Erinnerung an den Creizwirt

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Museumsleiter Dr. Max Tillmann mit historischen Grabsteinen, die noch im Magazin gelagert sind.

Kunstwerke im Kreuzgang sollen den Museumscharakter des Predigers weiter in den Mittelpunkt rücken. Mittelalterliche Grabsteine im Blick.

Schwäbisch Gmünd

Weiter entwickeln "mit wenig Geld und viel Fantasie". Das strebt Oberbürgermeister Richard Arnold mit dem Prediger an. Ein erster kleiner Schritt zeichnet sich ab: Im Mittelpunkt steht zunächst der Kreuzgang, repräsentativer Zugang zu allen Räumlichkeiten im Kulturhaus. Der hat es auch dem neuen Museumsleiter Dr. Max Tillmann angetan: "Was für eine Qualität in Architektur und Dekor", sagt er zu diesem Umlauf im ehemaligen Dominikanerkloster.

Gewölbe, Rundbögen und spätbarocker Stuck sollen nun mehr zur Geltung kommen. Durch eine bessere Nutzung sollten Besucher von vornherein den Museumscharakter des Hauses erleben können. "So können wir eine einmalige Verbindung schaffen vom Museumsshop im Eingang durch den Kreuzgang zur Galerie und zum Labor im Chor, außerdem zu den Ausstellungsräumen in den oberen Etagen. Weil sich der Kreuzgang nicht extra sichern lässt, braucht es besondere Ideen. Dr. Max Tillmann denkt daran, dort historische Grabsteine anzubringen, die seit vielen Jahren im Magazin des Museums aufbewahrt werden.

Es sind vor allem mittelalterliche Steine vielleicht bekannter Gmünder, die rund ums Münster bestattet wurden. Nachdem 1804 alle innerstädtischen Friedhöfe aufgegeben wurden, mussten die Grabsteine weichen. Die meisten wurden vermutlich umgearbeitet und später wiederverwendet. Besondere Grabsteine blieben erhalten und kamen irgendwann in die Sammlung des 1876 gegründeten Museums der Stadt Schwäbisch Gmünd

Für Dr. Max Tillmann unterstreicht eine Aufwertung des Kreuzgangs auch die Bedeutung der gesellschaftlichen Räume im Prediger, allen voran der Festsaal. Der sei für Schwäbisch Gmünd wichtig, aber auch fürs Museum unverzichtbar. Nun sollen die historischen Steine nicht einfach an die Wände des Kreuzgangs gehängt werden. Vor allem die Ausleuchtung müsse stimmen, um der Bedeutung gerecht zu werden. Dann müssen die Grabsteine gereinigt und für eine Präsentation aufbereitet werden.

Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1360 und wurde für die Familie Rinderbach geschaffen. Besonders aufwendig gestaltet ist ein barockes Monument für die Familie Klopfer. Der 150 mal 88 Zentimeter große Stein mit einem detailreichen Relief trägt die Inschrift: "Anno 1662 den 13. Oktober starb der ehrenfest und vorgeachte Herr Johann Klopfer. Creizwirt allhie gewesen seines Alters 59 Jahre. – Anno 1667 den 16. Februar starb die ehrn- und tugendsame Frau Maria."

Es handelt sich um ein gezeichnetes Inventar.

Dr. Max Tillmann, Museumsleiter

Bedeutendes Gemälde

Der jüngste Grabstein dieser Sammlung stammt von der Familie Jeichner aus dem Jahr 1793. "An diese vorbildliche Präsentation der Epitaphien wollen wir bei der Weiterentwicklung des Prediger-Kreuzgangs anknüpfen", sagt Dr. Max Tillmann. Fürs Museum sind nicht allein die Steine von Bedeutung, sondern auch das wohl von Kustos Gustav Keck zwischen 1910 und 1920 angefertigte Inventar. "Es handelt sich um ein gezeichnetes Inventar und damit um ein seltenes historisches Dokument für die Identifizierung und Recherche von Objekten", so Tillmann. Er möchte auch die Prediger-Geschichte weiter erforschen.

Aktuell wird ein historisches Altarbild restauriert, auf dem Maria Magdalena zu sehen ist. Die Arbeit des Gmünder Barockmalers Johann Christoph Katzenstein d. Ä. von 1680 wurde im frühen 20. Jahrhundert von St. Cyriakus ans Museum übergeben. Dort passt das Werk nach Worten Max Tillmanns besonders gut hin: Die Klosterkirche der Dominikaner war nämlich Maria Magdalena gewidmet. Ob das Gemälde tatsächlich zur verlorenen Ausstattung des Predigers gehört, möchte Tillmann noch herausfinden.

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