Friseure wollen weg vom PCR-Test

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Die Obermeisterin der Gmünder Friseur-Innung, Jutta Grames, bei der Arbeit. Sie mahnt eine Änderung der Coronaverordnung an.
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Obermeisterin Jutta Grames: Stattdessen Schnelltest von Ungeimpften fordern. Landesvorstand will über Gmünder Vorschlag beraten.

Schwäbisch Gmünd

Ausgrenzung“, „menschenunwürdig“: Jutta Grames platzt der Kragen, wenn sie auf die derzeitige Corona-Politik der Landesregierung angesprochen wird. Die Obermeisterin der Friseurinnung Schwäbisch Gmünd sieht potenzielle Kunden der Friseursalons, die sich nicht impfen lassen möchten, unter Druck gesetzt. Und sie sieht viele Mitglieder ihrer Branche erneut in Existenznot gebracht.

Der Knackpunkt sei, dass ungeimpfte Kundinnen und Kunden nur mit einem negativen PCR-Test zum Friseur kommen können Sie fordert, dass für Ungeimpfte ein negativer Schnelltest ausreichend ist, wie dies bei früheren Kontaktbeschränkungen auch geregelt war. Die Forderung der Gmünder Innungsobermeisterin überzeugt offenbar auch den Landesgeschäftsführer des Fachverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg, Matthias Moser: Er kündigte an, Grames' Vorschlag bei der nächsten Landesvorstandssitzung Mitte Januar einzubringen.

„Gängelei zum Impfen“

„Die Schnelltests haben am Anfang des Jahres doch auch gereicht“, argumentiert Grames. Und sei seien einfach und kostenlos zu bekommen - im Gegensatz zu den PCR-Tests, die schnell mal 30 Euro und mehr kosteten und zudem die Terminvereinbarung erheblich erschwerten. Nach Einschätzung ihres Fachverbands habe das Sozialministerium in den Beratungen zu den neuen Auflagen darauf beharrt, dass der PCR-Test für Ungeimpfte verpflichtend wird. Jutta Grames sieht das eher als „Gängelei zum Impfen“.

Die Obermeisterin sieht in der Friseurleistung weit mehr als eine äußerliche Verschönerung. Es sei ein Teil der Grundversorgung für die Bevölkerung, eine Stärkung des Selbstwertgefühls und dies „zur Aufrechterhaltung der Menschenwürde“. Sie habe beispielsweise eine 90-jährige ungeimpfte Kundin, die seit 30 Jahren zu ihr kommt. Solle sie der nun sagen, dass sie nur noch mit PCR-Test kommen darf? „Das ist unmenschlich“, meint Grames.

Zumal sich das Hygienekonzept der bewährten Salons im bisherigen Verlauf der Pandemie bewährt habe, Friseure hätten nie zu den Treibern der Ansteckung gehört. Dazu gehörten auch in der aktuellen Fassung Elemente wie Handhygiene, Maskenpflicht, das Abfragen der Kontaktdaten und die Kontrolle der Impfnachweise oder Tests. Die geltende Vorschrift aber schließe Ungeimpfte als Kunden faktisch aus. Zu ihr jedenfalls sei noch kein einziger Kunde gekommen, der einen PCR-Test vorgezeigt habe, sagt Jutta Grames.

Durch diese Regelung falle ein Teil des Umsatzes für die Salons weg, die bereits durch die vorherigen Corona-Wellen geschwächt seien. Viele Kollegen hätten schon ihre finanziellen Reserven angegriffen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Das sei ein gutes Hilfsmittel, aber eben nicht auf Dauer. Wenn aber Mitarbeiter jedoch ihre Stelle verlieren, bestehe die Gefahr, dass sie in die Schwarzarbeit abwandern. Und ob dort die Hygieneauflagen eingehalten werden, könne erst recht niemand kontrollieren, argumentiert Jutta Grames.

Zudem sei es wichtig für die Salons, ihre erfahrenen Mitarbeiter zu halten. „Wir brauchen die Leute wieder“, sagt die Obermeisterin der Gmünder Innung, in der rund 40 Betriebe Mitglied sind.

Nicht ausgeschlossen

Und sie ist sich nicht sicher, dass es nicht noch schlimmer kommt: Schlussendlich, so Grames, hätten die Politiker bislang selbst einen erneuten Lockdown nicht ausgeschlossen, das Wort tauche immer wieder auf.

„Die Schnelltests haben am Anfang des Jahres doch auch gereicht.“

Jutta Grames,, Friseur-Obermeisterin
  • Folgen für den ganzen Handwerkszweig
  • Der Fachverband Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg warnte bereits vor dem Inkrafttreten der 2G+-Regelung für Friseure vor Folgen für den ganzen Handwertkszweig: Das „würde die Friseurbetriebe in Existenznot bringen. Friseursalons sind keine multinationalen Konzerne, die das einfach wegstecken“, erklärte der Landesvorsitzende Herbert Gassert. Eine „renommierte deutsche Universität“ habe in einer Studie festgestellt, dass das Risiko, sich bei einem Friseurbesuch mit dem Corona-Virus zu infizieren, sehr gering sei. In den Friseursalons werde ein erfolgreiches Hygienekonzept praktiziert. Der geforderte PCR-Test werde eher dazu beitragen, dass Kunden zu unseriös arbeitenden Betrieben abwandern, wo die strengen Hygieneregeln eben nicht eingehalten würden, meinte Gassert.

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