Fronleichnam ohne echte Prozession

  • Weitere
    schließen
+
Feiertag in Corona-Zeiten: Die gewohnte Fronleichnams-Prozession durch die Straßen fand nicht statt, dafür eine durch das Heilig-Kreuz-Münster.

Monstranz wird am Donnerstag feierlich durch die Gänge vor und hinterm Hochaltar im Münster getragen. Besucher auf Abstand bedacht. Musikalische Begleitung begeistert.

Schwäbisch Gmünd

Es ist eine Durststrecke des Glaubens, denn wir können nicht in der großen Gemeinschaft miteinander feiern, die muttersprachlichen Gemeinden feiern eigenständig!", beschrieb Dekan Robert Kloker den Fronleichnams-Gottesdienst in Corona-Zeiten. Statt einer übervollen Kirche wie gewohnt an diesem Festtag, waren die Reihen nur locker im Corona-Abstand besetzt.

Provozierend wirke das Motto des Blütenteppichs auf den Stufen zum Altar: "Wo er ist, da ist der Himmel – Da ist das Leben in Fülle", begann Pfarrer Kloker. In der Corona-Zeit fühle man sich doch eingeengt. Allerdings, fuhr er fort, tun Einschränkungen im Leben gut, denn man könne und müsse sich neu ausrichten. Auch auf Jesus Christus. "Wer satt ist, spürt den Hunger nicht mehr, jetzt spüren wir den Hunger nach Beziehung!"

Fünf Ministranten, zwei Kantoren, Mesnerin und die Pfarrer Robert Kloker und Michael Holl zogen mit Kreuz, Kerzen und Weihrauch durch den Mittelgang in den geschmückten Altarraum. Frisches helles Grün an den Zweigen der Birkenstämme umrahmten Hochaltar und Säulen. Blumen und Blütenteppich ergänzten das reiche Farbspiel und Weihrauch strömte in dichten Wolken ins Kirchenschiff. An Fronleichnam um neun Uhr ein feierlich gestalteter Gottesdienst mit Abendmahl, bei dem die Hostien von Pfarrern und Helfern mit Gesichtsschild am Sitzplatz gereicht wurden.

Die gewohnte Fronleichnams-Prozession durch die Straßen fand nicht statt, dafür eine durch das Münster. "Das ist ja eine klassische Wegekirche!", so der Dekan und trug die Monstranz aus der Schatzkammer des Münsters in Begleitung durch die Seitenschiffe und hinter dem Hochaltar hindurch ohne vom Traghimmel, dem Baldachin, gedeckt zu sein. Kloker: "Kein Mangel, denn das Motto des Blütenteppichs erläutert ja, dass wo ER ist, der Himmel ist."

Es ist eine Durststrecke des Glaubens.

Robert Kloker, Münsterpfarrer

Die Predigt mit der Botschaft "Gott geht mit uns, auch in schweren Zeiten" bezog sich auf Deuteronomium 8.2 – 3..14-16a. Die Israeliten hatten 40 Jahre in der Wüste zugebracht und immer wieder darüber nachgedacht, ob eine Entscheidung für die Sklaverei nicht die bessere wäre als für diesen entbehrungsreichen Zug. Auch Corona verlange heute jedem einiges an Verzicht ab. Für die Kirchengemeinde zum Beispiel den Verzicht auf Prozessionen an diesem hohen Festtag. "Doch gerade deswegen dürfen wir an Jesus, das lebendige Brot, glauben!” Schwere Zeiten kenne jeder, auch Durststrecken im Glauben, wenn das Beten schwerfällt. Doch Gott schenkte den hungernden Israeliten das Manna und sie erkannten während des Hungerns: Wir sind von Gott beschenkt. "An Gott glauben, sich von ihm beschenkt zu wissen, das bedeutet Leben, das führt in die Freiheit!”, so Kloker. "Leben ist mehr als Essen und Trinken. Gerne hätten wir IHN heute durch die Straßen getragen, als Zeichen dafür, dass Gott in jedem Lebensbereich zu finden ist.”

Wieder war Gemeindegesang nicht erlaubt. Aber die Kantoren Dominik und Sebastian Tobias füllten mit ihren Stimmen das Münster. Getragen, andachtsvoll und besinnlich erklangen die Lieder, von Stefan Beck an der Orgel begleitet. Auch er ließ fröhliche und tiefgehende Choralmelodien voll variantenreicher Tonfolgen erklingen. Ganz besonders eindringlich der sphärengleiche Zusammenklang von Orgel und Oboe, von Martin Thorwarth feinfühlig und meisterlich gespielt.

Die Besucher lauschten tief berührt dem jubelnden Schlussgesang der Kantoren mit "Großer Gott, wir loben dich!” und dem mitreißenden Orgelspiel nach Ende des Gottesdienstes, das sie mit Applaus belohnten.

Wie hier am Strutweg 9 gab es trotz der Corona-Einschränkungen bunte Blumenteppiche zu bestaunen.
Auch in der Messelsteinstraße 7 in Herlikofen ließen es sich die Gläubigen nicht nehmen, ihren Blütenteppich zu gestalten.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL