Fässer mit giftigem Schlamm wurden „einfach so abgestellt“

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Es braucht ein Bewusstsein dafür, was da liegt, sagt ein Bürger über die Altdeponie im Laichle. Der GT berichtete der Mann, wie er vor Jahrzehnten als Ferienjobber mit Kollegen den Müll einer Firma dort entsorgte.
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Entsorgung vor 50 Jahren: Ein Gmünder erinnert sich, was er damals als Ferienjobber in der Deponie im Laichle abgeladen hat.

Schwäbisch Gmünd

In die Altmülldeponie im Laichle ist offensichtlich auch giftiger Müll gekippt worden: Ein Gmünder, mit dem die Gmünder Tagespost gesprochen hat, hat dort vor 50 Jahren als Ferienjobber mitgeholfen, Fässer mit Galvanikschlämmen abzuladen.

Markus Herrmann, der Pressesprecher der Stadt Gmünd, war damals noch im Kindesalter. Aber die Gmünder Verwaltung hat die Akten zur Deponie, die auf städtischem Gelände liegt. Müll getrennt wurde damals offensichtlich noch nicht: „An Müllarten war alles dabei“, sagt Herrmann. Das heißt also: Hausmüll, Erdaushub, Bauschutt, Gewerbe- und Sondermüll.

Ein Beispiel hat der Gmünder, der jetzt auf die 70 zugeht, selbst erlebt. Als Schüler hatte er für die Sommerferien einen Ferienjob gefunden bei einem Metallbetrieb in Gmünd, den es heute nicht mehr gibt. Metallwaren seien dort hergestellt worden, „manche Teile wurden auch verchromt oder vernickelt“, erinnert er sich.

Einen Arbeitstag hat er bis heute nicht vergessen. „Es war kurz vor dem Betriebsurlaub, und es mussten die Galvanikbäder gereinigt werden“, erzählt er. Zuerst wurde der Ferienjobber mit einer großen Gummischürze und langen Handschuhen ausgerüstet. „Dann musste ich den Schlamm rausschaufeln und in Fässer füllen.“ Als er fertig war, kamen die Fässer auf einen VW-Bus-Pritschenwagen, und der Jobber fuhr zusammen mit einem Arbeiter ins Laichle – zur Mülldeponie.

Dort sei dann nicht viel gesprochen worden. „Bei dem kleinen Häuschen, das am Eingang war, stand ein Mitarbeiter, der hat uns einen Platz angewiesen, wo wir abladen könnten. Das haben wir gemacht, in einer Ecke, wo schon anderer Müll war – und fertig.“

Ich hatte aber das Gefühl, die sind alle gottfroh gewesen, dass es weg war.“

Ein damaliger Ferienjobber, über Müllablagerung

Welche Stoffe genau in dem Schlamm waren, weiß der Rentner bis heute nicht. „Ich hatte aber das Gefühl, die sind alle gottfroh gewesen, dass es weg war, so ist es mir vorgekommen.“ Dafür erinnere er sich an den Dialog eines anderen Tags: „Einmal war von einer Chemikalie die Rede – es war Arsen oder Zyankali – da reiche nur ein Tropfen, um Trinkwasser zu vergiften.“

Dass die Deponie auch chemische Stoffe enthält, die nicht in die Natur gehören – das ist den Behörden schon lange bewusst. Denn die Altmülldeponie im Laichle, in der jetzt wieder Öl und Müll zutage getreten sind, hat eine lange Nachgeschichte. 1973 ist die Deponie geschlossen worden, doch schon in den 80er-Jahren kam Müll wieder an die Oberfläche.

Das lässt sich nachlesen, etwa in der Gmünder Tagespost vom 11. Februar 1988: Altreifen, Plastikteile, eine Öldose, eine Autobatterie, das hatte sich in kurzer Zeit einsammeln lassen auf dem ehemaligen Deponiegelände. Damals nahmen die Grünen-Lokalpolitiker Christine Lensch-Hoff und Rolf Walter das Gelände in Augenschein, sie sahen an einigen Stellen Sickerwasser, auf dem es in Regenbogenfarben schillerte.

Es hat sich im Grundsatz nichts geändert: Vor einigen Wochen erst haben die Stadt Gmünd und die Abfallgesellschaft GOA eine LKW-Ladung ölverschmutzter Erde abtransportieren lassen, weil sich ein öliger Film auf dem Wasser gezeigt hatte, das aus dem Boden tritt. Anfang dieser Woche hat Linke-Stadtrat Andreas Dionyssiotis am Fuße des Deponiegeländes Pfützen mit einer rötlich gefärbten Flüssigkeit entdeckt. Dionyssiotis hatte in diesem Jahr den schlechten Zustand der ehemaligen Deponie – mit viel Müll, der an die Oberfläche getreten ist – wieder ins Bewusstsein des Gemeinderats und der Stadtverwaltung gerückt.

In der Altdeponie wiederholt sich offenbar Geschichte. In den fast 50 Jahren seit der Schließung hat es eine Reihe von Gutachten gegeben, wie Jürgen Musch vom städtischen Tiefbauamt der GT im März bei einem Termin vor Ort berichtet hat.

Auch Andreas Dionyssiotis hat sich mit der Vergangenheit befasst, das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Immer wieder wurden von den Experten erhöhte Werte an Schadstoffen festgestellt, eine „akute Gefährdung“ aber nicht gesehen - die Weiterbeobachtung, auch einmal „mittelfristig“ eine Sanierung aber empfohlen. Aktuell ist wieder ein Gutachten in Arbeit: Jürgen Musch hat die GOA damit beauftragt.

Seine Geschichte hat er erzählt, so sagt der ehemalige Ferienjobber heute, weil er in der Tagespost gelesen hat, dass auf dem ehemaligen Deponiegelände wieder Müll an die Oberfläche getreten ist. „Ich denke, es muss ein Bewusstsein dafür geweckt werden, was da liegt. Und es ist mir wichtig, dass man genau hinschaut.“

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