„Frauen helfen Frauen“ steht vor dem Aus

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Der Gmünder Verein sucht dringend neue Vorstandsmitglieder. Ansonsten droht die Auflösung.

Schwäbisch Gmünd. Die Vorstandsmitglieder des Gmünder Vereins „Frauen helfen Frauen“ wollen ihr Amt nicht weiterführen. Im Prinzip ein völlig normaler Vorgang. Nur: „Es finden sich keine Nachfolger“, sagt Christel Michel. Zusammen mit Waltraud Walter, Eva Tschirren-Necker und Maria Wagner sitzt sie dem Verein seit 2018 vor.

Bei der Hauptversammlung am Dienstag gaben Tschirren-Necker und Wagner bekannt, nach knapp 20 Jahren ihr Amt aufgeben zu wollen. Michel und Walter sehen auch keine langfristige Perspektive mehr: „Wir sind 73 und 74 Jahre alt, da muss man sich schon hinterfragen“, sagt Michel. Nur eine Handvoll Mitglieder sei bei der Sitzung gewesen, dabei verfüge der Verein über 100 Beitragszahler. Nun führen die Vier ihre Ämter zwar kommissarisch weiter. Bei einer Vorstandssitzung am Donnerstag haben sie aber beschlossen, einen öffentlichen Aufruf zu starten. Mit einem dringenden Appell an jede Frau, die sich so ein wichtiges Ehrenamt vorstellen könne: „Falls wir niemanden finden, müssen wir den Verein spätestens nächstes Jahr auflösen“, sagt Wagner. Das wolle aber niemand. Zu wichtig sei die Arbeit von „Frauen helfen Frauen“.

Schnelle Hilfe bei Gewalt

1987 gegründet, bot der Verein Frauen und Mädchen von Anfang an über ein Notruftelefon anonyme und schnelle Hilfe an. Ob bei Missbrauch, Gewalt oder anderen Sorgen: Bis heute haben die Seelsorgerinnen ein offenes Ohr für Nöte. „Aus unserem Verein kam auch der Anstoß für ein Frauenhaus in Gmünd“, erzählt Michel. 1990 wird dieses eröffnet, heute ist der Betrieb vom Verein abgekoppelt. Stattdessen bieten Sozialpädagogin Christiane Reiser und Heilpädagogin Susanne Ibrahimovic Hilfe für betroffene Frauen und Mädchen an.

„Bei uns melden sich Menschen zwischen 15 und 70 Jahren“, erzählt Reiser. Sie ist halbtags angestellt, berät bei grundsätzlichen Lebensproblemen und informiert vorbeugend über das Thema Missbrauch in Schulen und Kindergärten. Bei dieser Prävention ist auch Honorarkraft Ibrahimovic dabei. Außerdem ist sie für die Therapie von Kindern und Jugendlichen zuständig, die Missbrauch erfahren haben. Vorstandsmitglied und Anwältin Eva Tschirren-Necker bringt sich zudem mit Rechtsberatung ein. All diese Arbeitsfelder laufen gut, sagt Christel Michel, „auch finanziell steht der Verein gut da“. Was nun fehlt, sind neue, engagierte Frauen im Vorstand. „Denn ohne Vorstand kann und darf ein Verein nicht bestehen.“

Offen für neue Ideen

Vier Frauen teilen sich die Arbeit aktuell – „laut Satzung sollten es fünf sein, doch diesen Platz konnten wir schon lange nicht mehr besetzen“, so Michel. Maria Wagner ist Schatzmeisterin und kümmert sich mit Hilfe von Christel Michel um den Zahlungsverkehr und die Verwaltung des Vermögens. „Waltraud Walter und ich schreiben den jährlichen Jahresbericht“, sagt Michel. Außerdem werde eine Hauptversammlung pro Jahr organisiert. „Nicht zuletzt stellen wir den Verein nach außen dar.“

Tschirren-Necker bringt es auf den Punkt: „Wir suchen Frauen, die sich im Verein für feministische Themen und Frauenrechte stark machen wollen.“ Zwar in erster Linie für den Vorstand, aber auch für das Vereinsleben allgemein. „Hier dürfen gerne neue Ideen Einzug halten.“ Cornelia Villani

Wer Interesse hat, bei „Frauen helfen Frauen“ einzusteigen, schreibt eine E-Mail an frauen-helfen-frauen-gd@web.de oder meldet sich bei Christel Michel unter 0171/3141862 oder Waltraud Walter unter 0176/40502741.

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