Gartenfreude ein Leben lang

  • Weitere
    schließen
+
Die gepflegte Erscheinung des Barnsley-Gardens in Schwäbisch Gmünd kommt nicht von ungefähr: Dagi Glasenapp hat fast täglich einen Blick auf Blumen und Sträucher, greift ein, wenn es nötig ist.
  • schließen

Dagi Glasenapp pflegt seit der Landesgartenschau den Barnsley-Garden in Schwäbisch Gmünd. Ziel vieler Besucher der Stadt und eine Augenweide rund ums Jahr.

Schwäbisch Gmünd

In uns allen kann irgend ein Reiz eine Kindheitserinnerung wecken. Für einige unter uns ist es die Erinnerung an die Blumen, die wir in den Gärten unserer Großeltern sahen und nun vergeblich suchen. Das schrieb die englische Gartenikone Vita Sackville-West (1892 bis 1962). Ein Satz, der vielleicht auch für Dagi Glasenapp aus Schwäbisch Gmünd gilt, die nie vergisst, dass sie „ihre Gartenleidenschaft von der Oma mitgenommen hat“. Diese Leidenschaft kommt heute der Allgemeinheit zugute.

Dagi Glasenapp pflegt ehrenamtlich den zur Landesgartenschau 2014 geschaffenen „Barnsley Garden“ an der Grabenallee in Schwäbisch Gmünd. Ein kleines Paradies, in dem sich Spaziergänger ebenso wohlfühlen wie Bienen und Schmetterlinge. Ein Garten, der seine Schönheiten rund ums Jahr preisgibt.

Aber der Reihe nach: Dagi Glasenapp wächst in Oberndorf als ältestes von drei Kindern auf. Die Beziehung zur Oma ist eng, Omas Leidenschaft geht nahtlos an das Enkelkind über. Die Blumen, die Farben, der Duft der Sommerblüher haben es ihr angetan. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auf den Garten verzichtet Dagi Glasenapp ein Leben lang nicht mehr. Sie heiratet, zieht mit ihrem Mann – er ist bei der UNO beschäftigt - nach Essen und erlebt dort „eine hohe Gartenkultur“. Kleine Gärten am Haus sind dort selbstverständlich. Blumen gehören dazu, die vielen Bergleute im Ruhrgebiet ackern auch für Nutzpflanzen. Die Gartenfreundin schätzt die Nähe zu Holland, auch die Nähe zu den englischen Gärten, experimentiert mit Samen und Setzlingen. Und verschlingt Bücher, die ihr Gartenwissen erweitern.

Ortswechsel: Aus beruflichen Gründen des Ehemanns ist Bangkok angesagt. „Auch dort hatte ich einen Garten“, sagt Dagi Glasenapp, die nun mit einer anderen Vegetation und anderen Pflanzen in Berührung kommt. Die aber immer wieder dieselben Erfahrungen macht“ Man erlebt die Pflanze immer drei Mal. Man hat ihr Bild vor Augen, nimmt einen Setzling in die Hand und sieht sie später in voller Pracht.

Zurück in Deutschland, entschließt sich Dagi Glasenapp viele Jahre später, nach Schwäbisch Gmünd zu ziehen. Der Sohn hat sich hier niedergelassen. Und weil der Garten ihres neuen Domizils nicht vor dem Haus ist, kommt sie zum Garten. „Der Barnsley-Garden“ ist mir bei der Gartenschau gleich aufgefallen“, erinnert sie sich. Es ist einer jener Gärten, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Villen der Parlerstraße bereicherten. Zur Gartenschau konnte die Stadt eines der privaten Grundstücke pachten. Gedacht war, die Anlage danach wieder aufzugeben.

Dann kommt die Gartenliebhaberin und bietet ihre Dienste an. Sie macht das mit so großem Engagement und Erfolg, dass Grundstückseigentümer wie Stadt froh über das Gartenparadies sind. Ein Dauerläufer, auch weil sich viele Besucher einfinden, auf den Gartenbänken oder im transparenten Pavillon Platz nehmen. Mit manchen kommt Dagi Glasenapp auch ins Gespräch, erntet für ihren Einsatz oft Anerkennung.

Angelegt im Stil der englischen Gartentradition, sollte der Barnsley-Garden auch direkt von Fachleuten der englischen Partnerstadt Schwäbisch Gmünds angelegt werden. Weil dort die Kapazität nicht vorhanden war, haben dies die Gartenbauer Lutz und Jakob Hokema (ehrenamtlich) übernommen. Was daraus geworden ist, dafür schwärmt Dagi Glasenapp bis heute: „Es gibt keinen Monat, der mich nicht begeistern würde.“ Während ein Rosengarten vielleicht sechs Wochen im Jahr voller Pracht ist, hat der englische Garten rund ums Jahr seine Höhepunkte. „Das ist die wirkliche Kunst der Gartenanlage, dass sich farbliche Akzente verteilt auf die ganze Anlage fast ununterbrochen zeigen.“

Im ausgehenden Winter sind die Schneeglöckchen erste Boten eines Vorfrühlings. Aber wirklich berühmt ist der Bereich der Grabenallee durch die Vielzahl der Krokusse. Sie haben ihren Ursprung in den Villengärten. Mit Spannung wartet die Gärtnerin auf einen Höhepunkt: Die Blüte der Flieder verzaubert den Garten im Mai, dann sind auch schon die Nachviolen zur Stelle, die farblich mit dem Flieder korrespondieren. Und natürlich die Pfingstrosen, die in diesem Jahr etwas später dran sind und wirklich auch noch nach Pfingsten erfreuen. Nicht zu übersehen die prächtigen Kugelblüher Allium, ein Lauchgewächs. Die Rambler-Rose setzt dem Pavillon einen Farbtupfer auf. Noch ist Frühsommer, aber mit dem Mohn und vor allem dem Phlox kündigt sich auch schon der Hochsommer an, es sind die Pflanzen des Juli und August. Da gibt sich Vita Sackville-West der Melancholie hin: „Ich werde immer traurig, wenn der erste Phlox erscheint. Er kündet das Ende des berauschenden Frühsommers an und mahnt uns, an den Herbst zu denken“, schreibt sie in ihrem Buch „Aus meinem Garten“.

Dagi Glasenapp pflegt sie alle, schneidet ab, was verblüht ist, sorgt an trockenen Tagen fürs nötige Nass. Ist, wenn nötig, täglich da. Und freut sich, dass sich auch über den Blumen Leben zeigt. Hundert Jahre alte Ahorn zählen dazu, ein junger Birnbaum in der Mitte ist Reminiszenz an die Bauzeit der Villen. Damals gehörte ein Birnbaum zum Garten.

Dann ist wirklich Herbst. Mit den Astern, nochmal in den schönen Farben rot, lila, blau und weiß, verabschiedet sich das Gartenjahr. Nur, um Wochen später neu zu starten. Die Christrose blinzelt schon durch.

Es gibt keinen Monat, der mich nicht begeistern würde.“

Dagi Glasenapp

Der Barnsley-Garden in Schwäbisch Gmünd

Der Städtepartnerschaft einen dauerhaften Platz geben: Diese Idee stand zur Landesgartenschau 2014 auf dem Programm. So entstand an der Grabenallee der Barnsley-Garden, gestaltet nach englischer Gartentradition. Kein Garten für eine Jahreszeit, sondern für das ganze Gartenjahr mit blühenden Überraschungen, die auch noch farblich aufeinander abgestimmt sind. Selbst die Höhenentwicklung kommt nicht von ungefähr, niedrige und hoch wachsende Pflanzen sind entsprechend angeordnet. Auch sieben Jahre nach der Gartenschau zählt die Anlage zu den gut besuchten Orten entlang des Spazierwegs durch die Stadt.

Die Blütenpracht des Sommers.
Eingang zu einem kleinen Paradies.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL