Frau Lang, haben Sie als Bundesvorsitzende noch genug Zeit für Ihren Wahlkreis?

+
"Auch wenn ich in Berlin bin, habe ich den Wahlkreis noch im Kopf." Ricarda Lang im Gespräch mit GT-Redakteur Bernd Müller.

Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang zu Gast bei der Gmünder Tagespost: Ein GesprächüberSicherheit, die "Friedenspartei" Grüne - und ihre Präsenz ihrem Wahlkreis. Von Bernd Müller 

Schwäbisch Gmünd. Ein neuer Job als Bundesvorsitzende, Krieg in der Ukraine - und trotzdem noch für den Wahlkreis da sein? Das geht, versichert Ricarda Lang, die Grünen-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Schwäbisch Gmünd-Backnang. Bei ihrem ersten Besuch in Gmünd seit ihrer Wahl zu einer der beiden Partei-Vorsitzenden war Lang zu Gast bei der Gmünder Tagespost. Ein Gespräch in drei Schlagworten.

Sicherheit: Die alte, scheinbare Gewissheit, dass die Zeit der großen Kriege in Europa vorbei ist, sie ist auch für Ricarda Lang zerbrochen. "Es fühlt sich wie eine andere Welt an", sagt sie. Ihre Aufgabe als Politikerin sieht Lang jetzt gerade darin, der Ungewissheit etwas entgegenzusetzen: "Es ist wichtig, in der Zeit etwas Sicherheit zu geben." Indem man zeige, "dass wir zwar schockiert sind, aber nicht ohnmächtig und handlungsunfähig". Das ist Deutschland zusammen mit vielen Verbündeten gelungen, findet sie. Auch innenpolitisch ist Handeln angesagt, zum Beispiel mit der Reaktion auf steigende Gaspreise. "Wir haben vor einer Woche ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht", sagt Lang. Dadurch gebe man den Bürgerinnen und Bürgern auch Sicherheit, "wir zeigen, sie können sich auf uns verlassen". Es soll nicht der letzte Schritt gewesen sein: "Wenn sich die Situation weiter verschlimmert, werden wir über weitere Entlastungen reden müssen", betont sie.

Friedenspartei: "Wir stehen für Frieden, Abrüstung und kooperative Sicherheit." Diesen programmatischen Satz kann man bei den Grünen nachlesen. Und jetzt liefert Deutschland Waffen an die Ukraine. Wie geht das zusammen? Es ist das Richtige im Moment, findet Ricarda Lang. "In der jetzigen Situation können wir die Menschen dort nicht allein lassen." Ein Land, das angegriffen werde, habe das Recht, sich zu verteidigen. "Da heißt Solidarität für mich, es zu unterstützen, dieses Recht auszuüben." Beim Eingreifen in den Kosovo-Krieg sei die Partei sehr gespalten gewesen, aber das sei jetzt anders: "Der Kurs wird ganz breit mitgetragen", sagt Lang. "Wir sind eine Friedenspartei", aber das habe für sie nie die Ablehnung jedes militärischen Mittels bedeutet. "Es bedeutet den Vorrang für den diplomatischen Weg", und das habe die Bundesregierung in den vergangenen Wochen ausdauernd versucht. "Aber Wladimir Putin hat diese Tür zugeschlagen und sich für einen menschenverachtenden Angriffskrieg entschieden." Ihre Partei sei gezwungen gewesen, sich ein Stück weit neu zu orientieren, was Friedenspartei heiße. "Jetzt müssen alle bereit sein, Verantwortung wahrzunehmen, indem wir alte Gewissheiten hinterfragen und auch schmerzhafte Entscheidungen treffen." Denn: "Es geht nicht ums Recht haben, sondern darum, wie man Demokratie und Freiheit schützt."

Wahlkreis: Frau Lang, was sagen Sie Menschen von hier, die bezweifeln, dass Sie noch genug Zeit haben für Ihren Wahlkreis? Ganz einfach da sein so wie jetzt, das sei das Beste, was sie tun könne, um íhren Einsatz für den Wahlkreis unter Beweis zu stellen. Das will Lang regelmäßig tun: "Ziel ist es, mindestens alle zwei Monate, hoffentlich mehr hier zu sein." Und: "Auch wenn ich in Berlin bin, habe ich den Wahlkreis noch im Kopf." Vieles sei inzwischen auch digital möglich, etwa der  regelmäßige Austausch mit Landrat Joachim Bläse und Bürgermeister Richard Arnold. Der in Gmünd geplante Technologiepark sei natürlich ein Thema. "Wichtig ist, dass wir uns an die Spitze setzen, wenn es um neue Technologien wie Wasserstoff geht." Das könne sie auch von Berlin aus unterstützen. "Viele der Rahmenbedingungen werden nicht lokal geschaffen, sondern im Bund und Europa. Da kann ich eine starke Stimme sein im Wahlkreis." Gleichzeitig will sie auch den Kontakt mit den Menschen pflegen: "Es ist mir wichtig, mit Bürgerinnen und Bürgern Kontakt zu haben. Das macht Politik besser, wenn man nicht in einer Berliner Blase unterwegs ist, sondern weiß: Was treibt die Leute um?"

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare