Erst „linker Spinner“, jetzt Landrat

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Landrat Joachim Bläse spricht am Parler u.a. über sich, seinen Beruf und den Wert einer Demokratie.

Landrat Joachim Bläse besucht die Kursstufe am Parler. Er spricht über seine eigene Motivation in der Schule, seine Aufgaben und was seine Eltern von ihren Nachbarn zu hören bekommt.

Schwäbisch Gmünd

Auf Einladung von Anke Leins-Keck und Franz Merkle hat sich Landrat Joachim Bläse, den Fragen der Stufe 11 des Parlers gestellt. Bläse war – es ist schon etwas her – selber Schüler und Schülersprecher am Parler-Gymnasium. „Ich war aber kein besonders guter Schüler“ spendete er manchem Anwesenden Trost. Bei den Mädchen sei das anders, „die sind den Jungs oft leistungsmäßig überlegen“ - wobei sie nachher weniger als die Jungs Spitzen- und Leitungsfunktionen in vielen gesellschaftlichen Bereichen innehätten. Er habe keine Preise oder Belobigungen erhalten, „wohl aber eine Urkunde, in der ich für meinen Einsatz als Schülersprecher gelobt wurde.“

Sein Tag beginne kurz nach 7 Uhr mit der Fahrt ins Landratsamt. Der Tag ende, je nach Terminen, zwischen 21 und 22 Uhr, manchmal später. Als Landrat habe er von der Landesregierung klare Aufgaben zugewiesen bekommen und übe die Dienstaufsicht über alle Gemeinden aus, die im drittgrößten Landkreis Baden-Württembergs keine Städte sind.

Täglich gebe es neue Herausforderungen. Und: „Wenn ich was mache, dann 100-prozentig.“ Motto für ihn und den Ostalbkreis sei „vielseitig, schwäbisch-patent“. Er sei bei der CDU, aber nicht als CDU-Youngster zur Welt gekommen. Er habe in Mutlangen demonstriert und sein Vater habe ihn öfters gemahnt, mit seinen „linken Spinnereien“ aufzuhören. Erst später habe sich gezeigt, dass er mit der CDU die meisten Berührungspunkte habe. Interesse an der Politik zu haben, sei wichtig, egal welcher Partei man dann - im demokratischen Spektrum – zuneige oder angehöre.

Dass es möglich war, Landrat in einem Kreis zu werden, in dem immer eine gewisse Rivalität zwischen Aalen und Gmünd herrschte, habe ihn – und andere – positiv überrascht. Als Landrat sei er jetzt für die Interessen des gesamten Ostalbkreises, einer vielgestaltigen Landschaft (in Zusammensetzung, Wirtschaft und Geschichte) zuständig.

Wofür er stehe und was er ausbauen möchte, das sei die Digitalisierung, die Klimafrage, die CO2-Reduktion, der Umweltschutz, die Energieversorgung und der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Wohnungsfrage, die Bereitstellung von Gewerbeflächen und ein gerechter Flächenausgleich für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte.

Auf die Frage, ob seine Familie oder sein Alltag durch seine Funktion beeinträchtigt werde, sagte er: Zu Coronazeiten hätten Querdenker vor seinem Haus demonstriert, hätten ihn und seine Familie unter Druck gesetzt, nach dem Motto: Bläse, wir wissen wo du wohnst. Oder wenn Nachbarn seine Eltern ansprechen: „Was macht denn euer Junger bei der Krankenhausplanung?“

„Wer gewählt ist, muss den Mut haben, sich zu wehren und er muss gestalten. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Bei Straftatbeständen ist in einer Demokratie aber die Grenze erreicht“, sagt Bläse. Ein Problem sei das mitmenschliche Miteinander. Wir machen alle Fehler. Das müssen wir auch eingestehen, müssen um Verzeihung bitten.“

Auch schlecht: die Schuld auf andere schieben, als Vorgesetzter sich nicht vor seine Mitarbeiter stellen und sie „im Regen“ stehen lassen.

Merkle zitierte zum Schluss den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: „Alles wirklich wahre Leben ist Begegnung.“ Und diese Stunde war Begegnung, war wahres Leben – Bläse verlies am Parler sehr interessierte junge Menschen.

Landrat Joachim Bläse spricht am Parler u.a. über sich, seinen Beruf und den Wert einer Demokratie.

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