Frieden fängt im Kleinen an

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Die Moscheen zogen an einem Strang, um das Großereignis mit weit über 500 Gästen und zahlreichen Ehrengästen zu stemmen.
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In gutem interreligiösem Dialog feiern die Muslime auf dem Münsterplatz Iftar und zeigen, was Hingabe zu Gott mit Frieden zu tun hat.

Schwäbisch Gmünd

Nicht viele Städte halten so zusammen“, lobt der Vorstandsvorsitzende der Gmünder Ditib, Ibrahim Aslan, am Samstagabend den interreligiösen Dialog in Gmünd. Bestes Beispiel sei der Iftar, das öffentliche Fastenbrechen, das nach einer zweijährigen Zwangspause wieder auf dem Münsterplatz stattfand. Die Moscheen zogen an einem Strang, um das Großereignis mit weit über 500 Gästen und zahlreichen Ehrengästen zu stemmen, darunter Landrat und Oberbürgermeister, die beiden Gmünder Dekane, Vertreter aus der Politik sowie der türkischen, bosnischen und kosovarischen Konsulate in Stuttgart.

Wie wichtig der Fastenmonat Ramadan ist, machte Imam Mirhet Joldic von der Islamischen Gemeinschaft deutlich: Für die rund 1,5 Milliarden Muslime sei er die heiligste Zeit im Jahr, in der sich die Gläubigen besonders zu Gott hingeben. Er nannte ihn einen Monat des Friedens und der Versöhnung. Dass die Fastenzeit der Christen etwa zeitgleich stattfand, „stärkt uns besonders in dieser Zeit“. Der Islam lehre, dass alle Menschen Geschwister seien, fuhr er fort. Das gemeinsamen Fastenbrechen, der Iftar, wiederum sei eine gute Gelegenheit, sich besser kennenzulernen.

An das Bild der Tischgemeinschaft knüpfte Dekanin Ursula Richter an, die zum Ramadan 2022 Segen und Frieden wünschte. Bei allen Unterschieden der drei abrahamitischen Religionen, „was sie verbindet, ist eine starke Tischtradition und Geschichte“. Den sechs Meter langen Tisch, den Putin von Bundeskanzler Scholz trennte, nannte sie allerdings ein Gegenbeispiel von Tisch – das Bild werde in die Geschichte eingehen, prognostizierte sie. Sie erinnerte daran, dass Abraham drei Fremden Gastfreundschaft gewährt habe. Er habe erkannt, dass Gott ihm im Fremden begegnet. Weil Segen darauf liegt, wünschte Sie: „Abrahams Gastfreundschaft soll uns alle erfüllen.“ Den Gmünder Muslime dankte sie für die ihre anlässlich des gemeinsamen Fastenbrechens.

Dekan Robert Kloker schloss das jüdische Pessachfest mit ein, das dieses Jahr ebenfalls auf Ostern fiel. Dies berge die Chance, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen. Er erinnerte an die derzeitigen Feindseligkeiten in Jerusalem, die zeigten, wie wichtig es ist, „im Fest- und Feiermodus aufeinander Rücksicht zu nehmen und jeden seine Religion leben zu lassen“.

Architekt des Erfolgs

Als nächsten Redner bat Moderator Ibrahim Aslan OB Richard Arnold auf die Bühne, den er als den „Architekten des Gmünder Erfolgs“ begrüßte, weil er nie an der Gmünder Charta gezweifelt habe. Arnold begrüßte die Anwesenden mit der arabischen Grußformel Salem Aleikum, Friede sei mit dir. Begegnung und Gemeinschaft falle nicht vom Himmel, mahnte er. Man müsse etwas dafür tun, damit sie entstehe. Er wünschte den Menschen, die Wurzeln im Ausland haben, „dass sie Gmünd als ihre Heimat finden“. Das gemeinsame Fastenbrechen nannte er hierfür eine gute Möglichkeit.

„Lassen Sie uns auch in Zukunft zeigen, wie Gemeinschaft funktioniert“, forderte Landrat Dr. Joachim Bläse. Frieden nannte er „etwas ganz Wichtiges“; er fange zuhause, in der Nachbarschaft und in der Kommune an. Jeder könne seinen Teil beitragen, indem er den Dialog suche, andere beschütze und für Ältere da sei. Zwischen den Grußworten hatten das Gebet – Ditib-Imam Asef Albayrak rezitierte aus dem Koran – und Gesangseinlagen des Kinderchores ihren Platz. Punkt 20.33 Uhr, der Zeit des Sonnenuntergangs, ertönte der Gebetsruf und alle waren eingeladen, bei Suppe, Reis, Gulasch und grünem Salat gemeinsam das Fasten zu brechen.

Fastenbrechen

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