Etwa 30 Bürger wollen Redner der AfD-Kundgebung hören

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Mehr als 50 Gmünder demonstrieren gegen die AfD-Sommeroffensive auf dem Johannisplatz.

Schwäbisch Gmünd

AfD-Sommeroffensive und Kundgebung auf dem Johannisplatz: Etwa 30 Personen wollten die Redner der Alternative für Deutschland AfD hören, gut 50 Bürger demonstrierten gegen die Veranstaltung am späten Freitagnachmittag. Gmünds Polizei war, wie Einsatzleiter Jürgen Vetter sagte, mit "ausreichend" Leuten vertreten, darunter ein Antikonfliktteam, "eigens geschult, um zwischen Parteien zu vermitteln" und "frühzeitig Konfrontationen zu entschärfen", wie Vetter erläuterte.

"Grundrechte, Sicherheit und Arbeitsplätze – Wir wollen unser Schwäbisch Gmünd zurück", dies war der Titel der Veranstaltung. Die AfD bediente ihre Anhänger mit Kritik an der Politik von Grün-Schwarz in Stuttgart, von Schwarz-Rot in Berlin. Landtagskandidat Ruben Rupp gibt der Bundesregierung die Mitschuld an der Entwicklung der Corona-Krise. Sie habe es versäumt, rechtzeitig die Grenzen zu schließen. Inzwischen würden Corona-Kritiker diskriminiert, als Verschwörungstheoretiker hingestellt. Unterstützt werde das von den öffentlich-rechtlichen Medien. Für seine Forderung, die "GEZ-Abzocke" zu beenden, erhielt Rupp zaghaften Beifall der Besucher innerhalb der Absperrgitter. Er sprach von Doppelmoral, weil für Rentner, Bildung und Polizei kein Geld da sei, bemängelte das Gesundheitssystem im Land. Auf der anderen Seite gebe es genug Mittel etwa beim Thema Migration. Das Verhalten von Oberbürgermeister Richard Arnold nannte er einen "schlechten Witz". Der habe ein Schlepperboot an der Rems aufgestellt, fordere in einem Brandbrief an die Regierung den Dienst für junge Leute. Die Krawalle von Stuttgart spielen immer wieder eine Rolle, auch bei den nachfolgenden Rednern Dr. Rainer Podeswa, finanzpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, und Martin Hess, stellvertretender Landesvorsitzender. Martin Hess, der für die AfD in Anspruch nimmt, die wahre Demokratie und Meinungsvielfalt zu vertreten, kritisierte die Gegendemonstranten an diesem Freitagnachmittag. Sie wollten mit ihrem Auftritt einschüchtern. Dabei lauere die wirkliche Gefahr im islamistischen Terrorismus. Er habe sich bei Polizeieinsatzleiter Jürgen Vetter beschwert, "dass wir mit Ausdrücken wie Faschistenpack beleidigt werden", sagte Rupp. Das Antikonfliktteam sei bereits präsent und achte darauf, dass "keine strafbare Beleidigung" erfolgt, sagte dazu Vetter.

"Rassismus ist keine Alternative" oder "Rechten Terror stoppen" – mit solchen Transparenten waren mehr als 50 Bürger auf den Johannisplatz gekommen, um gegen die AfD zu demonstrieren. "Die Werte der AfD sind nicht die Werte einer demokratischen Republik", sagte SPD-Stadtrat Alessandro Lieb. Die AfD schaffe es nicht, "sich ganz von Rassismus und Antisemitismus abzugrenzen", sagte er. Deshalb sei er hier, um dagegen Flagge zu zeigen.

Weil ich gegen Rassismus bin.

Maria Kollmann, Demonstrantin

Er sei vermutlich anderer Meinung als die Redner der AfD, sagte Dr. Uwe Beck. Doch "ich bin keiner, der jemanden nicht reden lässt", kommentierte der SPD-Stadtrat Trillerpfeifen und Rufe. "Weil ich gegen Rassismus bin", sagte die Gmünderin Maria Kollmann, weshalb sie auf den Johannisplatz kam. Die AfD-Leute seien "alles andere als Demokraten". Ihr machte Hoffnung, dass "viele junge Menschen" gegen die AfD demonstrierten.

Er wolle ein Zeichen setzen für "Solidarität und Vielfalt", sagte Linke-Stadtrat Alexander Relea-Linder. Die AfD jedoch versuche, die Gesellschaft auseinander zu dividieren, auch mit Corona. "Wir hingegen wollen gemeinsam durch die Krise", sagte Relea-Linder. Die IG Metall Schwäbisch Gmünd sei Mitglied im Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus", deshalb sei er hier, sagte Peter Yay-Müller von der IG Metall. Die AfD sei eine "rechtspopulistische Organisation, die die Demokratie gefährdet", sagte Müller.

Die Veranstaltung lief ohne besondere Vorkommnisse ab, sagte Jürgen Vetter am Abend. Allerdings sei ein Teilnehmer der Kundgebung nach der Veranstaltung auf dem Marktplatz von zwei Personen mit den Füßen getreten worden.

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