Fackelzug zu Ehren eines Heiligen

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Dekan Robert Klöker (am Altar) feiert gemeinsam mit vielen Gläubigen in St. Franziskus gleichzeitig Patrozinium und Transitus.

Die Todesnacht Franz von Assisis vom 3. auf den 4. Oktober ist auch für Gläubige in Schwäbisch Gmünd Anlass, den Heimgang des Heiligen nachzuvollziehen.

Schwäbisch Gmünd

Für die Franziskanerinnen ist der 3. Oktober ein besonderer Tag: Weltweit feiern sie dann den Vorabend des Todes des Heiligen Franziskus', Transitus genannt – so auch die Kirchengemeinde St. Franziskus, die Seelsorgeeinheit Schwäbisch Gmünd-Mitte und die Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen.

"Wir feiern heute gleichzeitig Patrozinium und Transitus von St. Franziskus", erläuterte Dekan und Münsterpfarrer Robert Kloker. Franziskus, der Lehrer des Glaubensgebetes "Vater unser". Statt einer biblischen Lesung blätterten in einem Wechselgespräch die Franziskanerinnen im Lebensbuch des Heiligen Franziskus. Mit prägnanten Szenen wurde Leben und Wirken des Heiligen in der St. Franziskuskirche lebendig.

Franziskus, Sohn aus reichem Haus, war wegen seines liebenswerten und fröhlichen Wesens sehr beliebt. Mit 21 Jahren nahm er am Krieg zwischen Assisi und Perugia teil und geriet in Gefangenschaft. Während einer Krankheit entschied er, dass er Ritter werden wollte, kehrte aber nach kurzer Zeit vom Weg nach Süditalien wieder zurück.

Er zog sich häufig zum Gebet zurück, um Gott nach seinem Willen zu fragen. In der kleinen verfallenen Kirche San Damiano erfuhr er seine Berufung: Christus wollte ihn in seinem ganz persönlichen Dienst. Franziskus' konsequente Entscheidung führte zum Bruch mit seinem Vater. Franziskus sagte, dass er nicht mehr "Vater Bernadone" sagen würde, sondern nur noch: "Vater unser im Himmel!"

Eine Kapuze voller Steine

Auf seinem Weg folgten Franziskus viele Brüder. Denen trug er auf, 60 Mal das Vaterunser am Tag zu sprechen und 24 Mal in der Nacht. Dekan Kloker wies darauf hin, dass die Gefolgschaft von Franziskus über diese Aufgabe sehr erschrak – und berichtete von einem weiteren Ereignis: Als Franziskus mit einem Bruder einen langen Weg machen musste, schlug der Bruder vor, für jedes gebetete Vaterunser einen Stein in die Kapuze seiner Kutte zu legen. Am Ende wog des Bruders' Kapuze schwer, Franziskus hatte nur einen Stein darin. Auf das Erstaunen des Begleiters antwortete Franziskus, er habe sich mit dem Wort "Vater" intensiv auseinandergesetzt. Nur darauf habe er sich konzentriert und hineinvertieft. Das sei es, worum es beim Beten gehe, nicht die Quantität der Gebete, sondern um die Versenkung darin. Dekan Kloker sprach einen neuen Text von Franziskus, in einem Archiv entdeckt vom Schweizer Kapuziner Niklaus Kuster, der von den 99 Namen Gottes der Muslime inspiriert ist.

Im Gottesdienst übernahmen zwei Kantoren der St. Michael-Chorknaben den Gesangspart, an der Orgel Kirchenmusikdirektor Stephan Beck. Nach der Eucharistiefeier zog die Gemeinde in einer Prozession zum Marktplatz. Vorweg das Damian-Kreuz, begleitet vom Schein zweier Fackeln, dann Priester und Ministrantin, das Evangelienbuch, ebenfalls von zwei Fackeln beleuchtet, die Franziskusstatue, die Schwestern des Franziskanerklosters und die Gemeinde.

Fürbitte, Segen und Gebete

Eine Abordnung der Stadtkapelle mit fünf Instrumentalisten und Leiter Dr. Andreas Kittel übernahm die musikalische Begleitung der Choräle vor dem Marienbrunnen. Hier lasen die Schwestern im Wechsel Texte zu Franziskus' Sterben: die letzte Segnung der Stadt Assisi und seiner Brüder, das Bringen von Brot und Evangelienbuch sowie zum Sterben des Heiligen, der nur 45 Jahre alt wurde. Fürbitte, Segen über Schwäbisch Gmünd, Gebete und der Aaronsegen führten zum Ende der eindrucksvollen Gedenkfeier für den Heiligen Franziskus.

Im Kloster der Franziskanerinnen, Bergstraße 20, werden ab sofort wieder sonntags jeweils um 9.30 Uhr Gottesdienste abgehalten.

Die Kirchengemeinde St. Franziskus, die Seelsorgeeinheit Gmünd-Mitte und die Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen feierte mit Musik und einer Prozession zum Gmünder Marktplatz das Andenken an Franz von Assisi.

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