Fehrle-Adler in der Bockgasse wird durch Infotafel erläutert

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Das Gebäude in der Bocksgasse 15 beherbergt heute einen Optiker. Über Jahrzehnte war dort das Gasthaus „Adler“. Aus dieser Zeit stammt der Adler über dem Eingang. Immer wieder war er in Gmünd Diskussionsthema. Nun soll er durch eine Infotafel erläutert werden.
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Die Stadt Gmünd setzt mit einem Text zum ehemaligen Gasthaus „Adler“ einen weiteren Akzent in der Erinnerungskultur.

Schwäbisch Gmünd

Noch im Jahr 2022 wird die Stadtverwaltung den hölzernen Adler am Gebäude in der Bocksgasse 15 mit einer Tafel erläutern. Dies sagte Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen auf GT-Anfrage. Den Text für die Tafel (lesen Sie dazu „Auszüge aus der Infotafel am Gebäude Bocksgasse 15“) hat Konzens Vorgänger Dr. David Schnur verfasst, er müsse noch ins Englische übersetzt werden. Auch mit dem heutigen Besitzer des Hauses Bocksgasse 15 hat Konzen gesprochen, dieser sei offen für das Anbringen der Infotafel, sagte Konzen.

Ein Grund für die Infotafel in der Bocksgasse 15 ist der Adler über dem Haupteingang. Wie das gesamte Gebäude steht die Skulptur des Gmünder Bildhauers Jakob Wilhelm Fehrle unter Denkmalschutz. Das Gasthaus „Adler“ hat die Brauerei Dinkelacker in den 30er-Jahren erworben. Im Jahr 1935 hat sie die Gaststätte grundlegend umgebaut. Dazu hat die Brauerei eine Broschüre erstellt, ein „kleines Büchlein“, das in „flüchtigen Strichen erzählen will, wie dem Gasthof zum alten Adler neue Flügel erwuchsen“. Der neue Adler wurde am 6. September 1935 geweiht. „Wir freuen uns über die einfache Linienführung der Fassade mit dem freundlichen Wappen der Brauerei, der Hauptinschrift und dem mächtigen Adler“, heißt es in der Broschüre. Neben dem Adler beschreibt die Broschüre sieben Holzfiguren an der Fassade: einen Dominikaner, der an das frühere Kloster auf der anderen Straßenseite erinnert, einen Stadtsoldaten, eine Gmünderin, einen Goldschmied, einen Jäger, eine „Bedienungsmaid“ und einen Koch.

1976 wurde das Gasthaus geschlossen, drei Jahre später verkaufte Dinkelacker das Gebäude. Von 1979 an gab es dort ein Schnellimbissrestaurant. Dessen Besitzer wollte, so beschrieb dies Theo Zanek in seinem Buch „Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit“, den Adler entfernen. Ohne Erfolg jedoch. Nun wird er sich einreihen in die Zahl der Gebäude, Skulpturen und Straßen, die in Schwäbisch Gmünd aufgrund ihrer Geschichte nicht einfach entfernt werden. Sondern deren Entstehen für nachfolgende Generationen durch eine Infotafel erläutert wird. Wie die Franz-Konrad-Straße auf dem Rehnenhof, der Hindenburgplatz in der Südstadt oder das „Kriegerdenkmal“ am Unteren Marktplatz.

Auszüge aus der Infotafel am Gebäude Bocksgasse 15

„Das Haus entstand 1392/93 durch die Zusammenlegung von zwei älteren Gebäuden und wurde jahrhundertelang als Wohnhaus genutzt. Um 1820 richtete Johannes Bauer hier eine Wirtschaft ein, die 1855 von Johannes Heinle übernommen wurde. Auf Heinle, der in den Quellen stets als Adlerwirt bezeichnet wird, geht auch die Namensgebung „Adler“ zurück. (...) Nachdem die Brauerei Dinkelacker das Gebäude erworben hatte, gab sie (...) einen grundlegenden Umbau in Auftrag, der 1935 verwirklicht wurde. 1976 wurde das Gasthaus geschlossen (...), drei Jahre später verkaufte die Brauerei Dinkelacker schließlich das Gebäude. Im Rahmen der Baumaßnahmen von 1935 schuf der Gmünder Bildhauer Jakob Wilhelm Fehrle (1884 - 1974) die verzierten Holzelemente zwischen den Fenstern (...) sowie den mächtigen Holzadler über dem Eingang (...). Der hölzerne Adler (...) ist als Hausmarke zeittypisch gestaltet und stilistisch dem nationalsozialistischen Reichsadler nachempfunden. (...)“

„Dem nationalsozialistischen Reichsadler nachempfunden“: der Adler von Jakob Wilhelm Fehrle in der Bocksgasse 15. Fotos: Tom

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