Für Gmünd wird Geld und Landschaft knapp

  • Weitere
    schließen
+
Max Fuchs wird an diesem Dienstag 80. Jahre.
  • schließen

SPD-Urgestein Max Fuchs verfolgt die Politik nach wie vor aufmerksam. Heute wird er 80 Jahre.

Schwäbisch Gmünd. Vor zehn Jahren hat sich Max Fuchs aus der Kommunalpolitik zurückgezogen, in der er über Jahrzehnte eine zentrale Rolle gespielt hatte. An diesem Dienstag wird er 80 Jahre alt. Die aktuelle Politik verfolgt er nach wie vor sehr aufmerksam. Und wenn man ihn fragt, nimmt er in vielen Punkten eine äußerst klare Haltung ein.

Zum Beispiel zur derzeitigen Politik der Stadtverwaltung: Da sieht er die „außerordentlich hohe Verschuldung“ als Grund zu großer Sorge. Wie es dazu kommen konnte, auch da hat der studierte Betriebswirtschaftler eine klare Antwort: „Es ist wohl nicht falsch, dass die jetzige Stadtverwaltung im Unterschied zu ihren Vorgängern eine leichtere Hand beim Geldausgeben hat.“

Landschaft schwindet

Als zweites drängendes Zukunftsthema für Gmünd sieht Max Fuchs den „immensen Landschaftsverbrauch durch neue Baugebiete“. Zwar sei die Stadt durch den großen Umbau schöner geworden, doch „die Landschaft um uns herum verliert immer mehr ihren Charakter“ durch die Zersiedelung. Das Argument, dass die junge Generation denselben Anspruch habe auf einen Häusle-Bauplatz wie die Älteren, greife nicht, wenn die Grundlage für diese Bauplätze, freie Fläche, schwindet. Der Ausverkauf in einem Geschäft sei doch auch zu Ende, wenn die Waren weg sind. „Dasselbe muss beim Ausverkauf einer Landschaft gelten.“ Deshalb hält er das von der Rathausspitze vor wenigen Jahren ausgegebene Ziel, Gmünd müsse um 10 000 Einwohner wachsen, für „grottenfalsch“.

Max Fuchs weiß Bescheid in der Kommunalpolitik: 1971 zog er erstmals in den Gmünder Gemeinderat ein und behielt diesen Sitz 40 Jahre lang, bis er sich 2011 verabschiedete. In diesen vier Jahrzehnten erlebte er fünf Oberbürgermeister. Die meisten dieser 40 Jahre stand er der SPD-Fraktion vor. Sein Engagement wurde mit dem Verdienstabzeichen des baden-württembergischen Städtetags in Gold gewürdigt.

Der Mann, der an der Kreishandelsschule und dem Wirtschaftsgymnasium unterrichtete, mischte auch in der Kreispolitik mit. 25 Jahre lang gehörte er dem Kreistag an. Er war Mitglied im GOA-Aufsichtsrat und 42 Jahre lang im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Ostalb.

1980 trat Fuchs als SPD-Kandidat zur Landtagswahl im Wahlkreis Schwäbisch Gmünd an. Damals holte er gegen den CDU-Kandidaten Dr. Helmut Ohnewald rund 30 Prozent - „was heute ein Traumergebnis wäre“, wie er sagt. Denn mit dem Zustand seiner Partei ist er nicht zufrieden. Der Sozialdemokratie fehlten charismatische Leute. So sei es auch zum Ausgang der Direktwahl der Parteivorsitzenden gekommen - bei der er für Olaf Scholz stimmte. Doch mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wurden zwei Vorsitzende gewählt, die so Fuchs, „aus der zweiten Linie“ kamen - und obendrein sei noch der heutige SDP-Kanzlerkandidat Scholz beschädigt worden.

Hohe Leidensfähigkeit

Fuchs kennt selbst schwere Zeiten in der Politik. In seinen ersten Jahren in der Kommunalpolitik habe die SPD aufgrund der überwältigenden CDU-Mehrheit im Gemeinderat „eine hohe Leidensfähigkeit“ gebraucht. Er erinnert sich noch: Wenn der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Röhrle „Wir haben in unserer Fraktion beschlossen“ gesagt habe, dann sei klar gewesen, dass jede weitere Diskussion unnötig war. Zwischen CDU und SPD verlief damals die härteste Konfrontationslinie im Gmünder Gemeinderat. Um Themen wie die Einrichtung der Fußgängerzonen oder den Bau des Klösterle-Parkhauses sei leidenschaftlich gerungen worden.

Das Verhältnis zu den Christdemokraten änderte sich: Zu dem späteren CDU-Fraktionsvorsitzenden Bruno Röttele habe er durchaus einen Draht gehabt, sagt Max Fuchs. Zum über Jahrzehnte größten Gmünder Thema, dem B-29-Tunnel wandelte sich damals die Meinung: Viele seien zu der Ansicht gekommen, dass dieses Projekt wegen der hohen Kosten nie gebaut werde. Kritiker schalten diejenigen, die am Tunnel festhielten, als „Traumtänzer“, schlugen den Bau einer Hochstraße als Alternative vor. Letztlich habe zum Erfolg geführt, dass die beiden großen Fraktionen im Gemeinderat, die CDU unter Röttele und die SPD unter Fuchs, unbeirrt am Tunnel festhielten. „Wenn die kommunale Seite zugunsten einer ebenerdigen Bestandslösung umgefallen wäre. wäre das Tunnelprojekt sofort tot gewesen“, da ist sich Fuchs sicher und mit Röttele einig.

Als Max Fuchs 2011 aus dem Gmünder Gemeinderat verabschiedet wurde, stellte er denn auch zufrieden fest: „Wir können alle noch immer miteinander reden.“ Wolfgang Fischer

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL