Falscher Polizist vor Gericht

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19 000 Euro wollten Betrüger von einer 77-Jährigen aus Gmünd ergaunern – dazu erhielt sie nach der Festnahme des Angeklagten Drohanrufe.

Schwäbisch Gmünd

Immer wieder wird vor Betrügern gewarnt, die als vermeintliche Polizeibeamte ältere Menschen um ihr Erspartes bringen wollen. Eine 77-Jährige aus Gmünd, auf die es genau solche vermeintliche Polizisten abgesehen hatten, wurde misstrauisch – und brachte so einen 39-Jährigen aus Nürnberg auf die Anklagebank des Gmünder Schöffengerichts.

Im vergangenen Oktober erhielt die Frau eine Reihe von Anrufen zweier Männer, die sich als Beamte des Polizeipräsidiums Aalen ausgaben. "Sie sagten, dass ihr Name auf der Liste einer Betrügerbande steht", verliest Oberstaatsanwalt Peter Humburger in seiner Anklageschrift.

Zu ihrem eigenen Schutz sollte die Frau den angeblichen Polizisten Wertgegenstände und Bargeld aushändigen. Der Angeklagte wurde von den Anrufern als "Herr Müller" angemeldet, um die insgesamt 19 000 Euro abzuholen. Den Auftrag erhielt er von seinem in der Türkei lebenden Bruder.

Kurz vor der Geldübergabe wurde das Opfer misstrauisch und wandte sich an den Polizeiposten Bettringen. Die Übergabe wurde daraufhin von Kriminalbeamten aus Waiblingen überwacht – der 39-Jährige konnte festgenommen werden. Weil das Opfer nach der Übergabe einen Schwächeanfall erlitt, wurde der Mann zudem wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.

Schon vor der gerichtlichen Beweisaufnahme einigen sich die Verfahrensbeteiligten auf eine mögliche Verständigung. "Hierbei kommt eine Strafe im bewährungsfähigen Bereich in Betracht", erläutert die Vorsitzende Richterin Julia Ocker. Im Anschluss räumt der Angeklagte die Tat vollumfänglich ein, sodass auf die Zeugenaussage des Opfers verzichtet werden kann.

Von ursprünglich 13 geladenen Zeugen wird aufgrund der Verständigung nur der ermittelnde Kriminaloberkommissar angehört. "Wir haben die Frau für die Übergabe instruiert und ihr das Geld gegeben", erinnert er sich.

Nachdem sie infolge des Ereignisses bereits im Krankenhaus behandelt werden musste, habe der Telefonterror für sie kein Ende gehabt – kurz nach der Festnahme erhielt die Frau Drohanrufe und musste wegen eines weiteren Schwächeanfalls erneut ins Krankenhaus.

"Das hat bei ihr Spuren hinterlassen. Das waren menschenverachtende Aussagen", so der Polizeibeamte, "Ich werde Sie auf den Friedhof bringen und dort vergewaltigen", sei einer der Sätze gewesen, die gefallen sind. Von diesen Anrufen habe der Angeklagte, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft befand, laut eigener Aussage nichts gewusst.

Der Ermittler ist überzeugt, dass es sich bei den Tätern um eine organisierte Bande handelt. "Nur wenn man so eingespielt ist, funktioniert sowas." Er vermutet auch, dass der Angeklagte eine solche Tat nicht das erste Mal begangen hat. "Mach's wie immer", habe ihm sein Bruder geschrieben, nachdem er die Adresse der Frau an den 39-Jährigen geschickt hatte. Die in der Türkei sitzenden Drahtzieher konnten nicht ermittelt werden.

Was Straftaten angeht, ist der Mann kein unbeschriebenes Blatt: Fünf Einträge hat er im Bundeszentralregister, zuletzt wurde er 2010 wegen Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. "Es tut mir wahnsinnig leid", sagt er unter Tränen in seinem letzten Wort.

Letztendlich verurteilt das Gericht den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss zudem 5000 Euro an den Weißen Ring und 1000 Euro an die Geschädigte zahlen.

Die 77-Jährige sei vor allem psychisch nachhaltig geschädigt worden. "Der Angeklagte hat aber eine günstige Sozialprognose", sagt Richterin Ocker in ihrer Urteilsbegründung. Zudem sei es durch die Festnahme nur zu einem Betrugsversuch gekommen, was sich ebenfalls zugunsten des Mannes ausgewirkt habe.

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