Entlasten, beruhigen und trösten auf dem letzten Weg

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Welche Aufgaben ehrenamtliche Sterbebegleiter des Hospizdienstes übernehmen.

Schwäbisch Gmünd. Da sein, entlasten, beruhigen: Ehrenamtliche Sterbebegleiter können eine wichtige Stütze für Angehörige und für Sterbende sein. Im Gmünder Kloster der Franziskanerinnen entsteht ein stationäres Hospiz mit Platz für acht Gäste, die dort ihre letzten Lebenstage verbringen können. Ein professionelles Team und Ehrenamtliche umsorgen sie dort. Die Gmünder Tagespost unterstützt das Klosterhospiz mit ihrer aktuellen Weihnachtsaktion. Um Sterbende zuhause kümmern sich unter anderem ehrenamtliche Helfer der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Hospiz – Spenden der GT-Weihnachtsaktion 2015 flossen in deren Arbeit. Von den Aufgaben und Schwierigkeiten der Ehrenamtlichen erzählt der stellvertretende Vorsitzende Dr. Friedrich Wallbrecht.

Wie sieht die Arbeit des Hospizdienstes aus?

Dr. Friedrich Wallbrecht: Unser ambulanter Hospizdienst bietet Begleitung an für Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige. Diese Begleitung umfasst Gespräche und Sitzwachen. Die Ehrenamtlichen beten, erzählen und singen Lieder, wenn das die Sterbenden wünschen. Unsere Ehrenamtlichen sind in anteilnehmenden und bestärkenden Gesprächen geschult, nicht aber in Pflegemaßnahmen. Wir werden als Unterstützung der pflegenden Angehörigen zu Hause und von Personal in Kliniken und Heimen angefragt. Da können wir durch begleitendes Dasein entlasten, beruhigen und trösten.

Welche Rückmeldungen bekommen die Ehrenamtlichen?

Rückmeldungen von Patienten bemerken wir in deren Befindlichkeit. Gespräche sind in den letzten Tagen und Stunden kaum noch möglich. Angehörige sind fast immer ausdrücklich dankbar und anerkennend. Freilich haben wir mitunter die Krise, dass Angehörige sich noch nicht so auf das "Sterben" einlassen können. Das ist weithin ein schmerzlicher, widersprüchlicher Lernprozess bei den Sterbenden selbst und deren Angehörigen. Auf diese Stimmungen sind unsere Ehrenamtlichen eingestellt und versuchen, hilfreich einzuwirken.

Wie viele Ehrenamtliche machen mit? Sind es genügend?

Wir haben ungefähr 50 Ehrenamtliche. Das klingt viel, ist aber zu wenig. Mehrheitlich können die Ehrenamtlichen derzeit keine Begleitungen übernehmen. Beruflich und familiär sind Nachteinsätze schwierig mit dem übrigen Leben zu vereinbaren. Ältere wiederum sind gerade unter den Corona-Bedingungen zurückhaltend. Wirklich aktiv und belastbar sind derzeit ungefähr 15 Begleiter. Das ist bei den Anfragen und Anforderungen schmerzlich zu wenig. Es macht unzufrieden, wenn Angehörige uns anfragen und wir nur unzureichend helfen können.

Bieten Sie Kurse für Ehrenamtliche an?

Wir bieten im Frühjahr 2021 wieder einen Qualifizierungskurs für Sterbebegleitung an. Das machen wir ungefähr alle zwei Jahre – diesmal auch für die Hospizgruppen in Lorch und Heubach.

Wer ruft beim Hospizdienst an?

Es sind Angehörige, die bei uns nachfragen. Aber auch Mitarbeiter der speziellen ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) und der Pflegeleitung der Palliativstation im Mutlanger Stauferklinikum. Wir haben auch Partnerschaften mit Pflegeheimen, die unsere Hilfe anfordern.

Empfinden die Helfer die Arbeit als sehr belastend?

Wer sich aktiv in der Sterbebegleitung einsetzt, ist auf die besondere Situation eingestellt. Den Dienst empfinden die Begleiter nicht als sehr belastend. Freilich sind entlastende Gespräche der Mitarbeiter mit unseren Koordinatorinnen, in kleinen Gesprächsgruppen und in professionellen Supervisionsgruppen im Angebot.

Was können sie für sich aus der Arbeit mitnehmen?

Ehrenamtliche machen deutlich, dass Sterbebegleitung für ihre eigene Lebenshaltung hilfreich ist. Sie gehen mit sich und ihrem Umkreis aufmerksamer, empfindsamer, verständnisvoller und zeitbewusster um.

Finden Sie die Einrichtung des stationären Hospizes sinnvoll?

Die Einrichtung des stationären Kloster-Hospizes begrüßen wir sehr. Bisher waren die stationären Hospize in Farndau, Ellwangen und Ebnat die Perspektiven für besondere Fürsorge. Angehörigen aus und um Gmünd sind die Entfernungen für tägliche oder häufige Besuche beschwerlich weit. Das wird sich nun in Gmünd ändern. Mit den acht Plätzen ist klar, dass auch weiterhin die meisten Sterbenden zu Hause, in Kliniken oder Pflegeheimen liegen. Da bleibt für unseren ambulanten Hospizdienst mehr als genug zu tun. Im Umfeld von Ellwangen und Aalen/Ebnat ist das genauso.

Spenden fürs Klosterhospiz gehen auf das Konto IBAN DE94 6145 0050 1001 1333 53 bei der Kreissparkasse Ostalb.

Friedrich Wallbrecht.

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