Expertengespräch: „Man muss schon sehen, bei wem man da mitläuft“

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Expertengespräch mit Markus Grill (links) und Peter Schwarz.
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Expertengespräch mit den Journalisten Markus Grill und Peter Schwarz. Wie die Pandemie den Extremismus fördert.

Schwäbisch Gmünd

Die Pandemie ist noch nicht vom Tisch, auch wenn der Ukraine-Krieg die großen Schlagzeilen liefert. Immer noch sind viele Menschen verunsichert, immer noch spielen Querdenker und Spaziergänger eine Rolle. Für Viele Grund, sich zu informieren. Etwa beim Expertengespräch mit den Journalisten Markus Grill und Peter Schwarz im a.l.s.o.-Kulturcafé. Fundierten Aussagen folgte eine am Ende hitzig geführte Diskussion über die Frage, wie weit die Protestszene von extremistisch orientierten Gruppierungen beherrscht wird,  ob das Demos von „Bürgern aus der Mitte“ sein können.

Sorgen, dass  vor allem rechte Gruppierungen die Szene beeinflussen,  äußerte a.l.s.o.-Geschäftsführer Ali Nagelbach schon zu Beginn. Die Experten - Markus Grill  arbeitet  in der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Seit mehr als 15 Jahren berichtet er über Missstände im Gesundheitswesen. Peter Schwarz ist Redakteur beim Zeitungsverlag Waiblingen und begleitet Corona von statistischen Fragen bis zur Analyse der Protestbewegung – starten mit einer Rückblende. Nach ersten Corona-Fällen in China war „rasch klar, dass die Krankheit deutlich gefährlicher ist als Grippe“, so Peter Schwarz. „Am Anfang war die Unsicherheit“, sagt Markus Grill. So habe das RKI noch zu Beginn des ersten Lockdowns betont, Masken seien nicht hilfreich. Der Appell zum Abstand halten erinnerte an „ein Verhalten wie im Mittelalter“. Die AfD sei zunächst für eine härtere Gangart gegen die Pandemie gewesen. Als die etablierten Parteien das vorlebten, habe die AfD die Seite gewechselt, nun gegen die Einschränkungen im Alltag gewettert. Im Mai 2020 dann die ersten Querdenker-Proteste. Peter Schwarz hat sie auf dem Schorndorfer Marktplatz erlebt. „Das war weniger eine Demo, eher ein Spektakel mit viel Geschrei“, so Schwarz. Skurrile Szenen: Thomas Hornauer sei damals auf einem mobilen Thron aufgetaucht. Peter Schwarz wirkte mit Block und Stift in der Hand auf Passanten  als kompetenter Ansprechpartner. „Wer sind die Guten, wer sind die Bösen und für wen soll ich sein“, so hat mich ein Mitbürger angesprochen. In kurzer Zeit sei durch die auftretenden Personen klar geworden, dass sich hier Rechte und Reichsbürger treffen. „Da wurden Töne wie „wir leben in einer Diktatur“ angeschlagen. 

Sichtlich unwohl haben sich Bürgerinnen und Bürger oft am Rande der Demonstrationen gefühlt. Eine Diskussionsteilnehmerin aus Aalen  berichtet von Versuchen, sich in einer Gegendemonstration zu äußern. Aber man sei von den Querdenkern niedergeschrien worden. Inzwischen wisse man, wer sich unter die Querdenker gemischt hat. „Man muss schon sehen, bei wem man da mitläuft.“

Wie „Aufmärsche“

Ein Diskussionsteilnehmer verwahrte sich gegen Vorwürfe, sich von der rechten Szene vereinnahmen zu lassen und sieht in den Spaziergängen die bürgerliche Mitte  laufen. Ali Nagelbach kann das nicht nachvollziehen, sieht in den Demos schon eher „Aufmärsche“, an denen „nachweislich Rechtsextreme und NDP-Leute auftreten“. Das müsse einem schon klar sein, wenn man da mitgeht. 
Wie gefährlich ist die Szene aus Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern? „Ich bin da noch guter Dinge, wenn ich sehe, wo die Mehrheit der Gesellschaft steht“, sagt Peter Schwarz. Wenn er als Journalist erfahre, dass Menschen der Rettungsdienste nachts um vier bei einem Sturm rausgehen und Bäume von der Straße räumen, dass andere Menschen morgens zur Arbeit fahren können, wenn das alles ehrenamtlich passiert, „da habe ich ein gutes Gefühl“. Auch Markus Grill sieht zunächst keine übermäßige Gefahr durch die Protestszene. Die wirkliche Gefahr sieht er bei der nächsten Wahl des US-Präsidenten. Sollte Trump wieder ins Amt kommen und Europa im Stich lassen, könnte sich dieser Teil des Westens kaum alleine verteidigen.

Ich bin da noch guter Dinge, wenn ich sehe, wo die Mehrheit der Gesellschaft steht.“

Peter Schwarz,, Journalist

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