Energieexperten informieren und einen Vor-Ort-Termin ausmachen, weiß der Ingenieur und Fachberater für dezentrale Energiesysteme Timo Seitz aus Böbingen, der in Kürze einen Fachbetrieb in Heubach eröffnen wird. Nur mit Sonnenenergie Wärme produzieren, das sei hierzulande schwierig. Um mit Sonnenstrom Wärme zu erzeugen oder zu kühlen, müssten Hausbesitzer eine Wärmepumpe installieren, die aus einer Kilowattstunde Strom etwa drei Kilowattstunden Wärme erzeugt. Alternativ könne ein Heizstab installiert oder es könnten Infrarotheizkörper eingebaut werden. Die gemeinsame Betrachtung von Strom, Wärme und Mobilität nennt der Profi Sektorenkopplung.

Die Wärmepumpe: Eine Wärmepumpe funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Während der Kühlschrank seinem Innenraum die Wärme entzieht und nach außen abgibt, entzieht die Wärmepumpe dem Außenbereich die Wärme und gibt sie als Heizenergie ans Haus ab. Große Wärmepumpen, die in der Regel draußen auf dem Grundstück stehen, seien geeignet bei Flächenheizungen und großen Heizkörpern. Vor allem neue Häuser hätten oftmals Fußbodenheizungen, weiß Timo Seitz. Bei kleineren Heizkörpern in älteren Häusern sind Wärmepumpen nicht so effizient. Aber auch hier biete beispielsweise der Einsatz von Heizstäben über den Sommer und in der Übergangszeit eine gute Möglichkeit, Energiekosten durch die Nutzung von sauberem Sonnenstrom einzusparen und die Lebensdauer der Wärmepumpe oder Heizung zu verlängern. Auch hier sei der Heizungsfachmann der geeignete Ansprechpartner.

Fotovoltaik: Unabhängig von der Heizungsart sei aber bei vielen Häusern Fotovoltaik möglich. Während Solarthermiekollektoren auf dem Dach nur Warmwasser erzeugten, seien Fotovoltaikanlagen vorteilhafter, weiß der Experte. Diese erzeugten Strom, mit dem der Hausbesitzer wiederum Wärme für die Heizung und fürs Warmwasser erhalte. Timo Seitz nennt ein Beispiel: Eine vierköpfige Familie mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden könne jährlich rund 6800 Kilowattstunden Strom erzeugen und dadurch 3,6 Tonnen CO2 einsparen, wenn die Fotovoltaikfläche etwa 32 Quadratmeter umfasse. Je weniger Fläche auf dem Dach, desto weniger Sonnenenergie. Für die Anlage müssen Hausbesitzer mit Anschaffungskosten von 15 000 bis 25 000 Euro rechnen.

Die Voraussetzungen: Die Dachfläche muss groß genug sein. Je weniger Schatten, desto besser das Ergebnis. „Erker und Gauben sind eher hinderlich“, erläutert Timo Seitz. Aber auch da gebe es Möglichkeiten, mit speziellen Modulen zu arbeiten. 30 Prozent Dachneigung seien optimal für Fotovoltaik, am besten in Süd- oder auch Ost-West-Ausrichtung des Daches. All dies müsse sich ein Fachmann beim Vor-Ort-Termin anschauen. Ein Statiker sei in Ausnahmefällen nötig, beispielsweise bei ganz alten Häusern oder bei Lagerhallen von Firmen. Herkömmliche Einfamilien- oder Mehrfamilienhäuser seien in der Regel gut für die Montage geeignet.

Der Stromspeicher: „Den höchsten Heizbedarf haben die meisten im Winter, wenn nichts vom Dach kommt“, erklärt Timo Seitz. Strom benötigten zudem viele morgens und abends, wenn die Sonne nicht scheint. Deshalb baue er in neun von zehn Fällen zur Fotovoltaikanlage auf dem Dach einen Stromspeicher in den Keller. Dieser ist in etwa so groß wie ein Kühlschrank und kostet rund 1000 bis 2000 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität obendrauf. Damit ließen sich 60 bis 80 Prozent Unabhängigkeit vom Stromnetz erreichen.

Diese Lösung sei durch die Erhöhung des Eigenverbrauchs finanziell attraktiv, da man sich den Bezug bei ständig steigenden Strompreisen spart, erläutert Seitz. Der Rest des Sonnenstroms werde ins Stromnetz eingespeist und aktuell etwas zu einem Viertel des Strompreises vergütet.

Die Montage: Wenn sich die Hausbesitzer nach dem Vor-Ort-Termin für eine Anlage entscheiden, dauere es zurzeit etwa zwölf Wochen bis zur Lieferung der Fotovoltaikmodule. Diese kommen aufs Dach. Die Kabel werden entweder entlang der Dachrinne außen verlegt oder im Haus, wenn bereits Leerrohre verlegt worden sind. Im Keller geht's mit der Technik weiter: Zählerkasten, Stromspeicher und Heizung müssen gekoppelt werden. Wer fürs E-Auto eine Wallbox, beispielsweise in der Garage, benötige, müsse auch dort hin ein Kabel verlegen, weiß der Experte.

Dann heißt es: Hoffen auf viel Sonnenschein. „Wir in Baden-Württemberg haben eine relativ starke Einstrahlung“, erklärt Energieexperte Timo Seitz. Außerdem sei die Technologie ziemlich gut. Das diffuse Licht, auch ohne direkten Sonnenschein, reiche und liefere hierzulande rund 50 Prozent der Sonnenenergie.

Ziel ist es, 60 bis 80 Prozent des erzeugten Stroms für den Eigenbedarf zu verwenden.“

Timo Seitz, Energieexperte und Fachberater
  • Solaranlage ist nicht gleich Solaranlage
  • Thermische Solaranlagen liefern Energie in Form von Wärme. Sie werden für die Warmwasseraufbereitung und die Erwärmung der Wohnräume genutzt. Eine Solarthermie besteht aus einem Kollektor, der die Sonnenenergie in Wärmeenergie umwandelt, einem Solarkreislauf mit Solarflüssigkeit für den Transport und einem Speicher. Die Kollektoren haben Rohre für den Transport der Solarflüssigkeit.
  • Photovoltaikanlagen bestehen aus Solarmodulen und wandeln Sonnenenergie in elektrische Energie um. Diese wird vor allem für den Eigenbedarf produziert, kann gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die Module bestehen aus Halbleitern in quadratischer Form.

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