Für viel Leben im Sterben

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Vom Klostergarten aus zeigen Schwester Benedicta Ewald und Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel den Hospizneubau, der bis Frühsommer fertig sein soll.
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Die Gmünder Tagespost sammelt im Advent 2020 für das Klosterhospiz – konkret für die Ausstattung des Gemeinschaftsraumes als "Mittelpunkt des Hospizes".

Schwäbisch Gmünd

Er will noch einmal Weihnachten erleben. Das hat sich ein Bewohner in einem Hospiz vor dem ersten Advent gewünscht – wohlwissend, dass seine Krankheit keinen Aufschub bis 24. Dezember gewähren wird. Die Hospizmitarbeiter haben Weihnachten daher für ihn vorverlegt. Mit einem schön geschmückten Baum und einer festlich gedeckten Tafel.

Diese Geschichte, die Schwester Benedicta Ewald vom Kloster der Franziskanerinnen, Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel und die anderen Teilnehmer bei der Besichtigung einer Hospizeinrichtung gehört haben, hat sie tief bewegt. Und die Geschichte hat sie zugleich bestärkt in ihrem Vorhaben, den Gemeinschaftsraum im neuen Hospiz beim Kloster der Franziskanerinnen so einzurichten, dass dort ganz viel Leben sein kann. Im Advent, an Weihnachten, zu Geburtstagen und anderen Anlässen.

Die Gmünder Tagespost will der Klostergemeinschaft als Trägerin des neuen Hospizes helfen, diesen Gemeinschaftsraum als Ess- und Wohnzimmer mit offener Küche einzurichten. Die Krankenkassen übernehmen beim Hospizneubau zwar 95 Prozent der Investitionskosten, informiert Manfred Welzel, allerdings ausgehend von den vorgegebenen Standards. Sobald ein Raum ein paar Quadratmeter mehr habe oder eine wohnlichere Einrichtung, gehe dies auf das Konto der Klostergemeinschaft. Die Franziskanerinnen rechnen mit einem Eigenanteil von mindestens 400 000 Euro für den Neubau, der auf insgesamt 4,5 Millionen Euro veranschlagt ist.

Das Herz des Hospizes

Ein großer Tisch im gemeinsamen Wohnraum wird den "Mittelpunkt" und das "Herz" der Einrichtung bilden, sagt Schwester Benedicta Ewald, die das Projekt Klosterhospiz für die Schwesterngemeinschaft leitet. Dort können sich die Bewohner, die auf sein können, deren Angehörige wie auch Mitarbeiter versammeln, "zum gemeinsamen Mahl, zum Feiern von Festen, zu Gespräch und Austausch über Freuden und Nöte".

Projektkoordinatorin Dr. Angelika Daiker, die lange in der Hospizarbeit in Stuttgart tätig war, weiß: "Am Tisch zu sitzen und zu essen, ist eine elementare Erfahrung von Lebendigkeit." In der Gemeinschaft umso mehr. Denn "unabhängig von Kulturkreis, Weltanschauung und Religionszugehörigkeit ist das gemeinsame Mahl Zeichen dafür, dass wir Menschen einander Anteil an unserem Leben geben, Beziehungen aufbauen, pflegen und vertiefen", betont Schwester Benedicta Ewald.

Das gemeinsame Mahl ist Zeichen dafür, dass wir Menschen einander Anteil an unserem Leben geben.

Schwester Benedicta Ewald, Projektleiterin fürs Klosterhospiz

Auch die Zubereitung des Essens, die Vorfreude darauf, hat einen besonderen Stellenwert – spätestens, wenn der Duft eines Hefezopfs oder anderer Leckereien durchs Haus weht. So wird es im Gemeinschaftsraum neben dem großen Tisch eine offene Küche geben, in der Frühstück und Abendbrot zubereitet und letzte Wünsche erfüllt werden. Wenn sie wollen und können, werden die Gäste dort gemeinsam mit Ehrenamtlichen oder dem Küchenteam kochen und backen, um noch so viel Normalität wie möglich zu leben.

Der Gemeinschaftsraum wird ebenerdig mit den acht Zimmern der Bewohner verbunden sein. So können auch jene, die nicht mehr imstande sind, das Bett zu verlassen, über die offene Zimmertür Anteil am Leben dort nehmen, sagt Angelika Daiker.

Sobald das Klosterhospiz in der Bergstraße im Frühsommer 2021 eröffnet ist, werden dort Menschen völlig unabhängig von ihrem Glauben und ihrem Alter aufgenommen, deren Krankheiten nicht mehr behandelt, mit Medikamenten nur noch Schmerzen gelindert werden. Die Gäste bezahlen nichts für den Aufenthalt dort. Die Hauptlast der Betriebskosten, die pro Jahr auf 1,3 Millionen Euro geschätzt werden, tragen die Krankenkassen. Die Klostergemeinschaft geht von um die 120 000 Euro Eigenanteil pro Jahr aus. Auch dafür sammeln die Franziskanerinnen Spenden.

Teil einer Gemeinschaft

Das Hospiz wird für den ganzen Gmünder Raum da sein und ist als Gemeinschaftsprojekt von 23 Kommunen konzipiert. Mit insgesamt 10 000 Euro finanzieren die Stadt Schwäbisch Gmünd und die Gemeinden ringsum das Klosterhospiz mit. Und sie stehen dafür ein, dass die Einrichtung und die Menschen, die darin arbeiten und leben, nicht alleine, sondern Teil einer Gemeinschaft sind.

Spenden fürs Klosterhospiz gehen auf das Konto IBAN DE94 6145 0050 1001 1333 53 bei der Kreissparkasse Ostalb.

Diese Räume entstehen im Klosterhospiz. Die Gmünder Tagespost sammelt in ihrer Weihnachtsaktion Spenden für die Ausstattung des Gemeinschaftsraumes. Plan: Springmann Architektur/Grafik: ca
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