Fleißig, religiös, politisch engagiert – Margit Moser feiert 101. Geburtstag

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Auch an ihrem 101. Geburtstag zeigte sich Margit Moser sehr rührig und interessiert. Das freute auch Oberbürgermeister Richard Arnold. Rechts hinten Ignac Moser, links hinten Erich Kuhn. Foto: Tom
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Trotz Flucht und Denunziation blickt Margit Moser auf ein erfülltes Leben zurück. Zwei Söhne mit großen Verdiensten.

Schwäbisch Gmünd

Als Sonntagskind kam Margit Moser am 4. September 1921 in Vanyola, einem kleinen Dorf in Ungarn, zur Welt. Am Sonntag jährte sich der Geburtstag der freundlichen Dame zum 101. Mal. Ein guter Grund für Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold, persönlich seine Glückwünsche zu überbringen.

Das sie einmal so alt werden würde erstaunt die Jubilarin selbst, wie sie augenzwinkernd verrät. Margit war das zweite von sechs Geschwistern und zugleich die älteste Tochter der Familie Turi. Schon früh lernte die kleine Margit, was Arbeit bedeutet. Bereits als Dreijährige unterstützte sie ihre nicht mit Reichtümern gesegnete Familie in der Landwirtschaft. Dass der Vater sie zum Helfen auf den Acker schickte, wurde von einigen Dorfbewohnern zwar kritisch beäugt, aber die Familie musste ernährt werden.

Denunziert

Bereits als 13-jährige verließ sie den elterlichen Hof, um eine Stellung in einem Haushalt zu übernehmen. Dort traf Margit auf den feschen Ignac Moser, den sie als 24-jährige nach Kriegsende heiratete. Das junge Paar zog nach Sopron, die ehemalige Hauptstadt des Burgenlandes in Ungarn, hier kamen Sohn Ignac und Tochter Anna zur Welt. Margrit war Zeit ihres Lebens sehr religiös und politisch interessiert, in aller Heimlichkeit ließ sich die junge Frau von einer Ordensschwester Religionsunterricht geben, ein Umstand der den Kommunisten nicht gefiel, Margit wurde denunziert und verlor von einem Tag auf den anderen alle ehrenamtlichen Posten, darunter auch ihre Position im Elternbeirat. Ein Tag im Jahr 1956 änderte für die vierköpfige Familie das ganze Leben, das Land stand im Elend des ungarischen Volksaufstandes, Vater Ignac kehrte von seiner Arbeit als Seidenspinnermeister zurück und erklärte der über einen Bottich Wäsche gebeugten Margit, die Grenzen seien gerade offen, es sei jetzt die Gelegenheit, das Land zu verlassen.

In einer Nacht- und Nebelaktion, packten die Mosers ihre Kinder und nur wenige Habseligkeiten zusammen und flohen in Richtung Österreich und erreichten mit nahezu nichts in den Händen Schwäbisch Gmünd. Mit offenen Armen sei die Familie Moser damals von den Mitbürgern aufgenommen worden, erzählt Sohn Joschi.

Nichtstun war für Margit immer ein Graus, sie wollte stets auf eigenen Beinen stehen. Bereits ein Jahr nach der Ankunft in Gmünd konnte Margit eine Tätigkeit als Reinigungskraft in der Rauchbeinschule antreten und als „Nachzügler“ kam bald auch Sohn Joschi zur Welt. Ihre Tätigkeit als Reinigungskraft hat Margit nie verheimlicht, es sei eine ehrliche Arbeit für ehrliches Geld.

Merkel und Kretschmann

Margit war und ist immer noch politisch höchst interessiert und „ein Fan von Angela Merkel und Winfried Kretschmann“ bestätigt Joschi Moser. Ihr Wunsch, hilfsbereite und engagierte Kinder großzuziehen, hat sich erfüllt. Ignac erhielt das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement beim Deutschen Roten Kreuz genau wie Bruder Joschi, als Gründer der Gmünder AIDS-Hilfe. Die hohen Auszeichnungen ihrer Söhne nahm Margit mit ihrer eigenen Art zur Kenntnis: „Das ist recht“, nicht mehr und nicht weniger.

Bis vor neun Monaten lebte selbstständig in einer Seniorenwohnung, Sohn Joschi als Nachbar schaute regelmäßig mehrmals täglich nach seiner Mama. In dem Seniorenheim, in dem Margit jetzt lebt, wird sie sehr gut versorgt, gesundheitlich gehe es seiner Mutter sehr gut, freut sich Joschi.

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