Frust und Hoffnung im i-Punkt

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Wie der Einzelhandel darf auch der i-Punkt Ware oder Karten aktuell nur nach Bestellung an der Tür ausgeben. Die meisten Anfragen beim Team von Markus Herrmann – hier mit Claudia Heuter-Ladiges (vorne) und Nicole Schramel – kommen daher per E-Mail oder Telefon an.
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Was derzeit im i-Punkt am Gmünder Marktplatz läuft und vor allem, was nicht läuft. Die Rücknahme von Karten für Konzerte etwa, wenn sich der Veranstalter quer stellt.

Schwäbisch Gmünd

Nicole Schramel und Claudia Heuter-Ladiges sind es gewohnt, den Menschen schöne Erlebnisse zu verkaufen. Doch seit gut einem Jahr sind die Mitarbeiterinnen im i-Punkt am Marktplatz mehr damit beschäftigt, verkaufte Karten für Konzerte, Musicals oder andere Veranstaltungen zurückzunehmen, die wegen Corona nicht stattfinden konnten. Wobei es am Veranstalter liege, ob das funktioniert, erklärt Markus Herrmann, Chef der Touristik und Marketing GmbH (T&M) als Betreiber des i-Punkts: „Wir sind nur der Makler und reichen die Karten im Auftrag des Veranstalters an die Kunden weiter.“ Dafür erhalte die T&M eine Provision.

Für den Kunden jedoch ist der i-Punkt die erste Anlaufstelle, wenn er die Karten dort gekauft hat. Sobald der Veranstalter das Konzert storniert habe, können die Mitarbeiterinnen die Karten zurücknehmen und dafür einen Gutschein ausgeben. Nach Ablauf des Jahres soll der Kunde sein Geld erhalten, falls er den Gutschein nicht einlösen konnte, erklärt Markus Herrmann die Rechtslage.

Ist das Konzert jedoch lediglich verschoben, könne die T&M dem Kunden weder einen Gutschein noch das Geld zurückgeben. In diesen Fällen gebe es schon manche, die meinen, „wir sind schuld“, erzählt er, „da muss man dann Überzeugungsarbeit leisten“. Das komme allerdings selten vor, sagt der T&M-Chef, der Verständnis für verärgerte Kunden zeigt: Manche haben da richtig viel Geld liegenlassen, etwa wenn jemand mehrere Musicalkarten im Wert von jeweils gut 100 Euro gekauft hatte.

Doch entsprechend sei es auch für die T&M keine Frage der Kulanz, die Karten zurückzunehmen. Das wären Unsummen, auf denen die städtische Tochtergesellschaft sitzenbleiben würde. Schließlich gibt es im i-Punkt Karten für Veranstaltungen vom Bodensee bis Hamburg.

Und die T&M müsse durch Corona ohnehin Umsatzeinbrüche verkraften. Die Bilanz für 2020 sei noch nicht fertig. Doch ab April bis Dezember lägen die Einbußen im Kartenverkauf bei 700 000 bis 800 000 Euro. Da sich daraus die Provision für die T&M ergebe und auch der Souvenirverkauf eingebrochen sei, rechne er mit einem Verlust von 100 000 bis 200 000 Euro, sagt der T&M-Geschäftsführer. Das ziehe sich ins Jahr 2021 fort.

Ware gibt es nur an der Tür

Melden sich denn überhaupt noch Kunden, die Karten für bevorstehende Veranstaltungen kaufen wollen? Vereinzelt, antwortet Claudia Heuter-Ladiges. „Das ist natürlich frustrierend“, meint sie, „doch wir hoffen darauf, dass es im Juni besser wird, wenn alle geimpft sind“.

Ob der i-Punkt dann wieder normal öffnen darf, wird gemäß der Coronaverordnung wie im Einzelhandel an der Sieben-Tage-Inzidenz hängen. Derzeit ist die Verkaufsstelle der T&M für Kunden geschlossen. Vorbestellte Ware wie Souvenirs oder Konzertkarten dürfen die Mitarbeiterinnen nur an der Tür ausgeben – und dort auch Karten zurücknehmen.

So sind die Mitarbeiterinnen derzeit vor allem damit beschäftigt, Anfragen via Telefon und E-Mail zu beantworten. Es gebe einige Leute aus dem weiteren Umkreis, die nach Freizeitaktivitäten im Gmünder Raum fragen, berichtet Nicole Schramel. Manche, die zur Landesgartenschau 2014 oder zur Remstal-Gartenschau 2019 in Schwäbisch Gmünd waren, erkundigten sich konkret, ob der Himmelsgarten, die Kugelbahn und das Naturatum geöffnet seien, ergänzt Claudia Heuter-Ladiges. Das sind sie seit Anfang April. Allerdings habe das Ordnungsamt vor allem im Himmelsgarten gut im Blick, ob die Besucherdichte zu groß wird, als dass die Leute noch Abstand halten können, sagt Markus Herrmann auch in seiner Funktion als Stadtsprecher. Ansonsten könne es sein, dass manche Bereiche abgesperrt werden müssen. Etwa der Kinderspielplatz am Teich, an dem Eltern sonst lange nebeneinander verweilen. An der Kugelbahn sei die Gefahr einer Ansteckung deutlich geringer, weil die Leute unterwegs seien und Abstand halten.

Neben den Attraktionen bei Wetzgau und im Taubentalwald sind bei Gmündbesuchern auch die Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt gefragt. Die Mitarbeiterinnen im i-Punkt versenden dazu gerne Infomaterial. Doch die Stadtführungen sind wegen Corona bis mindestens Pfingsten abgesagt.

Während es im i-Punkt insgesamt deutlich ruhiger ist als vor dem Lockdown, arbeiten die Mitarbeiter an einem Online-Portal, über das Interessierte die Stadtführungen auch online buchen können. Im Sommer soll es soweit sein, kündigt Markus Herrmann an. Zudem hat das i-Punkt-Team die mittlerweile ruhigere Coronazeit genutzt, das Gmünder Tourismusangebot mit anderen Portalen wie Stuttgart Regio zu vernetzen.

Das ist natürlich frustrierend, doch wir hoffen darauf, dass es im Juni besser wird, wenn alle geimpft sind.“

Claudia Heuter-Ladiges, Mitarbeiterin im i-Punkt

Wie Kunden ihre Karten erstattet bekommen

Bei abgesagten Veranstaltungen gilt: „ohne Leistung keine Gegenleistung“, heißt es auf dem Verbraucherportal des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Daher hätten Verbraucher in den allermeisten Fällen Anspruch auf Rückerstattung des Eintrittspreises. Da die Veranstalter die Rückabwicklung häufig auf die Vorverkaufsstellen übertragen, sollten Kunden zunächst diese kontaktieren, obwohl sie ihnen gegenüber keinen Rechtsanspruch haben, so der Rat des Verbraucherportals. Funktioniere es über die Vorverkaufsstellen nicht, sollten Betroffene auf den Veranstalter zugehen, der schließlich ihr Vertragspartner sei.

Sondersituation Corona: Bei coronabedingter Absage oder Verschiebung einer Veranstaltung dürfen die Veranstalter den Ticketinhabern statt der Rückerstattung des Kaufpreises Wertgutscheine in Höhe des Eintritts ausstellen, informiert das Verbraucherportal. Das Recht auf Rückerstattung werde damit ausgesetzt für Tickets, die vor 8. März 2020 gekauft wurden. Werden Gutscheine bis Ende 2021 nicht eingelöst, ist laut Ministerium für Verbraucherschutz ihr voller Wert zu erstatten.

In Härtefällen können Verbraucher die Annahme eines Gutscheins verweigern. Etwa, wenn es ihnen ohne die Auszahlung nicht möglich ist, existenzielle Lebenshaltungskosten wie die Miete zu begleichen. Auskünfte dazu gibt die Verbraucherzentrale. jul

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