Fußpilz als Wunschtraum

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Hatte schon etliche Corona-Patienten: Dr. Susanne Beyn in ihrer Praxis in Unterbettringen.
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Immer wieder Umstellungen, belastete Patienten: Wie die Allgemeinärztin Dr. Susanne Beyn ein Jahr Corona-Pandemie erlebt hat.

Schwäbisch Gmünd

Wenn Alltag dasselbe wie Routine meint, dann gibt es ihn nicht für Dr. Susanne Beyn: Corona-Alltag. "Es ist permanentes Gehirnjogging", sagt die Allgemeinärztin aus Bettringen. Weil ständig neue Anforderungen kommen: "Tests, Abstriche, Abrechnungen, EDV – wir müssen immer wieder anpassen." Außerdem müssen sich Beyn und ihr Team so organisieren, dass die Praxis möglichst leer bleibt. Sie nutzen nun Räume, die früher nicht gebraucht wurden. Abstriche werden auf dem Parkplatz hinter dem Haus gemacht. "Allgemeinmediziner sind erfinderisch", sagt die Ärztin.

Den nächsten Anpassungsschritt – das Impfen beim Allgemeinarzt – hat Beyn in ihrer Praxis, die sie sich mit der Kollegin Telje Meyer-Lohmann teilt, schon vorbereitet. "Wir haben einen neuen Kühlschrank gekauft, wir haben alles genau überlegt. Die Logistik können wir." Wann es losgehen kann mit dem Impfen? Die Kassenärztliche Vereinigung spreche von Anfang April, so Beyn. Und wie viele Impfungen sind dann täglich möglich? "Zehn schaffen wir ganz sicher, 20 müssten auch machbar sein", schätzt die Medizinerin. "Und wenn eine Kollegin nur impft, dann gehen auch 30." Das Personal sei das eigentliche Limit, sagt die Ärztin. Und sie fügt noch eines hinzu: "Es wird übersehen, was die Fachangestellten derzeit alles leisten."

Allgemeinmediziner sind erfinderisch.

Dr. Susanne Beyn

Das Organisatorische, das sich permanent ändert, ist nur ein Aspekt der Umwälzungen durch Corona. Es sind vor allem die Patienten, mit denen vieles anders ist. Es kommen weniger Menschen als früher in die Praxis; viele überlegen zweimal, ob der Arztbesuch wirklich nötig ist. Außerdem gibt es keine Grippewelle: "Die Infektionen, die uns sonst im ersten Quartal beschäftigten, hat es kaum gegeben." Die Menschen, die doch kommen, sind dafür "richtig krank". Als Schwerpunktpraxis hatten Beyn und ihre Kolleginnen etliche Corona-Infizierte in Behandlung, junge und ältere. Beyn hat vielfältige Folgen erlebt nach überstandener Infektion: "Die Älteren sind danach häufig in einem deutlich schlechteren Zustand", erzählt sie. Etwa der Mensch im Pflegeheim, der vor Corona mobil war – und jetzt keine Kraft mehr habe um aufzustehen. "Wir stellen auch kognitive Veränderungen fest", erzählt sie, "wobei das schwer ist zu unterscheiden, ob es an der Infektion oder an der Kontaktarmut liegt." Psychische Belastungen durch die Pandemie kommen häufig vor, das stellt Dr. Beyn immer wieder fest: "Patienten sind oft psychisch am Rand der Belastbarkeit. Es gibt Leute, die die Einsamkeit nicht mehr packen." Der Anteil von Gesprächen als Teil der Behandlung habe zugenommen, erzählt Susanne Beyn. "Es ist intensiver geworden", sagt sie. Da kommt es, im Gespräch unter Kollegen, vor, dass man sich ganz Banales wünscht: "Ich habe kürzlich gesagt, ich würde gerne mal wieder einen Fußpilz behandeln."

Fragen speziell zum Virus haben, nach inzwischen einem Jahr Pandemie, sehr abgenommen. "Momentan ist es vor allem die Impfung, die die Menschen beschäftigt." Rund die Hälfte aller Patienten frage danach, erzählt Susanne Beyn. Sie hat eine klare Meinung dazu: "Jede Impfung ist wertvoll. Ich glaube, dass Impfen der einzige Weg aus dem Schlamassel ist."

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