Entspannen mit der Familie, im Wohnmobil oder im Stall

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Marc Gelli Praktikant Sterntaler Kindergarten
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Wo Menschen aus der Region an den Feiertagen persönliche Orte der Ruhe finden, um Abstand zum oftmals lauten und hektischen Alltag zu gewinnen.

Schwäbisch Gmünd

Marc Gelli kennt den Unterschied zwischen wildem Freudengeschrei und wütendem Gemecker gut. Er arbeitet im Bettringer Kindergarten „Sterntaler“. Bei Sandra Baumgart klingelt's und klopft es ständig. Sie hängt als Chefarzt-Sekretariat des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Holger Hebart der Kliniken Ostalb quasi ständig am Telefon. Ein Job, für den man geboren sein muss, wie sie selbst sagt. Und dann ist da noch Heubachs Brauerei-Geschäftsführer Thomas Mayer, der zwischen Büro, Abfüllanlage, Logistikhalle und Fassanstich pendelt und trotzdem gute Laune behält. Was die drei verbindet? Lärm, Stress und Hektik im Alltag und den Versuch, an Ostern einen für sie passenden Ort der Ruhe oder des Ausgleichs zu finden.

Natürlich sei es manchmal anstrengend, wenn fünf Kinder gleichzeitig schreien und völlig unterschiedliche Dinge verlangen. Aber: „Die Ohren dröhnen nicht“, sagt Marc Gelli, der sein Anerkennungspraktikum im „Sterntaler“ absolviert, einem Kindergarten für geistig behinderte Kinder. „Einen besseren Beruf kann ich mir nicht vorstellen“, sagt der 23-Jährige, der beruflich schon viele pädagogische Einrichtungen kennen gelernt hat und an der Sonderpädagogik die besondere Nähe zu den Kindern und deren individuelle Förderung schätzt. Die Wertschätzung und die Dankbarkeit der Kinder und Eltern – das seien seine Kraftquellen. An Ostern braucht er keinen speziellen Ort der Ruhe. Er verbringt die Feiertage mit seiner Freundin und der Familie – klassisch mit leckerem Essen und Eiersuche.

Sandra Baumgart fährt mit ihrem Mann über Ostern mit dem Wohnmobil weg. „Vermutlich an den Bodensee, Friedrichshafen ist meine Heimat“, sagt die Chefsekretärin. Sie koordiniert sämtliche Termine des Ärztlichen Direktors der drei Klinik-Standorte in Mutlangen, Aalen und Ellwangen, plant Zoom-Konferenzen, nimmt Anfragen für Vorträge entgegen, vereinbart Treffen. „Wenn ich nicht am Telefon bin, renne ich durchs Haus“, sagt sie lachend. Etwas in Ruhe und ohne Unterbrechung fertig machen – das gehe bei ihrem Job nicht, den sie seit 18 Jahren ausübt. Ausgleich und Orte der Ruhe sind Sandra Baumgart deshalb wichtig. Im Klinikalltag ist dies für sie die Pause im Garten des Stauferklinikums. In ihrer Freizeit sind es die beiden Pferde. Wenn sie im Stall ankommt, entspanne sie sich sofort. Außerdem ist Sandra Baumgart sportlich unterwegs: Seit 25 Jahren hält sie Fitnesskurse beim TSV Alfdorf ab. Ein Ort der Ruhe, ohne wirkliche Ruhe, aber „ein super Ausgleich“. Und eine Möglichkeit, Abstand zum Beruf zu gewinnen, der ihr viel Freude bereite, in dem sie aber auch traurige Schicksale erlebe, die sie oft mit heim nehme.

So richtig ruhig geht's bei Thomas Mayer an Ostern auch nicht zu. „Wir verbringen die Feiertage mit viel Familie“, sagt der Geschäftsführer der Hirschbrauerei. Dies empfinde er aber nicht als Lärm, sondern als Ausgleich zum Alltag. Auch da lässt sich Mayer nicht aus der Ruhe bringen. Festzelt-Stimmung, Abfüllanlagen oder Lärm in der Logistikhalle: „Man sollte nichts übertreiben, dann ist es keine Belastung.“ Er sei ja auch nicht pausenlos in Festzelten unterwegs. In der Hochsaison verbinde er diese Termine oft mit einem Familienausflug mit Wanderung. „Für uns alle gehört das schon immer dazu.“ In den lauten Bereichen des Unternehmens, beispielsweise in der Flaschenabfüllung, müssten die Mitarbeiter einen Gehörschutz tragen. Im Laufe der Jahre sei die Lärmbelastung dort reduziert worden – durch intelligente Bändersteuerungen, Schallschutz und moderne Maschinen. Was ihn mehr belaste als der manchmal laute Alltag, seien die Bilder des „furchtbaren Ukraine-Konfliktes“. Eigentlich habe man sich nach der langen Coronapause auf einen unbeschwerten Sommer gefreut. „Fraglich für uns ist es, ob die Leute angesichts der schrecklichen Bilder im Fernsehen und der drohenden Energiekrise gewillt sind, Geld für Veranstaltungen und Freizeitvergnügen auszugeben.“ Andererseits wollten die Menschen endlich ein Stück Freiheit und Normalität erleben. Deshalb freue er sich auf ein wenig Trubel.

Meine Kraftquelle ist die Dankbarkeit der Kinder und Eltern.“

Marc Gelli, Kindergarten „Sterntaler“

Orte der Ruhe an Ostern - Tipps aus der Redaktion

1. Museum im Prediger in Gmünd
2. Schillergrotte Lorch
3. Hafental bei Vordersteinenberg
4. Bank beim Damwild in der Verlängerung des Waldstetter Strängenwegs
5. die Höhle Haus auf dem Rosenstein
6. die Kitzing-Kapelle bei Bartholomä
7. die Lourdes-Grotte zwischen Iggingen und Böbingen

Thomas Mayer
Sandra Baumgart

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