Erstes Urlaubsdomizil für viele Kinder

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Die ersten "Bewohner" des Ziegerhofs im Eröffnungssommer 1970 waren ganz offensichtlich begeistert von dem Angebot der Stadtranderholung.
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Aus dem GT-Fotoarchiv (2): Vor 50 Jahren bezogen die ersten jungen Gmünder den Ziegerhof für die Stadtranderholung.

Schwäbisch Gmünd

Münster- und St.-Franziskus-Pfarrei bauten ein Paradies für Kinder. Das meldet die Gmünder Tagespost im Juli 1970. Und ausgerechnet genau 50 Jahre später können die Jubiläums-Freizeiten wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Umso mehr Gründe für einen Blick zurück.

Sorgen über die Finanzierung

Ganz neu war das Thema "Stadtranderholung" schon damals nicht, bereits seit Mitte der 1950er-Jahre hatten die beiden Kirchengemeinden entsprechende Angebote gemacht – allerdings jeweils für sich und jedes Mal auf der Suche nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten. So entstand in katholischen Gemeinden der Plan, eine eigene kleine Feriensiedlung zu bauen. Der geeignete Platz gehörte der Kirche bereits: das Gelände beim Ziegerhof am Rand des Katharinenwaldes.

Dabei hatten die "Bauherren", Dekan Alfred Breitenbach von St. Franziskus und Münsterpfarrer Franz Lenk, durchaus Sorgen mit der Finanzierung. Schließlich waren 230 000 Mark für den Bau der acht Holzhäuser veranschlagt, die Einrichtung noch nicht berücksichtigt. Die Geistlichen setzten auf Zuschüsse von verschiedenen Seiten – dem Landesjugendplan und der Stadt – und auf Spenden der Gläubigen. In den Sonntagen vor der Eröffnung wurde um ein Scherflein für das Großprojekt gebeten. Im Gottvertrauen auf das Gelingen wurden im Mai 1970 die Fundamente gesetzt, schon zwei Monate später waren die in Fertigbauweise erstellten Gebäude fertig.

60 Mark kostete in dieser ersten Saison der dreiwöchige Aufenthalt pro Kind, Busfahrten und Mahlzeiten inklusive. Für bedürftige Familien waren Nachlässe möglich. Das Angebot der Kirchengemeinden zog: Bereits zwei Tage nach Ausschreibung war die erste Freizeit für insgesamt 240 Kinder ausgebucht, die Nachfrage war größer als die Zahl der Plätze.. Acht Betreuer erwarteten die Teilnehmer – damals wie heute ehrenamtliche.

Seit damals sind die Gemeinden Peter und Paul, St. Michael, St. Maria und St. Michael als Nutzer dazugekommen. Die Holzhäuser der Anfangszeit wurden 2004 durch einen modernen Gebäudekomplex ersetzt. Seit damals sind die Sommerferien in drei zweiwöchige Abschnitte unterteilt, die jeweils von St. Franziskus, Heilig Kreuz Münster und St. Maria geleitet werden. Die Verantwortlichen der drei Kirchengemeinden setzen nun auf gelungene Freizeiten 2021.

Doch die Katholiken hatten kein Monopol auf Stadtranderholung in Gmünd. Schon länger als der Ziegerhof existierte das evangelische Ferienwaldheim am Hardt. Just 1970, als die Ziegerhof-Anlage gebaut wurde, weihte der evangelische Dekan Müllerschön dort eine neue Liegehalle ein.

Acht Holzhäuser wurden am Rand des Katharinenwalds in Fertigbauweise erstellt: der Ziegerhof.
Während der Bauarbeiten: Ein Blick in das, was mal der Speisesaal der Anlage wurde.
Der Standort auf der Höhe eröffnete den Blick auf den Rechberg statt auf Rimini.

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